Musik

The Celebration of the 80s Tour Giorgio Moroder, Grandmaster of Disco

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Die Fans dürfen sich überraschen lassen - Giorgio hat etwas Feines für sie zusammengemixt.

Giorgio Moroder, vierfacher Grammy- und dreimaliger Oscar-Preisträger, geht auf Tournee. Klingt grundsätzlich nicht ungewöhnlich - nur dann, wenn man sich vergegenwärtigt, dass er das tatsächlich zum ersten Mal macht. Denn Moroder, der für Hits wie "Love To Love You Baby", "I Feel Love", "Hot Stuff", "Bad Girls", "Last Dance" und "On The Radio" verantwortlich und als "Father of Disco" und "Grandfather of House Music" in die Geschichte eingegangen ist, war mit seinem Werk tatsächlich noch nie unterwegs.

Auch Filmmusik gehört in sein Repertoire - er schuf den Soundtrack für "Midnight Express" und komponierte "Flashdance ... What A Feeling". Er schrieb Musik für sportliche Großereignisse wie die Fußball-Weltmeisterschaft 1990. Der gebürtige Italiener gründete in den 1970er-Jahren sein eigenes Schallplattenlabel in München und produzierte neben der unvergessenen Donna Summer auch Bonnie Tyler, David Bowie, Kylie Minogue, Irene Cara, Janet Jackson, Blondie, Japan und Berlin. "The Celebration of the '80s" wird nun eine fantastische Reise, denn Moroder wird seinen Wurzeln treu bleiben und dennoch alles perfekt in eine zukunftsgerechte Produktion umsetzen.

Die Zuschauer dürfen sich auf einen jungen Mann von 78 Jahren gefasst machen, der dirigiert, den Vocoder bedient und Electro- und Soundeffekte schafft. Er wird Klavier spielen und persönliche Geschichten erzählen, er wird eine spektakuläre Bühnenshow mit großer Bandbesetzung und vor allem seine Hits bieten. n-tv.de traf den Meister kurz vor Tourstart und sprach mit einem bescheidenen, witzigen, dankbaren und vor Tatendrang strotzenden Mann.

n-tv.de: Vieles über Sie ist bereits bekannt und oft beginnen Interviews damit, wie der kleine Hansjörgeli aus dem Südtiroler Grödnertal in die große weite Welt hinauszog. Ich dachte aber, wir fangen mal an mit dem, was jetzt konkret ansteht - und zwar mit der Tournee, die Sie vor sich haben.

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Giorgio Moroder: Ja, gerne! Auch wenn ich gestehen muss, dass ich gar nicht unbedingt auf Tour gehen wollte (lacht). Aber jetzt freue ich mich sehr! Aber dann wurde ich gefragt, warum ich das denn nicht mache,  schließlich sei ich ja auch DJ. Und eine Tour ist einfach noch eine Stufe höher als nur ein einzelner Auftritt. Außerdem habe ich zufällig den Hans Zimmer in Zürich gesehen. Und seine Show war absolut fantastisch! Der Unterschied ist, dass er unglaublich viele Film-Themen hat, ich hingegen habe mehr Lieder.

Das ist ja etwas völlig anderes.

Ja, und seine Stücke sind meist instrumental, meine dagegen mit Gesang. Nachdem ich mit Hans gesprochen hatte, wollte ich auch so 30 bis 40 Musiker haben, genauso wie ich das im Sydney Opera House schon einmal vom Londoner Heritage Orchestra bekommen habe. Da habe ich für "Giorgio by Moroder" von Daft Punk einen kleinen Wortbeitrag gesprochen. Diese orchestrale Fassung war für mich phänomenal zu hören. Dann habe ich noch eine zweite, ähnliche Show gemacht, in Turin, aber das hat mir nicht so gut gefallen und da beschloss ich, meine eigene Tour zu planen. Zum Glück haben wir rechtzeitig herausgefunden, dass wir gar nicht so viele Musiker brauchen, sondern nur ein paar, plus Streicher und natürlich Sänger und Percussion. Wir sind ungefähr 15 Leute. Das macht uns viel flexibler.

Wir werden also eine große Bandbreite zu hören bekommen - allerdings können wir einige "Ihrer" Stars ja leider nicht mehr hören oder sehen, wie Donna Summer und David Bowie.

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Waren bis zu ihrem Tod 2012 befreundet: Donna Summer und Giorgio Moroder.

(Foto: imago stock&people)

Ja, also ehrlich gesagt, da müssen die Fans sich überraschen lassen, wie ich das Problem löse, das wird man dann sehen (lacht). Das kann ja nur vom Band kommen. Ich bin übrigens sehr glücklich, dass die Erben der beiden mir die Genehmigung für ihre Songs gegeben haben. Und für die anderen Lieder habe ich andere Sänger - das geht nicht anders, ist aber auch schön. 

Sehr speziell wird es ja, wenn ein Song wie Donna Summers "I Feel Love" auf der Bühne performt wird.

Das ist wahr! Aber da werde ich wohl auch Studioaufnahmen zeigen, wie der Song entstanden ist, dann kann man am besten verstehen, wie es damals abgegangen ist.

Werden Sie auch singen?

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(lacht) Ja, tatsächlich. Ich fange an mit meinem ersten Hit, "Luky Luky".  Ich habe das bereits geübt, denn es ist zwar ein sehr einfacher Song, aber ich bin doch etwas raus … Ich singe aber auch noch "From Here To Eternity".

Sie haben eine dermaßen lange Karriere mit so vielen unterschiedlichen Komponenten - Sie haben gesungen, produziert, Instrumente gespielt, für andere komponiert - was ist Ihnen die liebste Zeit?

Ich sage mal, die Jahre von 1970 bis Ende der Achtziger gefallen mir in der Nachbetrachtung am besten. Es gab nämlich Zeiten, in denen ich zu viel gemacht habe, und dann verzettelt man sich als Produzent. Es ist mir oft schwergefallen, "nein" zu sagen. Ich hatte viel Druck, aber ich habe auch echt gute Lieder gemacht (lacht). Ich funktioniere unter Druck wahrscheinlich am besten, fürchte ich. 

Hält Arbeit jung?

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Bei der Arbeit.

(Foto: imago/Future Image)

Ich denke schon! Mir geht's schließlich gut! Und gerade als DJ, muss ich sagen, bleibt man wirklich jung! Da muss man auch physisch fit sein, ich trainiere immer vor Auftritten. Wenn 2500 Leute vor einem tanzen, dann muss man ja mitmachen können. Ich war vor einiger Zeit in Rimini, das waren bestimmt 3000 Leute, und die wollten mich gar nicht weglassen. Das ist oft schöner und einfacher als ein DJ Set auf einer Party, bei der man eher nur als Begleitmusik läuft. Aber ich bin da sehr gelassen. Wie gesagt, mir geht's gut.

Wie halten Sie sich denn fit?

30 Minuten täglich, Gewichte, laufen, das reicht. Mein Frau treibt mich manchmal ein bisschen an. (lacht)

Daft Punk hat Sie wieder in die Charts katapultiert ...

Ja, denn mein letzter, ganz großer Erfolg davor war ja "Take My Breath Away" aus dem Film "Top Gun" mit Tom Cruise … und das ist schon ein bisschen her. (lacht) Das war Ende der Achtziger. Ja, dann waren da noch andere Hits, stimmt schon, in Italien, zur Fußball-WM 1990 zum Beispiel. Aber es ist richtig, ich hatte angefangen, ein bisschen Golf zu spielen und Kurzfilme zu drehen, und dann war ich ein bisschen von der Musik weg. Dann kamen die Olympischen Spiele in Peking 2008 , dann habe ich ein Auto entwickelt …

... das inzwischen Millionen wert ist …

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Es gibt neun Autos und einen Prototypen. Den habe ich gerade wieder auf Vordermann gebracht, denn den darf ich jetzt in den USA fahren. Und dann sind die Jungs von Daft Punk gekommen.

Ins Studio folgten Ihnen Sia, Mikky Ekko, Britney Spears …

… ja, die Britney, die hat mich angerufen und direkt gefragt, ob ich mit ihr "Tom's Diner" aufnehme. Kylie Minogue hat auch direkt angefragt. Einmalig ist aber auch Sia, die ist eine begnadete Sängerin, Texterin und Musikerin.

Mit wem würden Sie gern zusammenarbeiten?

Oh, natürlich mit Lady Gaga, aber auch mit der Rihanna, die sind beide absolute spitze. Aber auch mit Miley Cyrus und mit Justin Bieber. Der hat sich so gut gemacht, ist sehr anspruchsvoll geworden. Viele Künstler aus der Disney-Schule, fällt mir auf.

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Das ist, laut Nile Rogers, der Mann, der die Tanzmusik erfand.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Sie sind vom Erfolg verwöhnt - wie gehen Sie eigentlich mit Kritik um?

Es gibt natürlich vieles, was ich anders machen würde, das gebe ich zu. Es gibt ein paar Stücke, bei denen ich mich wirklich fragen muss, was ich mir dabei nur gedacht habe. (lacht) Aber es ist ja oft so, dass man später denkt, das hätte man besser machen können. Bei "Luky Luky" allerdings habe ich das nie gedacht, das hätte ich nicht besser machen können, das war perfekter "Bubblegum".

Schlager waren nie so Ihre große Liebe, oder?

Nein. Habe ich auch gemacht, aber mein Herz schlägt dafür nicht.

Vermissen Sie manche Künstler von früher? Und Ihren Einfluss auf die Musik?

Ja, vor allem David Bowie und Freddie Mercury. Solche Leute wird es nie wieder geben. Es gibt aber auch neue Künstler, die einen Einfluss haben werden, wie Lady Gaga. Die ist die neue Barbra Streisand.

Dann können Sie beide, so als Oscar-Gewinner, ja zusammenarbeiten.

Warum nicht!? Lady Gaga ist eine Universal-Künstlerin. Auch als Schauspielerin, als Texterin, als Sängerin sowieso. Sie ist eine ganz Große. Ich habe einen Remix mit ihr und Tony Bennett gemacht, das war eine tolle Arbeit!

Woran sitzen Sie aktuell?

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Giorgio mit Oscar.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Ich sitze wieder am Soundtrack der Serie "Queen of the South", und ich habe tatsächlich weitere Angebote, über die ich aber noch nicht reden kann. Und ich überlege ernsthaft, ein Musical zu machen. Das würde mir noch fehlen! Und dann habe ich ein religiöses Lied von mir wiederentdeckt, das "Vaterunser". Ich hatte das total vergessen, aber vor drei, vier Jahren war ich bei einer Hochzeit in den Dolomiten und da singen die das tatsächlich! Ich hatte das "Vaterunser" mal vertont und war mir gar nicht mehr bewusst, dass es in Südtirol und auch in Bayern noch gesungen wird. Der Priester hat mir gesagt, das hätte ein gewisser Weintraub geschrieben - das war mal mein Pseudonym. (lacht)

Aber jetzt erstmal die Tour ...

Ja, Sie können sich gar nicht vorstellen, wie sehr ich mich darauf freue!

Mit Giorgio Moroder sprach Sabine Oelmann

Tourdaten: 12. April Berlin; 13. April Düsseldorf; 14. April Frankfurt/Main               

Quelle: n-tv.de

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