Musik

Musik gegen den Trennungsschmerz Seal schwelgt in Erinnerungen

Seal_Press_Pic_5.jpg

Zu lange ein "Celebrity": Seal.

(Foto: Warner Music Group)

Als Ex von Heidi Klum bezeichnet zu werden, muss Seal auf die Nerven gegangen sein. Auch deshalb macht er jetzt wieder das, was er am besten kann: Musik! Gleichwohl geht es auf seinem neuen Album "7" auch um Heidi, wie im n-tv.de Interview herauszulesen ist.

Als Ex-Mann von Heidi Klum bezeichnet zu werden, muss Seal auf die Nerven gegangen sein. Auch deshalb macht er jetzt wieder das, was er am besten kann: Musik! Seal sitzt in der Bibliothek eines Londoner Luxus-Hotels und trägt eine schwarze, hochgeschlossene Outdoor-Jacke. Eine geradezu symbolische Geste, denn auch sonst gibt sich der Sänger bei bestimmten Themen zugeknöpft - aus gutem Grund: "Diesmal soll es nur um die Musik gehen", sagt der 52-jährige Brite. "Ich bin zu lange als Celebrity in den Medien wahrgenommen worden." Das lag insbesondere an seiner Ehe mit dem deutschen Top-Model, von den er mittlerweile geschieden ist.

Seal_Press_Picture_2015__1.jpg

"7" ist Seals erstes Studioalbum seit vier Jahren.

(Foto: Drebin / Warner Music Group)

Auf seinem neuen Album "7", dem ersten mit selbstgeschriebenen Songs seit fünf Jahren, finden sich folgerichtig diverse Trennungslieder. Was Adele oder Sam Smith können, kann Seal eben schon lange. Beim Interview lässt er immer mal wieder deutsche Worte einfließen und präsentiert sein weißestes Zahnpasta-Lächeln.

n-tv.de: Wollen wir ein bisschen Ihr Deutsch auffrischen?

Seal: No, no, let's speak English. It’s better.

Üben Sie denn noch Deutsch mit Ihren Kindern?

Nein, nie. Es langt ja, wenn ihre Mutter das mit ihnen tut.

Hier in London hat vor 25 Jahren alles angefangen mit Ihrer Karriere.

In London bin ich geboren und aufgewachsen. Und ich habe meine neue Platte hier aufgenommen. Im Sarm-Studio, das Trevor Horn gehört, der mich vor einem Vierteljahrhundert unter Vertrag genommen hat. Himmel, ist das lange her! Es kamen bei den Aufnahmen viele Erinnerungen zurück. Aber so wollte ich es auch haben. Ich habe mich extra in dasselbe Apartment eingebucht, in dem ich vor 25 Jahren lebte und mich voll der Nostalgie hingegeben.

Und nun planen Sie Ihr großes musikalisches Comeback?

Nun, ich war ja nie weg aus dem Rampenlicht. Aber diesmal will ich für die richtigen Dinge im Rampenlicht stehen.

Trevor Horn gilt als Mann, der die Achtziger erfand. Was macht Ihre langjährige Zusammenarbeit aus?

Unsere großartige Freundschaft! Wir haben sehr viel Bewunderung und Respekt füreinander. Er ist wie ein älterer Bruder für mich. Er lebt ja nun in Los Angeles. Sobald ich dort aufschlage, rufe ich ihn immer als erstes an. Wir haben auch absolut den gleichen Humor. Wir lachen über dieselben dämlichen Dinge.

Zum Beispiel?

Britischen Toilettenhumor! Manchmal erfinden wir auch alberne Spitznamen für Songs. "Kiss From A Rose" heißt bei uns nur noch "Kiss For My Dustbin". Selbst wenn es ernst wird im Studio, finden wir noch einen Weg, zu lachen. 

Wenn man Ihre neue Platte mit den vielen Trennungsliedern hört, ist einem eher zum Weinen zu mute.

Ist das gut oder schlecht?

Wenn Songs Emotionen heraufbefördern, ist das vermutlich gut. Haben Sie geweint, als sie die Lieder gemacht haben?

Wenn man ehrlich ist, wenn man Musik macht, gibt es immer mindestens einen Moment im Studio, in dem die Musik, die Melodie und die Harmonien durch deinen Körper schwingen, und dann gibt es Tränen. Es sind aber gute Tränen. Es ist ein schönes Gefühl. Und eigentlich versucht man sogar, so viele Momente wie möglich bei einer Albumproduktion zu haben, in denen es einen überkommt.

Da ist viel Schmerz auf der Platte. War das kathartisch?

Ich würde nicht sagen, dass da viel Schmerz auf der Platte ist. Ich würde eher sagen, da ist sehr viel Realität in den Songs. Ich habe versucht, die verschiedenen Dynamiken der Achterbahnfahrt einzufangen, durch die ich gegangen bin. Liebe ist verrückt. Liebe ist wunderschön. Liebe ist düster. Liebe ist Licht. Liebe ist Wut. Liebe ist vergebend. Aber vor allem ist Liebe gleich Leben. Es gibt eine Textzeile auf der Platte, die heißt: "Liebe hasst nur mit Liebe." Das habe ich bei allen Höhen und Tiefen öfter so empfunden. Ich habe versucht, realistisch zu sein. Manche werden das als Schmerz interpretieren.

Also war kein Liebesschmerz involviert?

Seal_Press_Pic_4.jpg

Schöner Wohnen - ohne Heidi.

(Foto: Warner Music Group)

Das habe ich nicht gesagt. Aber das Album sehe ich nicht als solches. Es gibt ja den Spruch: Stärke durch Verletzlichkeit. Wenn man sich selbst erlaubt, verletzlich zu sein, ist das auf gewisse Weise auch befreiend. Es setzt eine unglaubliche Stärke frei.

Fühlen Sie sich stärker?

Ich war immer schon eine sehr starke Person. Ich bin heute nicht stärker als vor 40 Jahren. Ich musste schon als Kind sehr stark sein.

Hat das geholfen beim Berühmtwerden?

Ich bin berühmt, weil es Teil davon ist, ein erfolgreicher Musiker zu sein. Aber ich wollte nie berühmt sein. Ich wollte immer nur gut sein in dem, was ich mache. Man muss vorsichtig sein damit. Ruhm ist ein sehr prekäres, inkonsistentes Konzept. Ruhm ist auch sehr unecht.

Manche Leute sagen, Ihr Temperament würde manchmal mit Ihnen durchgehen. Stimmt das?

Soll ich Ihnen sagen, wann das so ist? Wenn ich sehe, das jemand schlecht behandelt wird. Wenn jemand von einer anderen Person heruntergemacht wird. Dafür habe ich wenig Toleranz, um ehrlich zu sein. Ansonsten: Temperament haben wir alle.

Was haben Sie über die Liebe gelernt?

Nichts! (lacht) Na gut: Ich habe gelernt, dass die Liebe der Kern ist von dem, wer wir sind. Alles was wir tun, sollte aus Liebe geschehen, denn die Alternative wäre desaströs. Wir sind abhängig von der Liebe, denn sie gibt uns Glückseligkeit.

Was ist die größte Liebe in Ihrem Leben?

Seal_7_Album_Cover.jpg

Das Album "7" ist ab sofort erhältlich.

(Foto: Warner Music Group)

Meine Kinder - ganz sicher sogar. Ich will ein guter Vater für sie sein. Deshalb lebe ich auch immer noch in Los Angeles, um in ihrer Nähe zu sein.

Was unternehmen Sie mit Ihren Kindern?

Wir waren neulich beim Konzert von Taylor Swift. Das war großartig. Ich habe vier Kinder, und wenn ich Taylor Swift höre, finde ich immer, dass sie die richtige, positive Botschaft überbringt. Ich beobachte, wie meine Tochter auf sie reagiert, das ist toll. Anstatt Fotos von Drogen-Konsum auf Instagram zu posten, was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann, steht Swift für die richtigen Dinge.

Haben Sie eigentlich viele Freunde im Musikbusiness?

Nein, die meisten meiner Freunde sind entweder Athleten oder Leute, die nichts mit Musik zu tun haben - mal abgesehen von Trevor. Musiker können ja auch Arschlöcher sein, weil wir rasch mal zur Überhöhung neigen und von uns denken, dass wir die Retter des Universums sind. Dabei kreieren wir lediglich einen interessanten Klang, den Menschen mögen. 

Sind Sie glücklich derzeit?

Ja, sehr sogar. Ich könnte gar nicht glücklicher sein.

Mit Seal sprach Katja Schwemmers.

Das Album "7" bei Amazon bestellen