Menowin Fröhlich im Interview"Vielleicht darf ich irgendwann in der DSDS-Jury sitzen"

Zweimal platzt Menowin Fröhlichs Traum vom DSDS-Gewinn. Doch aller guten Dinge sind drei. Im Interview mit ntv.de spricht Deutschlands neuer Superstar über Fehler der Vergangenheit, seinen Glauben und seinen "Daddy" Dieter Bohlen.
Happy End im dritten Anlauf: 2005 und 2010 platzt Menowin Fröhlichs Traum vom Sieg bei "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS). 2026 will er eigentlich nur seine Tochter zum Casting begleiten, doch RTL gibt ihm noch eine Chance. Diese nutzt der 38-Jährige, der nach seinen zwei Niederlagen lange Jahre Schlagzeilen wegen seines Drogenkonsums und Konflikten mit der Polizei gemacht hatte. Fröhlich gewinnt - als geläuterter Mann. Im Interview mit ntv.de spricht er über die Blitzentscheidung, die ihn zum DSDS-Sieger machte, seinen tiefen Glauben an Gott und über seinen "Daddy" Dieter Bohlen.
ntv.de: Aller guten Dinge sind drei. Im dritten Anlauf hast du "Deutschland sucht den Superstar" gewonnen. Glückwunsch! Man bekommt eher selten im Leben so eine Chance. Wie fühlt es sich an?
Menowin Fröhlich: Ich glaube schon, dass man im Leben immer irgendwie noch eine Chance bekommt. Aber die Frage ist halt, was du daraus machst. Ich glaube, dass du immer irgendwie versuchen kannst, Dinge besser zu machen oder Ereignisse aus der Vergangenheit in eine coolere Richtung zu lenken. Wenn das nicht so wäre, dann müssten viele Leute den Kopf hängen lassen. Und dass es bei mir jetzt nach so vielen Jahren geklappt hat, zeigt ja, was passieren kann, wenn man wirklich an etwas glaubt und an sich arbeitet.
Hast du schon realisiert, dass du gewonnen hast?
Wenn ich nicht selbst dabei gewesen wäre und du würdest mir die Bilder vom Finale jetzt zeigen, dann würde ich denken, das ist KI. Das ist echt krass. Aber es macht schon etwas Tolles mit dir.
Fühlt sich der Sieg jetzt anders an, als er sich möglicherweise 2010 angefühlt hätte?
Ich glaube, da wäre ich mit ganz breiter Brust herumgelaufen, weil ich damals noch ein kleiner Rowdy war. Jetzt fühlt es sich einfach nur toll an. Der DSDS-Sieg ist einfach mit viel Frieden verbunden. Es ist eine Last von mir abgefallen.
Als der diesjährige Sieger verkündet wurde, warst du sichtlich aufgeregt. Hast du an deinem Sieg gezweifelt?
Ich hatte das Gefühl, dass im Finale irgendetwas gegen mich ist. Ich bin ein sehr empathischer Mensch. Und ich habe gespürt, hier stimmt irgendwas nicht. Das ging schon mit meiner Stimme los. Dann habe ich meinen ersten Song "Billie Jean" gesungen und musste mit meiner Jacke kämpfen. Danach merke ich, dass mein Sender für den In-Ear-Monitor abgegangen ist und Lambada um mich herum tanzt. Als ich dann auch noch mitbekommen habe, dass meine Mit-Finalistin Constanze (Dizendorf, Anm.d.Red.) wirklich gute Auftritte hatte und auch stimmlich total stark war, da habe ich mich gefühlt wie beim Elfmeterschießen - und zwei hatte ich schon verschossen.
Was ging dir da durch den Kopf?
Irgendwann ist mir klar geworden, dass ich es nicht mehr in der Hand habe. Ich habe dann einfach den letzten Song, also den Siegersong, nur für Gott gesungen. Und dabei habe ich gedacht: Egal, was jetzt passiert, ich bin einfach zufrieden damit. Und dann hat es wirklich geklappt mit dem Sieg.
Wie hat sich das angefühlt?
Ich bin zusammengeklappt wie ein Klappstuhl. Es hat sich angefühlt, als wäre ich gelähmt. Ich konnte mich nicht mehr bewegen. Ich dachte nur: Bleib einfach in diesem Konfetti-Regen liegen. Du stehst nicht mehr auf.
Hättest du einen Plan B gehabt, wenn du Zweiter geworden wärst?
Mein Plan B wäre gewesen, nicht den Kopf in den Sand zu stecken und in ein Loch zu fallen. Ich habe eine wunderschöne und wunderbare Frau. Wir kennen uns schon 18 Jahre. Ich habe tolle, gesunde Kinder. Ich glaube schon, dass ich auch ohne diesen Titel für meine Familie sorgen kann. Aber ich danke Jesus, dass ich jetzt das machen darf, was ich immer machen wollte. Ich habe ja zuvor auch an Reality-TV-Formaten teilgenommen, aber das war nie wirklich mein Ding. Ich konnte nie zeigen, was ich wirklich kann. Und jetzt darf ich das halt. Jetzt kommt es darauf an, ganz ehrlich auf dem Boden zu bleiben und cool damit umzugehen. Bloß nicht zu denken: Du bist jetzt Deutschlands Michael Jackson.
Dieter Bohlen hat nach deinem Sieg zu dir gesagt: "Du hast ihn verdient." Was hat dir das bedeutet?
Dieter und ich haben quasi ein familiäres Verhältnis. Er kennt mich schon 22 Jahre. Er ist sozusagen mein DSDS-Daddy. Man hat gemerkt, dass ihn mein Sieg emotional sehr berührt hat. Er hat Tränen in den Augen gehabt, als er zu mir gesagt hat: "Mein Junge, du hast es jetzt endlich geschafft." Da bekomme ich beim Erzählen schon wieder Gänsehaut. Er hat wirklich für mich gebrannt.
Am Ende lag die Entscheidung nicht mehr bei der Jury, sondern beim Publikum. Was bedeutet es dir, dass so viele Menschen für dich gevotet haben?
Das bedeutet mir besonders viel. Vor allem, nachdem ich jetzt die Votingergebnisse gesehen habe. Ich hatte 56,52 Prozent der Stimmen! Das macht mich sicher, dass das, was ich aus meinem Inneren heraus gesendet habe, angekommen ist. Mir ist aber bewusst, dass ich polarisiere und es sicher trotzdem eine Menge Menschen gibt, die negativ über mich denken. Vielleicht ist das auch normal, wenn man so einen Weg geht wie ich. Ansonsten ist man halt nicht im Gespräch.
Du hast nie ein Geheimnis aus deiner Vergangenheit gemacht. Das hätte theoretisch auch nach hinten losgehen können. Das Publikum hat dich aber trotzdem zum DSDS-Sieger gekürt. Oder vielleicht gerade deswegen?
Ich denke, dass die Leute einfach gespürt haben, was ich ausgestrahlt habe. Ich war ursprünglich nur beim DSDS-Casting, weil ich meine Tochter Jiepen begleitet habe. Und dann hat Dieter mich gefragt: "Willst du singen?" Ich habe nur zwei Optionen gehabt: Entweder ich mache es – oder ich behalte diesen legendären Status: Zweiter Platz, geile Auftritte, aber alle denken für immer, dass der Menowin ein ganz Großer hätte werden können, aber einfach zu dumm und verrückt dafür war. Ich hatte nur die Zeitspanne von einer Minute, um das zu entscheiden. Und ich habe es gemacht. Ich denke, dass die Zuschauer erkannt haben, dass ich dieses Mal wirklich mitarbeite. Im Gegensatz zu 2010. Da hieß es nicht "Hey Mann, wo ist mein Auto?", sondern: "Hey, wo ist Menowin?"
Du bist sehr reflektiert, was dein früheres Verhalten angeht - und dabei auch sehr kritisch mit dir. Hast du in deinen Augen den Sieg verdient?
Ich kann nur deswegen sagen, dass ich den Sieg verdient habe, weil ich dafür gearbeitet habe. 2010 bin ich nur wegen meines Talents so weit gekommen. Die anderen DSDS-Kandidaten damals müssen ausgeflippt sein, weil ich von Montag bis Donnerstag einfach nicht erschienen bin, um dann aber am Samstag auf der Bühne das Ding komplett abzureißen. Ich habe für meinen Einzug ins Finale 2010 quasi nichts getan - und das ist der Unterschied zu heute. Denn dieses Mal habe ich wirklich gearbeitet und Ratschläge angenommen.
Wie wichtig war es für dich, dass deine Partnerin Ronja und deine Kinder im Finale dabei waren?
Das war für mich sehr, sehr wichtig. Ronja ist mein Ruhepol. Ich liebe es, mit ihr zu reden. Auch über Themen, die vielleicht irgendwo unangenehm sind. Sie schüttelt mich auch mal und rückt mir den Kopf gerade, wenn sie merkt, ich drifte in die falsche Richtung ab.
Du hast zuvor öfters gesagt, dass du aufpassen musst, dass der alte Menowin aus der Vergangenheit nicht in dir hochkommt. Wie gut hast du ihn im Griff?
Du musst dich praktisch jeden Tag bewusst für den neuen Menowin und deine neue Geschichte entscheiden. Dich selbst positiv bestärken. Und ich bete.
Dazu passt auch dein Siegessong "Mercy On Me", in dem es um jemanden geht, der vom Weg abgekommen ist und Gott um Gnade bittet. Ist das eine Richtung, in die du musikalisch weiter gehen möchtest?
Ich finde diese Richtung auf jeden Fall total schön. Das ist, was ich verkörpern möchte. Egal wer du bist und egal wie du aussiehst, du wirst von Gott geliebt. Und alles, was dir sagt, dass es nicht so ist, ist einfach eine Lüge. "Mercy" im Songtitel bedeutet ja Gnade oder Barmherzigkeit. Und diese habe ich von da oben bekommen. Denn sonst würde ich mit dir heute hier nicht sitzen und könnte mit dir dieses Interview führen. Ich war nämlich ein richtiger Rowdy, ohne Scheiß.
Wie bindest du deinen Glauben in deinen Alltag ein?
Ich lebe voller Dankbarkeit und Hingabe in meinem Herzen. Ich finde, der Glaube zu Gott sollte keinem Zwang unterliegen. Eben nicht nach dem Motto: "Ich quetsche oder drücke dich in eine Ecke und du musst es jetzt so machen". Ich setze Jesus in meinem Leben immer an erster Stelle, er ist die Quelle, aus der ich schöpfe. Ich gehe auch jeden Sonntag in die Kirche. Ich finde es einfach schön, für Gott zu singen und ihm dadurch Ehre zu erweisen.
Du wirst im August zum neunten Mal Vater. Welche Werte möchtest du deinen Kindern mitgeben?
Nächstenliebe ist ganz wichtig. Ich möchte, dass meine Kinder andere Menschen genauso behandeln, wie sie behandelt werden wollen. Das ist das Allerwichtigste.
Warnst du sie, nicht die gleichen Fehler zu machen, die du gemacht hast?
Ich bin dankbar für meine Erfahrungen, weil ich dadurch meine Kinder davor bewahren kann. Ich rede täglich mit ihnen darüber. Aber du weißt ja selbst, wie das ist, wenn deine Eltern dir einen Vortrag halten. Ich finde es wichtig, eine gute Beziehung zu meinen Kindern aufzubauen. Nur dann dringst du zu ihnen vor. Nicht mit Verboten und strengen Regeln.
Wirst du deiner Tochter, wenn sie im August zur Welt gekommen ist, Wiegenlieder vorsingen?
Ich werde ihr auf jeden Fall einen Song widmen. So wie Stevie Wonder, der für seine Tochter damals "Isn't She Lovely" geschrieben hat. Aber, ich glaube, ich muss sie erst einmal sehen, um dann zu fühlen, was ich für sie schreibe.
Nächstes Jahr gibt es eine neue DSDS-Staffel. Was würdest du den Kandidatinnen und Kandidaten raten?
Auf jeden Fall immer einen Plan B mitzubringen. Weil, wenn du nur mit einem Plan A startest, dann bist du zu verbissen. Du kannst das dann gar nicht wirklich genießen. Und vielleicht darf ich ja auch irgendwann mal in der Jury sitzen.
Statt Dieter Bohlen? Oder mit ihm?
Auf jeden Fall mit Dieter Bohlen. Ich glaube daran. Ich denke, ich weiß, wie Musik funktioniert, wie sie sich anhören muss. Aber da ist noch ein langer Weg bis dahin. Jetzt geht es erst einmal Schritt für Schritt weiter.
Menowin Fröhlichs Single "Mercy On Me" wurde am 2. Mai veröffentlicht. Wer seinen Weg zum "Deutschland sucht den Superstar"-Gewinner noch einmal nachverfolgen will: Die 22. und alle weiteren DSDS-Staffeln stehen auf RTL+ zum Streamen bereit.