Musik

"Social Media macht mir Angst" Stefanie Heinzmann predigt die Liebe

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"Ich bin eigentlich total glücklich in meinem Leben", sagt Stefanie Heinzmann.

Soul-Pop-Bardin, Nachwuchs-Mentorin und Duett-Queen: Stefanie Heinzmann probiert sich gern aus. Fans dürfen sich jetzt über ein neues Album der Schweizerin freuen. Mit n-tv.de spricht sie über Selbstzweifel und die Schattenseiten des Social-Media-Hypes.

Stefanie Heinzmann ist quirlig, neugierig und immer für ein spannendes Experiment zu haben. Einst im Windschatten von Casting-Spürnase Stefan Raab aufgeblüht ("SSDSDSSWEMUGABRTLAD"), zieht es die sympathische Schweizerin mittlerweile in alle künstlerischen Richtungen. Egal, ob als Soul-Pop-Bardin, Nachwuchs-Mentorin ("Popstars"), Synchronstimme ("Pets") oder Duett-Queen (Lionel Ritchie, Joss Stone): Stefanie Heinzmann probiert sich nur allzu gerne aus und hinterlässt dabei stets markante Spuren. Dieser Tage dürfen sich Fans der Allround-Entertainerin mal wieder über ein neues Studioalbum ihrer Heldin freuen. Auf "All We Need Is Love" verneigt sich Stefanie Heinzmann vor der größten Kraft des Lebens. Musikalisch umhüllt wird das Ganze mit facettenreichen Einwürfen aus den Bereichen Pop, Soul, Rock und Funk. Mit n-tv.de spricht Stefanie Heinzmann über Selbstzweifel, das Menschsein und die Schattenseiten des Social-Media-Hypes.

n-tv.de: Stefanie, auf deinem neuen Album gewährst du deinen Fans einen intimen Blick in dein Innerstes. Du singst von Zweifeln und der Suche nach Selbstakzeptanz. Das passt so gar nicht ins Bild der ewig gut gelaunten Pop-Sängerin. Woher kommen all die Ängste?

Stefanie Heinzmann: Wir leben in einer Zeit, in der viele Menschen unsicher und ängstlich sind. Ich bin da keine Ausnahme. Sicher, ich habe einen tollen Job, reise um die Welt und genieße viele Privilegien. Aber am Ende des Tages bin ich auch nur ein Mensch. Ich ertappe mich oft in Situationen, in denen ich mich hinterfrage. Wer bin ich? Wo will ich hin? Was will ich tun? Diese Fragen machen vor einer Sängerin nicht Halt.

War die kurze Auszeit nach deinem 10-jährigen Bühnenjubiläum die Quellphase, in der all diese Gedanken in neue Songs mündeten?

Das war sicherlich eine sehr wichtige Zeit für mich. Während dieser Phase war ich zeitweise auch sehr erschrocken von mir selbst. Früher hatte ich nie Probleme mit dem Nichtstun. Diesmal war es aber so, dass ich manchmal gar nicht wusste, was ich mit mir anfangen soll. Ich bin es ja seit Jahren gewohnt, in Bewegung zu sein. Diese Ruhe kannte ich gar nicht mehr. Das war schon ziemlich krass. Es war aber nicht nur die Auszeit. Ich habe in den letzten drei Jahren unheimlich viel erlebt. Vor allem aber, habe ich mich in der letzten Zeit viel mit mir selbst beschäftigt. Das war ein wichtiger Prozess für mich.

Im Pressetext zum neuen Album wirst du mit den Worten zitiert: "Es kann nicht alles immer nur geil sein". Wann hast du dich das letzte Mal so richtig unwohl gefühlt?

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Das ist noch gar nicht so lange her. An Silvester hatten wir einen Todesfall im engeren Freundeskreis. Das war für mich ein ziemlich beschissener Start ins neue Jahr. Plötzlich wurde einem klar, wie vergänglich alles ist. Das alles mitzuerleben hat richtig wehgetan. So schlimm und schrecklich es ist, hat mir diese Erfahrung aber auch viel gegeben. In solchen Momenten wird einem bewusst, wie fragil, wertvoll und einzigartig das Leben ist. Man sollte sich nicht immer über Belanglosigkeiten ärgern und sich nicht unnötig stressen lassen. Das Leben ist viel zu kurz dafür.

Gibt es Dinge in deinem Leben als Pop-Sängerin, auf die du in puncto Stressvermeidung gerne verzichten würdest?

Eigentlich bin ich total glücklich mit meinem Leben. Ich bin als Persönlichkeit gewachsen und habe mich als Künstlerin entwickelt. Das alles wäre sicherlich nicht möglich gewesen, wenn es Dinge in meinem Job gäbe, die mich richtig nerven oder stressen. Natürlich macht man das eine vielleicht etwas lieber als das andere. Social Media beispielsweise ist nicht so mein Ding. Da fühle ich mich manchmal irgendwie ein bisschen überfordert.

Warum?

In meinen Augen entsteht dort ein besorgniserregendes Weltbild. Ich sehe permanent Bilder von halbnackten und muskelbepackten Menschen. Hinzu kommt eine Aggressivität in den Kommentaren, die einem schon Angst machen kann.

Wie könnte man, deiner Meinung nach, gegen diese Entwicklung ansteuern?

Ich weiß nicht, ob es dafür einen Schlüssel gibt. Das Internet ist ja noch jung. Social Media markiert jetzt gerade einen Hype, der irgendwann hoffentlich auch wieder abebbt. Jede Bewegung erzeugt mit der Zeit auch eine Gegenbewegung. Ich höre jetzt schon, dass viele Leute wieder gerne wandern gehen. Das sind schon die ersten Vorboten. Ich finde das gut.

Du wirst hierzulande immer wieder gerne als Lena-Gegenpol gehandelt. Ihr habt ja beide einen ähnlichen Werdegang hinter euch. Euer Öffentlichkeitsbild könnte aber unterschiedlicher kaum sein. Während man über Lena fast täglich etwas Neues in der Boulevard-Presse findet, hört man von dir nur Neues, wenn es um die Musik geht. Mal Hand aufs Herz: Bist du froh, dass es so ist, wie es ist?

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"Ich brauche Abwechslung", sagt Stefanie. "Ich könnte mich nie auf die Bühne stellen und 90 Minuten denselben Song spielen."

Es ist einfach so, wie es ist. Ich habe großen Respekt vor dem, was Lena in ihrer Karriere geleistet hat. Wer sich in so jungen Jahren in eine Castingshow traut und im Anschluss dann nach gefühlt 4000 Jahren für Deutschland den ESC gewinnt, der muss sich einem unheimlich großen Erwartungsdruck stellen. Ich freue mich für sie, dass sie das alles so hinbekommen hat. Und ja, sie geht Dinge anders an. Sie macht viel Social Media, viel Werbung, viel Musik. Bei ihr ist immer was los. Aber es läuft ja auch. Und es ist ihr Ding. Jeder geht da seinen eigenen Weg.

Wie oft seid ihr euch schon persönlich begegnet?

Ein paar Mal. Dann drücken wir uns und tauschen uns kurz aus.

Wie sieht es generell so in puncto Musikerfreundschaften aus? Trifft man sich mal mit Mark Forster zum Kaffee? Oder lädt dich Stefan Raab mal zum Grillen ein?

(lacht) Eher nicht. Wenn ich Zeit mit meinen Freunden verbringe, dann ziehen wir uns eher in die Berge zurück.

Dort laufen nicht allzu viele Popstars rum, oder?

(lacht) Nicht wirklich. Die Leute in meiner Band, mit denen ich jetzt schon seit über zehn Jahren unterwegs bin, stehen mir sehr nahe. Dann gibt's noch eine Moderatorin aus Halle, mit der ich ziemlich eng bin. Aber der Rest meines Freundeskreises hat mit dem Business eher weniger zu tun.

Nochmal kurz zurück zur Musik: Dein musikalischer Weg führt den Hörer immer wieder durch die Bereiche Pop, Rock, Soul und Funk. Wie würde ein Album von dir klingen, wenn du dich im Vorfeld für ein Genre entscheiden müsstest?

Da würde ich mich wahrscheinlich für ein Funk-Album entscheiden. Das ist die Musik, die mir die meiste Energie gibt und die mir am meisten Spaß bereitet. Ich liebe aber auch all die anderen Facetten in meiner Musik. Ich könnte mich nie auf die Bühne stellen und neunzig Minuten denselben Song spielen. Das bin nicht ich. Ich brauche Abwechslung. Das ist mir unheimlich wichtig. Ich will meinen Fans immer viel bieten.

Bist du selbst auch noch Fan?

Ich habe jetzt keine Poster bei mir daheim an der Wand. Aber klar, es gibt viele tolle Künstler, zu denen ich aufschaue. Jill Scott, Erykah Badu, oder auch jüngere Sängerinnen wie Lianne La Havas find ich schon klasse. Ich bin sehr begeisterungsfähig. Wenn mir Musik gefällt, dann schließe ich sie schnell in mein Herz.

Mit Stefanie Heinzmann sprach Kai Butterweck

Quelle: n-tv.de

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