Musik

"Unser Bandname ist Programm" Mit Bilderbuch ins Reich der Magie

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Das neue Album von Bilderbuch heißt "Magic Life". Aus Indierock ist Glamour-Pop geworden.

(Foto: Elizaveta Porodina)

Im Ösi-Pop-Universum marschieren Bilderbuch schon lange vorneweg. Anfang 2005 gegründet, sind die Herren Ernst, Horazdovsky und Co nun schon seit über einem Jahrzehnt auf ihrer eigenwilligen Sound-Reise unterwegs. Der frühpubertäre Indierock der Anfangsjahre hat sich in modernen Glamour-Pop verwandelt. Und aus den zarten oberösterreichischen Burschen sind selbstbewusste Querdenker geworden. Alles ist schrill. Alles ist bunt. Getreu dem Motto "Lebe deinen Traum und träume nicht dein Leben" wollen Bilderbuch auch anno 2017 weiter auf der Überholspur bleiben. Mit ihrem neuen Studioalbum "Magic Life" im Gepäck treten Bilderbuch bereits frühzeitig aufs Gaspedal. Im Interview mit n-tv.de verrät Sänger Maurice Ernst, was es mit der Bilderbuch-Magie auf sich hat und warum jeder "Dandy" einen "Streber" an seiner Seite haben sollte.

n-tv.de: Maurice, euer neues Album trägt den Titel "Magic Life". Wenn man die letzten drei Bilderbuch-Jahre betrachtet, könnte man meinen: Einen passenderen Titel hätte man sich nicht aussuchen können, oder?

Maurice Ernst: Wenn man sich nur mit der Oberfläche und dem Offensichtlichen beschäftigt, dann gebe ich dir natürlich recht. Wir haben in den vergangenen Jahren unheimlich viel erlebt. Da liegt es natürlich nah, den Titel sofort mit unserer Entwicklung als Band in Verbindung zu setzen. Wir selbst haben aber eher das große Ganze vor Augen, das Leben an sich, die Gesellschaft und all das, was zwischen digitalen Illusionen und dem wahren Leben passiert.

Wie viel Illusion steckt in der Band Bilderbuch?

Für uns als Band geht es um die perfekte Balance. Sicher, mit unserer Musik, unserem Auftreten und unseren Videoclips kommen wir einem vermeintlich konzeptionell gefertigten Kunstprodukt schon sehr nahe. Aber wer uns kennt, der weiß, dass wir dieses Konzept auch leben. Wir sind keine Band, die sich mal eben so im Proberaum trifft, ein paar neue Songs runterrockt und mit dem Ergebnis dann ins Studio fährt, als wäre es die normalste Sache von der Welt. Jeder Einzelne von uns lebt die Band. Wir machen uns viele Gedanken darüber, was wir den Leuten da draußen mitteilen möchten. Da spielt die Musik eine ebenso große Rolle, wie das kunterbunte Drumherum. Alles ist eins. Unser Bandname ist Programm. Das Private verschmilzt irgendwann mit der Kunst. Nur so bleiben wir als Band echt und authentisch.

Demnach wachst du morgens als Bilderbuch-Frontmann auf und gehst auch abends mit demselben Gefühl wieder ins Bett?

Auf jeden Fall. Natürlich spielen wir auch mit einer gewissen Dramaturgie. Wenn ich mir auf der Bühne einen Handschuh anziehe, oder wenn wir uns in unseren Videoclips mit Farbe einsprühen lassen, dann liegt dem Ganzen natürlich auch etwas Konzeptionelles zugrunde. Das alles muss aber zum Fundament, der Musik, passen. Es geht uns nicht ums Verkleiden an sich, sondern darum, unserer Musik die passenden Bilder zur Seite zu stellen. Wenn man es am Ende runter rechnet, geht es letztlich nur um Geschmack und Stil.

Mittlerweile hat man das Gefühl, als würde jeder in der Band eine eigene Rolle verkörpern. Wie wichtig ist dieser persönliche Freiraum in Bezug auf das Funktionieren des großen Ganzen?

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"Magic Life" ist das vierte Album von Bilderbuch.

(Foto: Maschin Records/Universal Music)

Dieser Freiraum ist immens wichtig. Es ist so unglaublich spannend mit anzusehen, wie sich jeder in der Band entfaltet. Das klappt natürlich nur, wenn jeder offen ist und sich eingesteht, dass der permanente Drang nach perfektioniertem Multitasking am Ende des Tages nur kontraproduktiv ist. Wir haben schnell gelernt, dass jeder in der Band das meiste aus sich rausholen kann, wenn man ihn einfach das machen lässt, was er am besten kann. Warum sollte sich einer in ein buntes Shirt zwängen, wenn ein anderer doch viel mehr Gefallen daran findet? Die Stärken eines jeden zu mobilisieren, ist der Schlüssel.

Was sind deine Stärken?

Ich bin der, der gerne redet. Ich liebe die Konfrontation. Das ist mein Naturell. Mir ist es wichtig, mich mitzuteilen, sei es mit der Sprache oder auf visuelle Art und Weise. Ich bin sozusagen der Dandy der Band.

Im Video zum neuen Song "Bungalow" legst du einen Strip hin und probierst dich an der Poledance-Stange aus. Maurice Ernst, wie er leibt und lebt?

(lacht) Naja, es gibt schon Situationen, die Überwindung kosten. Ich bin nicht der Typ, der alles machen würde, nur um aufzufallen. Es muss schon in den künstlerischen Kontext passen. In diesem Fall hat es aber super gepasst.

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Dandy, der Rocker, der Streber und der funky Dude - so sehen sich Bilderbuch.

(Foto: Elizaveta Porodina)

Wen haben wir noch … Wie sieht's mit Peter, eurem Bassisten, aus? Der kommt ja immer eher ein bisschen zurückhaltender rüber.

Peter ist unser Streber. Und das meine ich nicht im negativen Sinn. Er steht für Disziplin und Ordnung, hält alles am Laufen und drängt sich nie in den Vordergrund.

Fehlen noch euer Gitarrist Michael und euer Drummer Philipp.

Michael hat den Rock’n‘Roll im Blut. Das ist sein Ding. Und Philipp ist der funky Dude, der auf afrikanische Musik abfährt und ohne Rhythmus nicht leben kann.

Also haben wir den Dandy, den Rocker, den Streber und den funky Dude. Die perfekte Mixtur?

Auf jeden Fall. Nur so funktioniert die Band. Jeder verkörpert etwas anderes. Und zusammen ergibt es das perfekte Bild in einem Buch voller Farben.

Ein "Buch", das sich dieser Tage unter dem "Magic Life"-Banner poppiger denn je präsentiert.

Der Sound ist nur ein Bestandteil. Für mich ist es das bis dato ehrlichste und authentischste Album von uns. Es ist von allem etwas dabei. Wir haben den melancholischen Zeitgeist des letzten Jahres eingefangen und präsentieren am Ende dennoch etwas grundlegend Positives. Wir haben diesmal verstärkt auf unser Bauchgefühl gehört. Es gibt viele Songs, die aus digitalen Jams entstanden sind. Die meisten dieser Takes haben wir dann einfach so gelassen. Da wurde nichts nachgebessert. Oder hör dir den Song "Sweetlove" an. Da haben wir nach elf Jahren erstmals komplett auf den Einsatz von Schlagzeug und Bass verzichtet. Diese Offenheit und dieses Selbstbewusstsein, auch mal andere Wege zu gehen, kommen nicht von ungefähr. Wir sind als Band gewachsen. Wir sind reifer geworden und wissen mittlerweile genau, was wir wollen.

Der Dandy hat gesprochen!

Genau. Der Dandy hat gesprochen!

Mit Maurice Ernst sprach Kai Butterweck.

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Quelle: ntv.de