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Letzter "Tatort" mit Stellbrink Abschied unter Tränen

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Sein letzter "Tatort": Kriminalhauptkommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow) mit Polizeikollegen bei der Fahndungsabsprache.

(Foto: Manuela Meyer/SR/dpa)

In Saarbrücken nähert sich die Dienstzeit von Jens Stellbrink ihrem Ende. Zum Ausstand geht es um den Mord an einer Schwesternschülerin. "Der Pakt" bietet konventionelles Täterrätsel mit aktueller Note - solides Ende eines sechsjährigen Missverständnisses.

Vielleicht hat es einfach nicht sein sollen. Vielleicht war die Personalie Stellbrink von vornherein zum Scheitern verurteilt, was mit Blick auf die Fähigkeiten des Mannes, der sich sechs Jahre lang daran versuchte, dem Kommissar ein nachvollziehbares, in Teilen widersprüchliches, dennoch unterhaltsames Wesen zu geben, äußerst schade ist. Dass Devid Striesow sich nicht ausreichend reingekniet hätte, kann man ihm nicht vorwerfen. Mal kauzig und verschroben, dann seriös mit väterlicher Note, später auch cholerisch und von Zynismus umweht, ließ Striesow seinen Stellbrink rüberkommen. Alles vergebens.

Vielleicht liegt jedoch genau hier das Problem: 2013 war Striesow/Stellbrink auf einem roten Roller in sein Revier geknattert und führte sich als eigenwilliger Hoppla-jetzt-komm-ich-Kommissar ein, wie ein Kauz vom Dorf, der sich aus einem Film von Detlev Buck in die Stadt verirrt hatte. Rund war das nicht, glaubwürdig noch weniger, die Kritiken entsprechend durchwachsen. Statt jedoch zwei, drei Fälle zur Konsolidierung Stellbrinks und seiner Macken durchzuhalten, drehten die Autoren in der Folgezeit hektisch an den Stellschrauben, mit dem Ergebnis, dass hier erst recht wenig in die Spur geriet.

Verzicht auf Schnickschnack

So endet denn nun die Kommissars-Karriere im Ersten, einmal noch geht es auf Tätersuche, dann war es das. Dabei wird im achten und letzten Fall dankenswerterweise auf Schnickschnack verzichtet, sieht man mal von den Avancen einer Krankenschwester ab, denen Stellbrink ausgesetzt ist. Der Fall dreht sich um den Mord an der Schwesternschülerin Vanessa, die nach einer Party im Ausbildungszentrum der angehenden Pflegekräfte ermordet aufgefunden wird. Einen Verdächtigen gibt es auch sofort, der ebenso attraktive wie arrogante Assistenzarzt Dr. Sharifi (Jaschar Sarabtchian) hatte die Nacht beziehungsweise Stunden davon mit ihr verbracht. Die Kratzer auf seinem Rücken zeugen vom leidenschaftlichen Hergang dieser Zusammenkunft.

Aber der Kreis der möglichen Involvierten vergrößert sich rasch: Da ist Schwesternschülerin Anika (Lucie Hollmann), in deren Zimmer der Mord begangen wurde und die Vanessa zum Verwechseln ähnlich sieht. Ein besonders gestörtes Verhältnis hatte Vanessa, das ergeben die Befragungen unter den Schwesternschülerinnen, zur Ärztin Dr. Bindra (Franziska Schubert), die sich in einer provisorischen Praxis um kranke Flüchtlinge kümmert. Unter ihnen ist auch Kamal (El Mehdi Meskar), der mit Anika befreundet ist und ein besonders dunkles Geheimnis verbirgt.

Nach "Weihnachtsgeld", "Totenstille" und "Söhne und Väter" führt Zoltan Spirandelli zum vierten Mal beim Saarbrücker "Tatort" Regie, wiederum merkt man seinem Stil den Schwerpunkt auf solides Entertainment an - kaum Marotten, wenig Betriebslärm, stattdessen volle Konzentration auf die Story. Hier wiederum meint es Spirandelli, der zusammen mit Michael Vershinin auch das Drehbuch geschrieben hat, fast etwas zu gut in Sachen Schlagwort-Verdichtung. Flüchtlingsproblematik, Glaubensfragen, Alltagsrassismus, Doppelleben, Schuld und Sühne. All das gerät zum an dieser Stelle nicht selten bekrittelten Stichwort-Bingo, bei dem Spannung und Glaubwürdigkeit gern mal auf der Strecke bleiben. So bleibt auch zum Abschied Stellbrinks jenes Gefühl, das in seinen Dienstjahren überwog: Eigentlich hätte es ganz nett werden können mit dem kauzigen Kriminalen, aber irgendwie hat es nicht sein sollen. Schade eigentlich.

Bis zur Verkündung der Nachfolge durch den Saarländischen Rundfunk dauert es noch etwas. "Wir werden die Zeit bis 2020 nutzen, um in Ruhe an einem neuen inhaltlichen und personellen Konzept für einen künftigen Tatort aus dem Saarland zu arbeiten", hatte SR-Programmdirektor Lutz Semmelrogge nach dem Bekanntwerden von Striesows Ausstiegsplänen verkündet. Sicher keine schlechte Entscheidung.

Quelle: n-tv.de