Musik

Beatsteaks bringen Cover-EP raus "Wenn es wieder losgeht, dann sind wir da"

Beatsteaks_Pressefoto_Credit_Erik_Weiss.jpg

Das Beatsteaks-Musikjahr 2020 in einem Foto zusammengefasst: Im Stadion auf der Wiese stehen statt im Stadion auf der Bühne zu spielen. Arnim ist der mit dem Hut (2.v.r.)

(Foto: Erik Weiss)

Kurz vor Weihnachten veröffentlichen die Beatsteaks mit "In The Presence Of" eine Cover-EP, die es ohne Corona so wohl nicht gegeben hätte. Mit ntv.de spricht Frontmann Arnim Teutoburg-Weiß über ein eher trostloses Jubiläumsjahr, musikalische Überlebensstrategien und seine Hoffnungen für 2021.

Die Beatsteaks hat Corona zu einem wirklich unglücklichen Datum erwischt. Eigentlich wollte die Band einige Konzerte in kleinen Locations in ihrer Heimatstadt Berlin spielen, um ihren Fans so für 25 Jahre Treue zu danken. Schließlich müssen die längst Orte wie die Waldbühne aufsuchen, um ihre Lieblingsband live zu sehen. Doch aus dem Vorhaben wurde natürlich nichts.

Die Ungunst der konzertlosen Stunden genutzt, haben sich die Beatsteaks sechs Songs vorgenommen und neu aufgelegt. Alle Originale werden von Frauen gesungen, wobei die Auswahl abwechslungsreicher nicht sein könnte. Eine erste Single gab es im November mit Ideals NDW-Klassiker "Monotonie", gefolgt von Portisheads fantastischem "Glory Box" aus dem Jahr 1994 und Hildegard Knefs Abgesang "Von nun an ging's bergab". Außerdem gibt es auf "In The Presence Of" noch Interpretationen von "You Don't Own Me" von Leslie Gore von 1963 und von "Shitlist", einem Song der 1990er-Grunge-Göttinnen L7.

Arnim Teutoburg-Weiß ist Sänger und Frontmann der Beatsteaks, die sonst noch aus Torsten Scholz am Bass, Peter Baumann an Gitarre und Keyboards, Gitarrist Bernd Kurtzke sowie Schlagzeuger Thomas Götz besteht. Mit Teutoburg-Weiß hat ntv.de darüber gesprochen, wie es ist, wie man als Band und als Mensch mit der Jubiläums-Enttäuschung am besten umgeht, wie lange es noch so weitergehen kann und ob das Ganze - neben der EP - auch irgendwas Gutes hat.

ntv.de: Hallo Arnim, wie einig wart ihr euch bei der Auswahl der sechs Songs für die EP?

Arnim Teutoburg-Weiß: Als die Idee geboren war, dass es Songs von Frauen sein sollten - denn ein Thema wollten wir schon dafür haben -, bin ich mit Thomas (Götz) und Moses Schneider (Produzent der Beatsteaks - Anm.d.Red.) einfach durch meine Playlist gegangen, die ziemlich lang ist. Wir haben dann Songs ausgewählt und sind mit der fertigen Idee zum Rest der Band. Auch schon mit der Reihenfolge. Wir haben dann versucht, die Stücke zu spielen - zwei Wochen im Proberaum. Dann vier Tage Aufnahme in den Hansa Studios.

Gab es weitere Songs, die du gern gemacht hättest, aber nicht bei den anderen durchsetzen konntest?

Ich wollte unbedingt Kylie Minogue und Missy Elliott covern, oder einen Eryka-Badu-Song. Wir haben dann aber einfach Nummern ausgesucht, die ich auch gut singen kann. (lacht)

Ist deswegen Whitney Houston nicht dabei?

(lacht) Richtig. Aber "Especially For You" von Kylie hätte ich im Duett so als Powerballade noch ganz gut gefunden. Thomas schlug zu Anfang noch "La Isla Bonita" von Madonna vor. Aber der Geschmack der Band und der von Moses haben das Ergebnis geformt.

Kann man sagen, dass die Idee aus der Not geboren wurde, eben weil ihr eure Jubiläumsfeierei nicht wie geplant durchziehen konntet?

Als im Sommer klar war, dass das noch eine längere Zeit dauern wird, wollten wir uns irgendwie melden. Wir wollten mal kurz winken und mitteilen, dass wir noch nicht tot sind und noch was machen wollen. Aber jetzt etwas Eigenes rausbringen und es nicht betouren zu können, finde ich nicht so geil. Wir wollten schon immer mal wieder eine Cover-Geschichte machen. Das ist ja auch ganz geil: Die Songs sind schon geschrieben, jeder kann zu Hause sein Ding checken, und man kommt im Proberaum wieder zusammen. Es geht dann mal nicht darum, ob der Chorus so gut ist, denn das ist er. Es geht nur noch darum, wie wir ihn spielen. Es war eine total tolle Gelegenheit, mit den Jungs zusammenzukommen und endlich mal ins Hansa Studio zu gehen, um dort live aufzunehmen. Da war es mir manchmal fast egal, was wir aufnehmen. Ich war nur glücklich, dass wir zusammen sind.

Hat es Corona vereinfacht, einen Slot in den legendären Studios zu bekommen, in denen schon David Bowie, Iggy Pop, Nick Cave und viele weitere internationale Größen ihre Platten aufnahmen?

Das ist tatsächlich noch ein ziemlich gut gebuchtes Studio und nicht nur ein Museum. Aber Moses hat da einen sehr guten Draht hin und hat für uns schnell ein kleines Fenster freibekommen.

Ist euch jeder der sechs Songs gleich gut von der Hand gegangen oder gab es besondere Herausforderungen?

Wir haben alles im Proberaum gespielt und Moses war immer schon dabei. So haben wir alle Fragen dort schon geklärt. Als wir im Studio waren, gab es dann keine mehr. Wie das immer so ist bei uns: Wir müssen es uns zusammen in einem Raum erspielen. Wir sind nicht so gut darin, einzeln vor uns hinzuarbeiten.

Also Glück gehabt, dass es zwischen den Lockdowns genug Zeit gab, um in den Proberaum und ins Studio zu gehen?!

Im September saßen wir in den Pausen oft da und waren froh, dass wir das gerade machen, weil doch irgendwie schon klar war, dass sowieso nochmal alles zugemacht wird. Und dann haben wir was, womit wir die Leute unterhalten können. Denn wenn es uns unterhält, ist die Chance groß, dass es andere auch gut finden.

Also immer gut, etwas zu tun, hinter dem man selbst steht und von dem man überzeugt ist?!

Ach, in 25 Jahren ist mir das auch schon anders passiert. Wo man rausgekommen ist mit etwas, von dem man nicht wusste, ob das wirklich geil ist, und das dann auch alle anderen scheiße fanden. (lacht) Geil ist aber, wenn man selbst etwas fein ist, dann können die Leute es finden, wie sie wollen ...

Ihr hattet für den Sommer kleine Locations angepeilt. Was haben eure Fans - und auch ihr natürlich - da nun wirklich verpasst? Und plant ihr, das nachzuholen?

Es wäre eine kleine Berlin-Tour passiert, alles durch Läden, in denen wir in den letzten 25 Jahren immer mal wieder gespielt haben. Gerade am Anfang auch. Dazu kam es ja nun leider nicht. Es gab auch noch Pläne für zwei große Festivals und eine größere Berlin-Tour. Aber ich sage es mal so: Wir sitzen mit unserem Booker einmal im Monat zusammen, gucken auf das nächste Jahr, hoffen und halten uns bereit. Es gibt es eine Verabredung in der Band: Egal, was passiert und was jeder so zu tun hat, wenn es wieder losgeht, dann sind wir da.

Würdet ihr auch Konzerte mit einem strengen Hygienekonzept spielen, wenn nur das 2021 möglich wäre?

Kann ich mir im Moment nicht vorstellen, dass wir das machen. All das, wofür wir stehen - man sagt ja, dass wir eine ganz gute Live-Band sind - das liegt natürlich nur daran, dass die Leute bei uns so toben können. Und wenn die nicht toben können, dann fehlt die Hälfte. Dann kann ich gleich im Proberaum bleiben. Es geht bei uns nicht um die schön gesungene Ballade. Wir sind die letzten, die wieder arbeiten können, aber wir werden dann sowas von auftrumpfen - das verspreche ich.

Auch wenn wir es nicht hoffen, aber wenn es 2021 noch schwierig ist - wie lange könnt ihr ohne Einkünfte durchhalten?

Es gibt die schlaflosen Nächte, aber ich bin mir sicher, wir werden es überleben. Wir haben den Spruch innerhalb der Band "Die Familie muss Sieger sein", und das wird auch hier passieren. Wir werden da irgendwie durchkommen.

Glaubst du, dass in diesem Jahr so etwas wie Besinnlichkeit aufkommt zu Weihnachten?

Ich kann noch nicht an Weihnachten denken. Das habe ich schon vor Corona nicht gemacht. (lacht) Es ist alles so unsicher, was wie wo werden wird. Ich denke nur noch eine Woche weit. Anders mache ich mich nur verrückt. Ich höre viel Musik, ich mache viel Musik. Es gibt Zoom-Meetings, mit Leuten, die Musik machen oder mit denen man sich austauscht. Ich habe das große Glück, gerade nicht einsam zu sein. Ich denke oft an die Leute, die alleine sind. Für die versuche ich da zu sein und mich bei ihnen zu melden.

Vor allem im ersten Lockdown haben viele Bands kostenlos kleine Konzerte gestreamt. Habt ihr sowas für den Fall der Fälle auch in petto - möglicherweise gegen Geld, denn das gibt es inzwischen ja immer häufiger?

Kann sein. Wird sicherlich nächsten Sommer auf den Tisch kommen. Ob wir das machen oder nicht machen wollen, da habe ich noch keine Meinung zu.

Wie auch eigentlich, wenn du nur eine Woche im Voraus denkst?

(lacht) Eben. Aber ich muss mir immer was vornehmen. Nichts tun ist gar nicht gut. Ich muss immer in Bewegung bleiben. Ich weiß, dass ich heute nicht zum Musikmachen komme, dann nehme ich mir vor, wenigstens irgendein Lied auf der Gitarre zu lernen, das ich bewundere.

Was steht heute auf der Liste?

Pearl Jam. Weiß nicht, wie er heißt, aber ich kann die Akkorde schon. (spielt)

"Elderly Woman Behind The Counter In A Small Town". Also der Pearl-Jam-Song mit dem griffigsten Titel überhaupt.

Das wollte ich schon immer mal lernen.

Wäre es denkbar, dass es "nach Corona" auch ein neues Beatsteaks-Abum gibt, mit dem ihr auf Tour geht? Oder holt ihr dann erstmal die Jubiläumskonzerte nach?

Da gibt es mehrere Ideen, und wir müssen uns noch finden, wie wir das jetzt machen. Da weiß ich gerade gar nicht so genau die Meinung von den anderen. Jetzt war erst mal die EP angesagt. Ich glaube aber schon - jetzt muss ich doch weit in die Zukunft denken - wenn wir dann zurückkommen, wäre es schon geil, einen neuen Song am Start zu haben. Oder ein neues Album. Aber sowas schreibt sich nicht von selbst, und daher müssen wir gucken, wie gearbeitet wird.

Zumal thematisch gerade auch nicht aus dem Vollen geschöpft werden kann, möchte man Corona nicht zum Thema machen.

Da gibt es auf jeden Fall die erste Welle an Veröffentlichungen, die nach Corona kommt, das werden eine Menge Quatsch-Platten sein. Furchtbar. Ich will mir doch kein Gejaule und keine Midlife-Crisis-Platten anhören. Aber ich bin trotzdem immer mit den Leuten, die was machen. Die müssen sich dann viel anhören. "Das ist geil" oder "Was ist das für ein Scheiß?", und das sagen meist Leute, die nichts machen. (lacht)

Welche Wünsche und Hoffnungen hast für 2021?

Ich hoffe, dass die Band Zeit miteinander verbringt und was arbeitet. Und ich wünsche mir, dass die Leute um mich herum gesund bleiben und es schnell eine Lösung dafür gibt, dass die Nächte wieder in die Städte zurückkommen. Dass man ausgehen und tanzen kann, dass die Bars wieder öffnen. Es liegen so viele Leute brach gerade. Das tut im Herzen weh, und ich hoffe, dass gerade die, die einen ganz wichtigen Job tun auf der Welt - nämlich die Leute nach ihrem normalen Job zu unterhalten oder ihnen einen Platz zu bieten - dass es für die so schnell wie möglich wieder losgeht. Es gibt keinen schlimmeren Zustand als den gerade.

Mit Arnim Teutoburg-Weiß von den Beatsteaks sprach Nicole Ankelmann

Die EP "In The Presence Of" ist ab dem 11. Dezember erhältlich.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.