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Was läuft denn da? Sting und Mylène Farmer im Duett

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Ein schönes Paar - aber nur auf Arbeitsebene: Sting und Mylène Farmer.

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Dem Terror zum Trotz - Paris ist immer noch die Stadt der Liebe! Popsängerin Mylène Farmer und Rockmusiker Sting haben dort das zweisprachige Duett "Stolen Car" aufgenommen - und flirten im dazugehörigen Video aufs Heftigste. In Frankreich kommt das bestens an, katapultierte sich die Single doch dort bereits auf Platz 1 der Charts. Und auch beim Doppelinterview im Pariser Luxus-Hotel Royal Monceau unweit des Arc de Triomphe fällt es leicht, dem Charme der beiden zu unterliegen. Das Interview fand drei Tage vor den Terroranschlägen von Paris statt.

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Das Pariser Luxus-Hotel Royal Monceau liegt unweit des Arc de Triomphe. Wer hier eine heiße Schokolade trinken will, muss mindestens 14 Euro hinblättern. Dafür kann man dann mit etwas Glück einen Blick auf den einen oder anderen Promi erhaschen.

An diesem Dienstag haben gleich zwei Superstars in der schicken Herberge Unterschlupf gefunden, die allerdings in gemeinsamer Sache unterwegs sind: Da ist zum einen die in Kanada geborene französische Gesangsikone Mylène Farmer, die mit 14 Nummer-Eins-Singles Rekordhalterin in den französischen Charts ist. Zum anderen der britische Rockstar Sting, der mit The Police Weltruhm erlangte und als Solist immer noch riesige Arenen füllt.

Schüchtern und vertraut

Zusammen haben die 54-Jährige und der zehn Jahre ältere Kollege Stings zwölf Jahre alten Song "Stolen Car" als zweisprachiges Duett für Farmers zehntes Studioalbum "Interstellaires" aufgenommen. In Frankreich stieg der Song bereits bis auf Platz 1 der Charts - für Sting ist es das erste Mal, dass er sich dort auf der Pole positionieren konnte.

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In Frankreich landeten sie mit "Stolen Car" bereits einen Hit.

(Foto: Amy Sussman/Invision/AP)

Die Mitarbeiter des französischen Labels sind sehr aufgeregt. Nein, nicht wegen des Weltstars, sondern wegen der medienscheuen Farmer, die den Gerüchten zufolge Sting zuliebe ihren ersten Interviewtag seit 15 Jahren abhält.

Fast ein wenig schüchtern sitzen beide nebeneinander auf der Couch in der großen Hotelsuite, sie lachen oft, sind vertraut miteinander. Ein wenig paradox allerdings: Farmer bemüht für ihre Antworten eine Übersetzerin, obwohl sie perfekt Englisch spricht. Vermutlich will sie damit ihr Image als französisches Kulturgut pflegen, obwohl sie auf ihrem neuen Album auch einige englischsprachige Popsongs singt. Aber angesichts ihres charmanten Lächelns wollen wir ihr die Eitelkeit mal nicht nachtragen.

Feier mit Gin Tonic

"Wir haben unsere Nummer Eins mit Gin Tonic gefeiert", meint Sting. Und Mylène Farmer entgegnet: "So wie wir immer feiern halt." Beide lachen. Die Initiative für das Duett soll von der Dame ausgegangen sein. "Das stimmt, und ich war sehr nervös, Sting zu fragen. Aber ich liebe das Abenteuer. Also habe ich mich getraut, und er hat ja gesagt." So schwer wird's auch nicht gewesen sein, sind beide doch beim selben Label unter Vertrag.

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Was haben Sting und Mylène als Menschen und Künstler gemeinsam? "Wir sind beide neugierig auf die Welt und die Musik. Wir lassen uns eher von unseren Karrieren leiten als von Kommerzialität und dem, was Geld bringt. Im Mittelpunkt steht für uns immer die Neugier und das Interesse, wo sich die Musik hinbewegt." Sting hält kurz inne. "Ich habe jetzt einfach mal für dich mitgesprochen, Mylène!"

Sie lacht nur und schmiert ihm Honig ums Maul: "Sting ist ein unglaublicher Künstler, sehr großzügig und bodenständig, was herrlich ist bei einem Menschen, der so viel Talent besitzt. Er ist ein wunderbarer Komponist, und ich liebe die Art, wie er Geschichten in Songs erzählt. Und dann besitzt er noch eine Form der Verrücktheit, die ich wirklich mag - genau die hat uns verbunden."

Fummeln im Video

Wie sich diese Verrücktheit äußert, behält sie für sich. Aber wenn man vor ein paar Tagen ihren gemeinsamen Auftritt bei den "NRJ Music Awards" in Cannes gesehen hat, dann ist es in der Tat irgendwie verrückt vom 64-jährigen Sting, sich vor das sehr junge Publikum zu stellen und einen Song zu performen, der zwischen Kitsch und Beats pendelt. "Finden Sie, dass ich ein guter Tänzer bin?", kontert Sting mit einer Gegenfrage, als wir wissen wollen, ob er sich bei dem Auftritt wohl gefühlt hat. "Wenn ja, dann habe ich alles richtig gemacht. Das ist der Sinn des Ganzen."

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Gemeinsamer Auftritt: Sting und Mylène Farmer am 7. November 2015 bei den "NRJ Music Awards" in Cannes.

(Foto: imago/Starface)

Um dem zwölf Jahre alten Track von Stings Album "Sacred Love" frisches Leben einzuhauchen, engagierten sie den in Nizza lebenden DJ und Produzenten The Avener. "Das war meine Idee. Und ich finde, Avener hat das äußerst sexy umgesetzt", meint Farmer. Sowieso ist irgendwie alles sexy: Im Video zu "Stolen Car" geben die Beiden das Traumpaar inklusive Bettszene. Und zwar so echt, dass man meinen könnte, da wäre mehr als nur eine Arbeitsbeziehung.

Schön, ja geradezu jugendlich sehen die zwei in dem Kurzfilm aus (übrigens auch in Natur), während sie aneinander rumfummeln. Sie mit ihren feuerroten Haaren, er mit seinem leicht ergrauten Hipsterbart, den er sich im vergangenen Jahr für seine Bühnentätigkeit bei seinem Musical "The Last Ship" am New Yorker Broadway stehen ließ.

"Stolz auf den sexy Clip"

Wie haben sie das heiße Video ihren Lebenspartnern erklärt? "Ach, solche Situationen hat man ja häufig mal. Sting ist eh Schauspieler, er hat in vielen Filmen gespielt. Ich habe mich einfach von ihm leiten lassen", meint die Lady. Und Sting erklärt: "Ich bin sogar mit einer Schauspielerin, Regisseurin und Film-Produzentin verheiratet! Meine Frau Trudie hatte also vollstes Verständnis. Sie ist selbstsicher genug, um zu wissen, dass ich mich wie ein Gentleman benehme. Es hat also keine Standpauke von ihr gegeben. Ich bin echt stolz auf den sexy Clip."

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Der Song "Stolen Car" befindet sich auf dem Album "Interstellaires" von Mylène Farmer.

(Foto: Universal Music)

Im Song und Video geht es um eine Liebesgeschichte zwischen einem Autodieb und einer gut betuchten, aber vernachlässigten Ehefrau, die endlich Aufmerksamkeit bekommt. Gedreht wurde in dem Hotel, in dem man gerade sitzt, an der Kathedrale Notre-Dame, der Seine und in den Straßen von Paris in der Nacht. Romantischer hätte es also gar nicht sein können.

Französischer auch nicht. Zu einem mittleren Menschenauflauf soll es bei den Dreharbeiten, die zweimal zwölf Stunden gedauert haben, gekommen sein. "Sting hat das registriert, ich nicht", so Farmer. "Ich war so konzentriert auf uns, dass ich nichts anderes wahrgenommen habe."

Ein Wein namens Mylène?

Wie viel Franzose steckt denn in Sting? "Die französische Kultur war mir immer wichtig. Ich spreche nicht fließend die Sprache, aber ich bin gut darin, so zu tun als ob. Wenn man an Romantik denkt, an Liebe und Sinnlichkeit, dann kommt man an Frankreich nicht vorbei."

Wenn man an Wein denkt, auch nicht. Stings eigene Weinberge sind allerdings in der italienischen Toskana beheimatet. Seine Weinsorten benennt er gerne nach seinen größten Hits. Wie sieht es damit diesmal aus? "Ich bin mir nicht sicher, ob 'Stolen Car' so ein passender Name für einen Wein wäre. Aber Mylène wäre ganz sicher ein toller Name dafür. Doch ich glaube, da würde meine Frau dann doch ein Veto einlegen."

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Quelle: n-tv.de

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