Der Graf kehrt zurückSchlager, Pathos und eine Prise Rammstein
 Erik Weiss.webp)
Beinahe zehn Jahre mussten Fans des Grafen auf ein neues musikalisches Lebenszeichen ihres Helden warten. Nun ist es endlich so weit. "Liebe Glaube Monster", das lang ersehnte Comeback-Album, erblickt das Licht der Welt.
Am 10. September des Jahres 2016 endete der Tag für unzählige deutsche Musikfans in höchstem Maße emotional und tränenreich. Was war passiert? Im Kölner Rhein-Energie-Stadion zog Der Graf einen Schlussstrich unter sein Schaffen. Nach 17 erfolgreichen Jahren fiel der letzte Vorhang. Auf den Tag genau neun Jahre später meldete sich Der Graf mit der Single "Wunderschön" zurück. Nach einem weiteren halben Jahr halten Fans des zweifachen "Echo"-Preisträgers nun das neue Studioalbum "Liebe Glaube Monster" in den Händen - und wieder fließen Tränen. Diesmal auch beim Hauptdarsteller des Ganzen.
Von melancholischen Pianoklängen begleitet, stimmt Der Graf eine gefühlvolle Lobeshymne an. Der Adressat: die eigene Mutter. Nun ist die Mama verstorben, und die zweite Single, "Mein Löwe", klettert in der Liste der persönlichsten Songs bis ganz nach oben an die Spitze. Viel Pathos und die ganz großen Gefühle sind ständige Begleiter. So war es schon immer, wenn sich der Graf und seine Gefolgscombo Unheilig an die Arbeit machten. Im Frühjahr 2026, unter dem "Liebe Glaube Monster"-Banner ist das nicht anders.
Foxtrott, Synths und Powerchords
Gerne erwähnt Der Graf, dass er schon seit jeher genrelos unterwegs ist, sich um keine Schubladen Gedanken macht und sowohl das Wacken- als auch das Fernsehgarten-Publikum begeistern kann. Und in der Tat: Schon beim zweiten Song des neuen Albums verschmelzen die Trademarks verschiedenster Branchen zu einem großen Ganzen. Ein flotter Foxtrott-Beat, eingestreute Synths und ein paar abgedämpfte Powerchords im Hintergrund lassen die Herzen all jener höherschlagen, die mit musikalischen Ecken und Kanten so ihre Probleme haben.
Der Graf jongliert gekonnt mit richtungsweisenden Akzenten. Mit seinem tiefen Organ predigt er die Liebe und das Leben. Aufgeben ist keine Option. Demut und Dankbarkeit sind allgegenwärtig. Mit dem "Spiegel" vor Augen erstickt das unheilige Kollektiv jeden Fake-Anflug bereits im Keim. Wenn Der Graf bereits am frühen Morgen der Liebe erliegt, dann bekommen all seine Wegbegleiter und Fans feuchte Augen ("Du Bist Meine Heimat"). In der imaginären "Sonnenallee" sieht man sich endlich wieder, tauscht Erinnerungen aus und bittet um Verzeihung. Und wenn Der Graf dem Leben auf der Spur ist und all die schönen Bilder archiviert, dann ist das "Photobuch" ein treuer und liebgewonnener Begleiter.
Der Graf kann auch anders
Die Sonne lacht und das Leben breitet die Arme aus. Die Musik gesellt sich dazu und versprüht ausschließlich positive Vibes. Irgendwo zwischen altehrwürdigem Dieter-Thomas-Heck-Pop und tanzbarem Schlager feiert Der Graf die Vergangenheit, genauso wie das Hier und Jetzt und die Zukunft. Schieben sich dunkle Wolken vor die Sonne, kann Der Graf aber auch anders. Wenn "Böse Geister" ihr Unwesen treiben, niederträchtige Schaulustigkeit sich wie ein Virus ausbreitet ("Brot Und Spiele") und das Thema KI ("KI - 01001011 01001001") die Massen spaltet, schaltet der Hauptprotagonist zwei Gänge höher und konkurriert soundtechnisch mit Till Lindemann und Co.
So hält Der Graf am Ende sein Versprechen und nimmt (fast) jeden mit auf seine Reise. Diese führt im Sommer, Herbst und Winter durch die größten Arenen der Republik. Dann werden wieder zigtausende Jünger an seinen Lippen kleben und glücklich darüber sein, dass alles wieder beim Alten ist.