Unterhaltung
Oh ja, es weihnachtet sehr - auch bei Sia und ihrem Wauwau.
Oh ja, es weihnachtet sehr - auch bei Sia und ihrem Wauwau.(Foto: RJ Shaughnessy)
Freitag, 22. Dezember 2017

Weihnachtsalben mal anders: Nimm das, Jingle Bells!

Von Nadine Wenzlick

"Jingle Bells" singen kann jeder. Sia und Tom Chaplin haben pünktlich zum Fest der Liebe deshalb Weihnachtslieder der etwas anderen Art aufgenommen. Und auch gibt es einige Alternativen zum drögen "O du fröhliche".

Jedes Jahr Weihnachten das Gleiche: Mariah Carey beschwört "All I Want For Christmas Is You", während Chris Rea sich ins Auto schwingt: "Driving Home For Christmas" halt. Michael Bublé, Barbara Schöneberger und Helene Fischer derweil hören die "Jingle Bells" läuten.

(Foto: Universal Music)

Weihnachtslieder gehören zur Adventszeit wie Lebkuchen und Glühwein, jedes Jahr nehmen zig Künstler deshalb Weihnachtsalben auf. Das Problem: Das Ergebnis ist oft vorhersehbar und uninspiriert, originelle Weihnachtssongs sucht man wie die Tannennadel im Heuhaufen. Immer wieder werden dieselben Klassiker bemüht. Und wenn "Jingle Bells" zum 100. Mal aus den Boxen schallt, dann klingeln irgendwann nur noch die Ohren. Da hilft auch die eingedeutschte Version von Mark Forster nicht.

Tom Chaplin kam dieses Jahr zu dem Schluss: Das geht auch anders. "Ich dachte mir: Wenn ich schon ein Weihnachtsalbum mache, dann soll es authentisch sein", sagt der Sänger der Britpop-Band Keane, der vor gut einem Jahren mit "The Wave" sein erstes Soloalbum veröffentlicht hatte.

"Twelve Tales Of Christmas"

"Mein Lieblings-Weihnachtssong ist 'Fairytale Of New York' von The Pogues, weil er so erdig und ein bisschen düsterer ist." Der 1987 veröffentlichte Song der britischen Folk-Punk-Band handelt davon, dass viele Iren nach Amerika auswanderten, um als Entertainer in New York Karriere zu machen, am Ende aber auf der Straße landeten. Die Pogues wollten damit weg vom kitschigen Weihnachtssong und unterstreichen, dass es genug Menschen gibt, die Weihnachten alles andere als eine gute Zeit haben. "Statt die großen Klischees zu bemühen, dient Weihnachten nur als Rahmen für den Song", so Chaplin weiter. "Das hat mich gereizt: Weihnachten als Thema und Inspiration für eine Sammlung an Songs zu nutzen."

Heraus kam "Twelve Tales Of Christmas": zwölf zum Teil opulent mit Chören und Streichern verzierte, meist jedoch melancholische und reduzierte Songs. Mit "Walking In The Air", dem Joni-Mitchell-Klassiker "River", "2000 Miles" von den Pretenders sowie "Stay Another Day" von East 17 befinden sich auf dem Album vier Coverversionen ungewöhnlicher Weihnachts- und Wintersongs, die anderen acht Stücke allerdings sind Eigenkompositionen, in denen Chaplin nicht etwa von Rentieren mit roten Nasen singt, sondern von Einsamkeit ("Another Lonely Christmas") und verstorbenen Menschen, die wir Weihnachten vermissen ("We Remember You This Christmas").

"Es ist ein ganz schön trauriges Album", gibt er zu. "Aber solche Gefühle gehören eben auch dazu. Weihnachten ist eine Zeit der Wärme und des Lichts im kalten, dunklen Winter - aber es ist genauso eine Zeit des Reflektierens, die uns zwingt, eine Pause einzulegen und darüber nachzudenken, wo wir stehen und in welcher Situation die Welt sich befindet. Aus diesem Gefühl heraus entstanden die Songs."

Zu Weihnachten Gothic?

Tom Chaplin ist dieses Jahr nicht der einzige Künstler, der das Phänomen Weihnachtsalbum etwas anders angeht. "From Spirits And Ghosts (Score For A Dark Christmas)” heißt das Gothic-Weihnachtsalbum der ehemaligen Nightwish-Sängerin Tarja. "Auf diesem Album habe ich mich mit der Kehrseite von Weihnachten beschäftigt. Das Weihnachten der Einsamen und der Verlorenen. Das Weihnachten für die Menschen, die in den blinkenden Lichtern und bimmelnden Glocken keine Freude finden", sagt die Finnin.

(Foto: Edel)

Die Rockband Cheap Trick derweil nahm für ihr Album "Christmas Christmas" Cover-Versionen von den Ramones und Chuck Berry sowie drei eigene Weihnachtssongs auf. Und auch die australische Sängerin Sia veröffentlicht mit "Everyday Is Christmas" ein Weihnachtsalbum, das über ausgelutschte Cover hinausgeht.

"Ich dachte mir, dass wir einen Mangel an guter Weihnachtsmusik haben", erklärte sie in einem Interview mit Radiomoderator Zane Lowe. "Natürlich gibt es die Klassiker und so, aber was neue Songs betrifft, hat mich einfach nichts gekickt." Als sie jedoch erst einmal zu schreiben angefangen hatte, habe sie gar nicht mehr aufhören können. "Es hat so viel Spaß gemacht, weil ja alles bereits da ist, all die Konzepte. Man muss sie nur ausweiten. Mistelzweig, Ho-ho-ho, Santa Claus, Weihnachtslisten, Elfen - man hat all diese Themen."

"Ich liebe Weihnachten"

(Foto: Warner Music)

Die zehn Eigenkompositionen entstanden gemeinsam mit dem Musiker und Produzenten Greg Kurstin und reichen von der jazzigen, mit allerlei Glöckchen und Sounds verzierten Single "Santa's Coming For Us" bis zu festlichen Balladen wie "Snowman", in der Sia sich sorgt, dass ihre große Liebe, der Schneemann, schmelzen könnte. So erfrischend können Weihnachtssongs klingen!

"Dass Sia auch ein Weihnachtsalbum gemacht hat, macht diese Kunstform vielleicht wieder cool, vielleicht ist das der Zeitgeist", lacht Tom Chaplin. "Wenn ich es nur mit einem einzigen Stück in die Weihnachts-Playlisten schaffe, bin ich schon glücklich. Das ist, als würde man versuchen, in Fort Knox einzubrechen!"

So oder so - auf Ende Dezember freut er sich jetzt schon. "Ich liebe Weihnachten einfach und habe meine kindliche Begeisterung dafür nie ganz abgelegt", sagt er. Einige Weihnachtstraditionen behält er für seine dreijährige Tochter gerne bei. "Bei uns zu Hause werden Weihnachtsstrümpfe aufgehängt und wir stellen ein Mince Pie für Rudolph raus, das am nächsten Morgen halb aufgegessen ist. Diese Traditionen bringen etwas Magie in unsere Welt - und in Anbetracht der Zeiten, in denen wir leben, tun uns ein bisschen Magie und Spaß sicherlich gut."

Bilderserie

Quelle: n-tv.de