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Der Schnellcheck zum "Tatort" Alles Ehrensache

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Sofia Modica (Emma Preisendanz) kann noch immer nicht verstehen, was passiert ist.

(Foto: BR/WDR/X Filme Creative Pool Gmb)

Mit dem zweiten Teil der Doppel-Episode beschließt die ARD ihre Feierlichkeiten anlässlich des 50-jährigen "Tatort"-Jubiläums. Anderes Setting, andere Stadt, andere Regie, der Nervenkitzel ist derselbe - "In der Familie" bietet hochatmosphärische Krimi-Unterhaltung.

Was passiert?

Ein halbes Jahr nach den dramatischen Ereignissen in der Dortmunder Pizzeria ihrer Eltern, ist Sofia Modica (Emma Preisendanz) mit ihrem Vater Luca (Beniamino Brogi) auf der Flucht. Zusammen mit dem skrupellosen Pippo (Emiliano de Martino) hausen die beiden in einer heruntergekommenen Wohnung, irgendwo in einem Münchner Hochhaus-Getto. Luca hält die Version aufrecht, Juliane (Antje Traue), habe sich abgesetzt, Sofia ahnt nichts vom Schicksal ihrer Mutter - und dass es ihr eigener Vater ist, der sie auf dem Gewissen hat.

Wohl und Wehe der beiden liegt mittlerweile in den Händen des mafiösen Bauunternehmers Domenico Palladio (Paolo Sassanelli), einem hochrangigen Mitglied der 'Ndrangheta. Palladio betreibt Geldwäsche in den Kreisen der Münchner Bauwirtschaft, Pippo und Luca agieren als seine Handlanger, insbesondere wenn es darum geht, kooperationsunwillige Geschäftsleute gefügig zu machen. Doch eine dieser Aktion geht vollends schief. Die Hauptkommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) nehmen schließlich die Ermittlungen auf und müssen bald feststellen, dass die am Tatort gefundene DNA auf einen alten Bekannten verweist. Und dann läuft auch noch Kripo-Kollege Peter Faber (Jörg Hartmann) an der Isar auf.

Worum geht es wirklich?

Natürlich um die Vollendung der 180-Minuten-Episode "In der Familie" zum 50. Geburtstag des "Tatort". Nachdem Dominik Graf beim ersten Teil Regie geführt hatte, ist diesmal Pia Strietmann für die Inszenierung zuständig, die bereits Anfang 2020 für "Tatort - Unklare Lage" aus München verantwortlich zeichnete. Ging es bei dem damaligen Fall um einen möglichen Terrorakt vornehmlich temporeich zu, setzt Strietmann diesmal, ganz im Dienste der Geschichte, auf einen überaus effektiven Mix aus stimmungsvollem Naturpanorama und Kammerspiel in beklemmender Umgebung. Die Qualität liegt zudem in der ebenso selbstbewussten wie fordernden Erzählweise - kein "Was bisher geschah", keine Flashbacks oder Erklärdialoge, stattdessen eine Fortsetzung, die sich neu sortiert und aufstellt, gerade daraus jedoch ihren Reiz, ihre hochnervöse Spannung bezieht.

Wegzapp-Moment?

Wie schon im ersten Teil, gilt auch hier: Dranbleiben ist die Devise. Durchweg intensiv inszeniert und alle potenziellen Fußangeln umgehend, gönnt Pia Strietmann der komplexen Dramaturgie keinen Durchhänger. Selbst die leise ironischen Wiedergänger - Batics BVB-Becher und Fabers Kuchen-Scherz - fügen sich passgenau ein.

Wow-Faktor?

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Claudia Palladio, die Ehefrau des Mafiabosses, versucht das Vertrauen von Sofia Modica zu gewinnen.

(Foto: BR/WDR/X Filme Creative Pool Gmb)

Zunächst einmal spielt Emma Preisendanz atemnehmend toll. Ihr Balance-Akt zwischen der seelisch fragilen Tochter, die ihre Mutter vermisst, und jener Amazone mit dem so ausgeprägten Überlebenswillen, die versucht, zwischen der 'Ndrangheta mit ihren brutalen Chefs, den Handlangern und ihrem haltlosen Vater durchzukommen, ist ein Genuss für sich. Darüber hinaus legt der zweite Teil von "In der Familie"gegenüber dem Auftakt in puncto Atmosphäre und Spannung sogar noch ein Stück zu.

Wie war's?

10 von 10 Punkten - auch in der Fortsetzung ganz, ganz großes Kino, das dem feierlichen Anlass, dem 50-jährigen Jubiläum, durchweg gerecht wird.

Quelle: ntv.de