Musik

Auf sie wartet der "Todesstern" Mit Stefanie Heinzmann im Labyrinth

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Exportschlager aus der Schweiz: Stefanie Heinzmann.

(Foto: Maximilian König / Warner Music)

"The Masked Singer", "Sing meinen Song" und nun ihr neues Album "Labyrinth" - Stefanie Heinzmann ist trotz Corona allgegenwärtig. Mit ntv.de spricht sie nicht nur über die Herausforderungen durch Pandemie und Coversongs, sondern auch über Liebe, Lego und den Sinn des Lebens.

ntv.de: Aktuell bist du bei "Sing meinen Song" in Deutschland zu sehen. Viele beteiligte Künstler schwärmen im Nachhinein regelrecht über das Format. Du auch?

Stefanie Heinzmann: Da reihe ich mich auf jeden Fall ein! Das ist so ein tolles Format - nicht nur für die Zuschauer, sondern auch für die Künstler. Gerade in der Corona-Zeit war es für uns alle eine total wertvolle "Bubble". Wir alle leiden extrem unter Livemusik-Entzug. Und auf einmal hast du so eine großartige Liveband, kannst Songs singen, Musik genießen und dir als Künstler auch so nah sein. Das war gerade etwas ganz Besonderes.

Dabei bist du ja gewissermaßen Wiederholungstäterin, da du als Schweizerin zuvor auch schon an der Schweizer Version von "Sing meinen Song" teilgenommen hattest ...

Ja, in der Schweiz ist das aber noch ganz frisch. Da ist gerade erst die zweite Staffel herausgekommen. In Deutschland war es jetzt dagegen schon die achte Staffel.

Wie haben sich die Sendungen für dich voneinander unterschieden?

Man kann das nicht wirklich vergleichen. Die Sendungen leben krass davon, wer auf dem Sofa sitzt und welche Gruppendynamik daraus entsteht. Deswegen waren die Sendungen in der Schweiz, die wir auf Gran Canaria gedreht haben, und in Deutschland komplett unterschiedlich für mich. Natürlich waren die Abläufe die gleichen, man wusste, was man zu tun hat und was einen erwartet. Aber es sitzen halt jedes Mal komplett andere Künstler zusammen und es ist jeweils eine ganz andere Stimmung.

TV-Formate scheinen generell eine Art zweites Standbein für dich zu sein. Du hast schon an diversen Formaten teilgenommen - weil es dir Spaß macht oder weil es dir neben der Musik auch eine gewisse Sicherheit gibt?

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Aktuell ist Heinzmann bei "Sing meinen Song" zu sehen.

(Foto: TVNOW / Markus Hertrich)

Beides. Als Sängerin liebe ich es natürlich zu singen. Für mich gibt es nichts Schöneres, als mit meiner Band auf einer Bühne zu stehen. Aber gerade das letzte Jahr hat ja gezeigt, dass das nicht immer geht. Davon kann ich nicht komplett leben. Deswegen bin ich mega dankbar dafür, verschiedene Dinge machen zu dürfen. Außerdem machen mir die TV-Formate total Spaß. Das passt einfach auch gut zu mir. Ich versuche grundsätzlich, sehr offen für alles zu sein und Dinge auszuprobieren.

Ein anderes Format, an dem du in jüngerer Zeit teilgenommen hast, war "The Masked Singer", wo du in das Kostüm eines Dalmatiners geschlüpft bist ...

Das war auf jeden Fall etwas komplett anderes. (lacht) Der eigentliche Auftritt bedeutet bei "The Masked Singer" noch den geringsten Aufwand, auch wenn das Performen mit Riesenmaske und Kostüm natürlich schon total abgefahren ist. Wahnsinnig intensiv war aber vor allem die ganze Vorarbeit und Geheimniskrämerei. Keinem zu sagen, dass man teilnimmt, heimlich anzureisen und sich zu verstecken - das war alles total spannend.

Wie herausfordernd war es für dich, bei "Sing meinen Song" die Lieder deiner Mitstreiter zu covern?

Eigentlich kommt man bei jedem Song irgendwann an den Punkt, an dem man sich fragt: "Ist das jetzt wirklich gut genug? Wird das demjenigen auch gefallen?" Das passiert auch dann, wenn man einen schnellen Zugang zu einem Song gefunden hat und es vermeintlich leicht fällt, ihn zu covern. Das ist schon ein wahnsinniger persönlicher Druck, der auf einem lastet - zumindest bei mir. Ich wollte ja mit meiner Version dem jeweiligen Künstler auch eine Freude machen. Richtig leicht war es also nicht. (lacht) Für mich gab es schon einige Herausforderungen.

Welche Nummer ist dir denn besonders schwergefallen?

Nehmen wir den Song von DJ Bobo. Eigentlich wollte ich eine Ballade aus ihm machen, also ein komplettes Kontrastprogramm zu dem eigentlichen Eurodance-Sound. Aber das ist mir überhaupt nicht gelungen. Ich stellte fest: "Mist, der Song muss einfach eine Uptempo-Nummer bleiben." Dann aber war das Schwierige, weit genug weg vom Original zu sein. Es bringt ja nichts, eins zu eins den gleichen Song zu machen. Aber auch an dem Song von Ian Hooper von den Mighty Oaks habe ich mir ganz schön die Zähne ausgebissen.

Du hast in einem Interview mal verraten, dass ein Auftritt von DJ Bobo das allererste Konzert war, das du besucht hast. Wie war es denn, jetzt dein "Idol" zu treffen?

Total abgefahren. Ich war echt aufgeregt! Man denkt ja immer, die Schweiz sei ein so kleines Land, dass sich dort alle kennen würden. Aber an DJ Bobo war ich bisher vielleicht nur zweimal vorbeigelaufen. Wirklich begegnet war ich ihm noch nie. Und dann ist man plötzlich in so einer TV-Show zusammen, ich singe sein Lied "Love Is All Around" - und er steht fünf Meter vor mir! Noch abgefahrener war es aber, als es in der Sendung um meine Songs ging. Ich sitze so auf dem Sofa und dieser Typ von meinem allerersten Konzert damals singt gerade einen Song von mir. (lacht) Das fand ich so krass. Das war echt mindblowing!

Ihr hattet das Pech, wegen der Corona-Pandemie die Sendung erstmals nicht in Südafrika drehen zu können. Stattdessen ist die Staffel in Schleswig-Holstein entstanden. Bedauerst du das?

Mir hat das tatsächlich gar nichts ausgemacht. Ich als Schweizerin war ja damit auch im Ausland. (lacht) Ich war am Meer und fand es an der Ostsee total schön. Natürlich war tagsüber nicht so gutes Wetter wie in Südafrika. Aber das hat dem Ganzen überhaupt keinen Abbruch getan. Dafür wurde es in Südafrika abends teilweise ganz schön stürmisch und kalt. Das ist uns erspart geblieben. Für mich lief alles super.

Viele fragen sich sicher, wie man in einer Zeit wie dieser so eine Sendung praktisch realisieren kann. Wie lief das am Set ab?

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Bei "Sing meinen Song" traf Heinzmann unter anderem mit DJ Bobo (3.v.l.) zusammen.

(Foto: TVNOW / Markus Hertrich)

Es ging natürlich sehr streng zu. Das sieht im Nachhinein zwar wahnsinnig leicht aus, aber es hatte schon seinen Preis. Eine Woche vor der Aufzeichnung waren wir alle in Selbstquarantäne. Angereist bin ich aus dem Wallis bis zur Ostsee mit dem Auto. Vor Ort wurden wir jeden Tag getestet. Alle drei Tage gab es zusätzlich einen PCR-Test. Wir haben das Gelände nicht verlassen und die Crew war in verschiedene Gruppen eingeteilt. Wir als Künstler waren eine Gruppe und konnten uns so einander nah sein, aber zu allen anderen mussten wir Abstand halten.

So erklärt sich, weshalb ihr euch in der Sendung auch umarmen konntet ...

Ja, das Spannende war: Wir hatten nach unserer Anreise an Tag eins ein gemeinsames Essen. Dabei haben wir uns darüber unterhalten, wie krass man sich daran gewöhnt, Abstand zu halten. Wenn ich jemanden treffe, ist der erste Impuls inzwischen ja, Abstand zu halten und nicht etwa sich zu umarmen. Wir haben uns gefragt, wie lange es wohl dauern wird, bis die Menschen diese Distanz wieder verlieren. Und was soll ich sagen? Es hat original 20 Minuten gedauert, bis wir uns alle in den Armen lagen. (lacht) Es ist also schon ein heftiges menschliches Bedürfnis, sich einfach auch nah zu sein.

Wie erlebst du grundsätzlich deine Situation als Künstlerin in der Pandemie?

Ich persönlich bin in einer echt privilegierten Lage. Eben dadurch, dass ich auch TV machen kann. Und ich konnte jetzt mein Album machen. Mein Frust ist trotzdem groß. Denn von all dem, was ich gerade machen kann, haben meine Band und meine Crew gar nichts. Die volle Besetzung meiner Band habe ich das letzte Mal vor anderthalb Jahren gesehen. Da blutet mir echt das Herz! Auch wenn ich erlebe, wie stiefmütterlich unsere Branche behandelt wird.

Inwiefern?

Ich reise zum Beispiel fast wöchentlich nach Deutschland - mit dem Flugzeug hin und her. Die Flugzeuge sind proppenvoll, alles funktioniert. Die Kultur dagegen liegt brach. Wie kann man denn sagen, dass sie nicht ebenso systemrelevant ist? Auf der einen Seite muss man sich doch nur mal angucken, wie viele Menschen in diesem Bereich arbeiten. Und auf der anderen Seite: Musik hören wir alle, die ganze Zeit. Das ist für alle völlig selbstverständlich. Aber irgendwer muss sie ja auch machen! Einem großen Teil der Gesellschaft wird jedoch unterschwellig vermittelt: "Na ja, hättest du halt mal was Richtiges gelernt." Gerade in der Kulturbranche hast du aber Leute, die mit Herzblut arbeiten, Überstunden leisten und schlecht bezahlt sind. Dass der größte Teil davon einfach nicht gesehen wird, macht mich wahnsinnig traurig.

Kommen wir zu einem fröhlicheren Thema: Lego. Ist das eigentlich immer noch dein Hobby?

Auf jeden Fall! Gerade habe ich leider überhaupt keine Zeit dafür. Aber mein "Star Wars"-Todesstern steht parat und wartet auf mich.

Zwei Jahre nach deinem letzten Longplayer "All We Need Is Love" erscheint nun dein neues Album "Labyrinth". Viele Künstler scheuen sich gerade, ein Album zu veröffentlichen, weil sie befürchten, es könnte in der Corona-Krise untergehen ...

Die Angst kenne ich auf jeden Fall auch. Gerade jetzt Musik zu veröffentlichen, fühlt sich tatsächlich ein bisschen an wie: "Hier, ich gebe jetzt mein Herzblut heraus. Keiner hört es sich an ... aber ich mache es trotzdem." (lacht) Es kamen einfach mehrere Dinge zusammen. Letztes Jahr hätte ich eigentlich auf Festivaltour sein sollen. Als die dann weggebrochen ist, wollte ich nicht nur rumsitzen und Däumchen drehen. Stattdessen sind wir spontan ins Studio gegangen, erstmal ohne an ein Album zu denken. Wir dachten eher, vielleicht kommt ja irgendwann mal eine coole Single dabei raus.

Und dann wurde es doch mehr ...

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Sie hat nichts gegen Pop!

(Foto: Maximilian König / Warner Music)

Ja, wir haben dann über den Sommer und Herbst bestimmt fast 20 Sessions gemacht. Und im Oktober bekam ich die Bestätigung für "Sing meinen Song". Meinem Team und mir wurde klar, dass es eigentlich Sinn machen würde, dazu ein Album zu haben. Durch die Sendung hat man schließlich eine einmalige Reichweite. Irgendwann habe ich in meinen Dropbox-Ordner geguckt und festgestellt: "Okay, eigentlich haben wir ein Album." (lacht)

Viele sehen in dir ja nach wie vor eine Soulsängerin. Doch wenn man sich "Labyrinth" anhört, dann ist das eigentlich lupenreiner Pop. Würdest du mir widersprechen?

Nein, gar nicht! Ich würde sagen, am Anfang ging es bei mir sehr in eine Motown-Richtung. Dann wurde es immer poppiger. Ich finde, das Album jetzt ist sogar sehr elektronisch geworden. Wenn ich mir aber vorstelle, wie meine Band das Album spielt, werden Soul und Funk sicher in den Live-Konzerten wieder mehr zum Tragen kommen. Die Musik auf "Labyrinth" ist die, die mir gerade wirklich Spaß macht. Das Gute an der Popmusik ist, dass sie so undefinierbar ist - das kann mal ein bisschen souliger sein, mal etwas elektronischer, mal rockiger. Im Pop darf man so alles machen. Aber auf der To-Do-Liste meines Lebens hätte ich noch was anderes ...

Was denn?

So ein richtiges Funk-Album! Dem werde ich mich sicher nochmal widmen. Aber das ist keine Sache von einem Jahr. Ich glaube, daran müsste ich noch ein bisschen länger arbeiten.

In den Texten auf dem Album geht es viel um Liebe - die Liebe zu anderen, aber auch zu sich selbst. Gibt es da für dich einen roten Faden?

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Vor allem empfinde ich "Labyrinth" als Fortsetzung von "All We Need Is Love". Bei "All We Need Is Love" ging es wirklich in erster Linie um Liebe. Darum, erst mal die Liebe zu sich selbst zu finden. Darum, dass es sich lohnt, sich selbst zu lieben und daran zu arbeiten. Jetzt hatte ich zunächst gar kein konkretes Album-Thema im Kopf, da wir ja eigentlich gar nicht für ein Album geschrieben haben. Trotzdem habe ich gemerkt, was mich vor allem beschäftigt: "So, jetzt habe ich die Selbstliebe gefunden. Aber jetzt muss ich in die Handlung gehen und Verantwortung dafür übernehmen, was ich tue, was ich denke und was ich bin." Darum geht es auf dem Album.

Du machst aus Selbstzweifeln keinen Hehl und hast in Interviews etwa über deine frühere Essstörung gesprochen und darüber, dass du dich mit 17 sogar selbst in die Psychiatrie eingewiesen hast. Hast du dir inzwischen ein dickeres Fell zugelegt?

Ich glaube gar nicht, dass es das dickere Fell ist. Darum geht es auch in meinem Song "Knocking Down The Wall": Man kann sich zwar Mauern aufbauen, aber die werden dann irgendwann auch zum Gefängnis. Ich versuche stattdessen, mich selbst zu reflektieren und habe eine Allergie entwickelt gegen den Ausspruch: "Ja, so bin ich halt." Ich habe die letzten Jahre sehr viel Zeit damit verbracht, meine Persönlichkeit auseinander zu klabüstern und zu gucken, warum ich denn so bin, wie ich bin.

Wie machst du das?

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Sinnkrise? Das war bei ihr gestern!

(Foto: Betty Heart / Warner Music)

Ich frage mich: Was sind die Punkte, die mich unsicher machen? Warum triggert mich denn diese eine Situation gerade so? Ich laufe jedes Mal zu meiner Therapeutin und bespreche das mit ihr. Diese Arbeit mit mir selbst hat mir wahnsinnig geholfen. Auch die Zeit in der Psychiatrie war eine wirklich wertvolle Zeit für mich. Mir ist klar, wie wichtig das in dem Prozess war, zu dem Menschen zu werden, der ich jetzt bin. Der sagen kann, ich fühle mich wahnsinnig wohl in meiner Haut, auch wenn es natürlich manchmal Tage gibt, an denen ich alle Spiegel zu Hause umdrehen möchte. (lacht)

Diese Tage kennt vermutlich jeder ...

Das ist genau der Punkt. Ich kämpfe einfach für eine Gesellschaft, in der Menschen mehr darüber sprechen dürfen. Eigentlich kennt das jeder, aber immer noch traut man sich nicht, darüber zu sprechen. Man schämt sich dafür, unzulänglich zu sein oder auch nur, einfach keinen guten Tag zu haben.

Vor "All We Need Is Love" hattest du dir noch eine längere Auszeit genommen und mit deiner Rolle im Showgeschäft gehadert. Du dachtest sogar darüber nach, was ganz anderes zu machen und Hebamme oder Schreinerin zu werden. Für "Labyrinth" hast du jetzt nur zwei Jahre gebraucht. Hast du deine Sinnkrise überwunden?

Absolut! Zum Glück! Aber auch das war wichtig. Ich hatte komplette acht Jahre lang durchgeackert Es ging immer nur schnell nach Hause, Koffer auspacken, Koffer wieder einpacken, schlafen ... Ich hatte privat gar kein Leben. Irgendwann wurde ich wahnsinnig müde. Ich glaube, das kann einem in jedem Job passieren. Man muss dann nur herausfinden, ob es am Job liegt oder an einem selbst. Bei mir lag es auf jeden Fall an mir. Ich habe seitdem viele Dinge verändert. Ich achte sehr viel mehr auf mich selbst und darauf, dass ich Zeit zu Hause habe, wandern gehe, lese, mich mit Freunden treffe und Zeit in meine Beziehung investiere.

Mit anderen Worten: Wir werden dich auch weiterhin auf der Bühne sehen - und nicht im Kreißsaal oder in der Schreinerwerkstatt?

Ich hoffe es sehr. (lacht) Ich mache so lang weiter, wie ich darf.

Mit Stefanie Heinzmann sprach Volker Probst

Quelle: ntv.de

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