Musik

"Die Welt steht still" Orange Blue singen den Song zur Lage

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Richtig gute Freunde, richtig gute Musiker: Volkan Baydar und Vince Bahrdt.

(Foto: Alexander Schönberg)

Das sind doch die, die - richtig! Orange Blue, Volkan Baydar und Vince Bahrdt, die beiden haben "She's Got That Light" gespielt. Spielen es immer noch. Und "The Sun On Your Face" oder auch "Can Somebody Tell Me Who I Am?" Und, und, und. Vor allem aber haben sie ein aktuelles Album: "Weiß/ White". Und einen unglaublich passenden Song zu unserer momentanen Situation, er heißt "Die Welt steht still". Über Klassiker, Neues und eine lange Karriere für so junge Männer sprechen die beiden sympathischen Vollblut-Musiker mit ntv.de.

ntv.de: Ein Doppelalbum - 'ne Menge Holz. Und dann ganz geschickt eingefädelt - auf Deutsch und auf Englisch.

Vince Bahrdt: Du bist die Erste, die das Wort "geschickt" benutzt … da muss ich drüber nachdenken.

Volkan Baydar: Wir haben uns jahrelang auf das Album vorbereitet und mit vielen auch drüber gesprochen.

Vince: Die einen fanden, wir müssen mit etwas Deutschem rauskommen, die anderen fanden, dass wir auf jeden Fall Englisch bleiben sollten, denn das wäre eben "Orange Blue". Und am Ende haben wir gedacht, dass wir einfach beides machen. Dass es so viel wurde, liegt natürlich daran, dass wir einfach lange dran gesessen haben.

Ihr seid seit 20 Jahren zusammen …

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Orange Blue - keine Angst vor Gefühlen .

(Foto: Sami Khatib)

Volkan: Oh Gott, wie das klingt (lacht).

Vince: Herzlichen Glückwunsch. Die Zeit ist ja nur so verflogen (lacht).

Volkan: Wir haben auch ältere Songs aufs Album gepackt und trotzdem ist das jetzt nur das Best-of von allem, was wir sonst noch haben.

Vielleicht ist es ja einfach "Best of both worlds"?

Volkan:  Es war jedenfalls keine Kopfentscheidung. Wir haben nicht berechnet, nicht überlegt, ob das schlau ist, es musste so einfach raus in die Welt. Wir haben angefangen und Vince brachte dann irgendwann auch ein paar politische Statements in die Songs …

Vince: ... und die kann man dann echt nur auf Deutsch singen, finde ich, wenn es um die Stimmung im Land geht. Es soll ganz direkt sein. Englisch ist etwas leichter für den "Klangteppich" (lacht).

Volkan: Es ist auch eine Gewöhnungssache, weil man im Deutschen schnell schmalzig klingt, wenn man zum Beispiel Gefühle ausdrückt in der Musik. Es ist nicht leicht, im Englischen einen guten Text zu schreiben, wenn es nicht plakativ sein soll. Aber das ist in jeder Sprache nicht ohne.

Manchmal ist es mutig, die Dinge auszusprechen …

Volkan: Das ist doch gut! So soll Kunst ja sein.

Vince: Es berührt direkter.

Volkan: Dann wird es auf jeden Fall keine Fahrstuhlmusik.

"Die Welt steht still" - dieses Lied passt so perfekt in unsere Zeit.

Vince: Ja, dieser Popsong spiegelt die bedrückende Realität der gegenwärtigen politischen Geschehnisse in der Welt und unserem eigenen Land wider. Dass er einmal eine solche Aktualität erfahren würde, hätten wir natürlich nicht gedacht.

Durch die "Interludes" auf dem Album kommt alles sehr authentisch rüber, als wäre man dabei …

Vince: Gut! Das soll so! So sind wir. Albern, ernst, ehrlich. Und manchmal sogar schmalzig (lacht).   

Volkan: Wir haben ja wirklich lange Erfahrung als Musiker. Und wir wollen viele Menschen ansprechen. Was am Ende als Erstes als Single ausgekoppelt wird, das überlassen wir den Marketing-Profis - aber das muss immer alles nach uns klingen. 

Ihr seid gleichberechtigte Partner, kriegt ihr euch nie in die Haare?

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Gegenseitiger Glücksfall: Vince und Volkan.

(Foto: Sami Khatib)

Vince: Du meinst, sofern vorhanden? (lacht) Wir entscheiden alles gemeinsam, stimmt, und wir sind auch nicht immer einer Meinung, aber wir kriegen das immer hin.

Ein Glücksfall also?

Volkan: Ja, auf jeden Fall. Es ist sicher ungewöhnlich mit uns.

Vince: Man gewinnt eine gewisse Gelassenheit über die Jahre. Wir streiten uns echt nicht.

Volkan: Wir müssen uns auch nicht mehr beweisen vor dem anderen, das ist vielleicht inzwischen eine Frage des Alters.

Was ist der größte Unterschied zwischen euch beiden, wenn ihr doch so harmonisch seid?

Volkan: Das ist so verstrickt ineinander, dass man es kaum sagen kann, ohne plakativ zu sein. Es fängt an beim Songschreiben. Auch wenn wir am Ende echt stimmig klingen.

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Schöne Musik, haben aber auch etwas zu sagen, egal in welcher Sprache: die Männer von Orange Blue.

(Foto: Alexander Schönberg)

Vince: Du klingst auf Englisch total anders als in Deutsch, habe ich mal wieder festgestellt. 

Volkan: Ich habe dann wohl ein anderes Timing, hat man mir mal gesagt.

Und einen großen Wiedererkennungswert …

Volkan: Das ist echt Glück. Ich habe nichts dafür getan (lacht).

Keine Prinzipien?

Volkan: Doch, beim Essen, ich lebe vegan. Aber ohne andere bekehren zu wollen, es tut mir einfach gut.

Das Album heißt White / Weiß - warum?

Vince: Weiß steht dafür, dass das spektral aufgebrochen alle Farben sind. Da sind alle Farben des Regenbogens drin. Und das bedeutet für uns Vielfalt. Das ist unsere Aussage, dass wir jeden willkommen heißen, dass wir das Gute im Menschen sehen, dass Toleranz wichtig ist und dass wir das verteidigen werden.

Eins eurer "Interludes" wird von Ben Becker gesprochen …

Vince: Ein geiler Typ, ein Pfundskerl. Ein ganz gerader Typ mit Meinung und Mundwerk.

Euer Alltime-Klassiker ist auch wieder dabei!

Volkan: "She's Got That Light" ist Teil unseres Weges, gehört zu unserem Glück, und in unserer Wahrnehmung ist dieser Song natürlich ein Türöffner für uns gewesen. Dass wir sonst auch noch was können, das wissen wir sowieso. Deswegen können wir uns jetzt quasi selbst zitieren.

Und der Druck, einen weiteren solchen Hit zu produzieren?

Vince: Ist bestimmt manchmal da, aber es ergibt sich auch so alles. Unser Album ist keine Single-Ansammlung, sondern ein komplettes Album. Und insofern haben wir keinen Druck, wir sind manchmal auch viel zu arty, das wissen wir. Wir haben vor diesem Song Musik gemacht und wir machen sie danach. Wir hätten auch ohne dieses Lied immer Musik gemacht.

Volkan: Es macht einfach Spaß, außerdem haben wir eine tolle Band!

Mit Volkan Baydar und Vince Bahrdt sprach Sabine Oelmann (vor dem Shutdown), wann die Tour startet, steht nicht fest.

Quelle: ntv.de