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Der letzte Lude Der BKA-"Tatort" im Schnellcheck

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Eisen-Lübke (Michael Thomas) und der junge Matei (Bogdan Iancu) werden unerwartet zum Team.

(Foto: NDR/Christine Schroeder)

Von der "sündigsten Meile der Welt" zum Place to be für Horden kotzender Junggesellenabschiede: Der Kiez ist auch nicht mehr das, was er mal war. Ob die Zeiten aber jemals so golden waren, wie oft behauptet wird, daran rüttelt dieser "Tatort".

Das Szenario

Der Besitzer eines großen Laufhauses auf der Hamburger Reeperbahn wird vor seiner Wohnungstür brutal erstochen. Der Mörder ist der gerade mal 13 oder 14 Jahre alte Rumäne Matei (Bogdan Iancu), der am Tatort so viele Spuren hinterlässt, dass nicht nur die Polizei nach kürzester Zeit weiß, nach wem sie Ausschau halten muss. Auch Eisen-Lübke (Michael Thomas), Ex-Zuhälter und rechte Hand des Vaters des ermordeten Bordellbesitzers, ist dem Jungen auf der Spur und schwört Rache. Die abgehalfterte Kiezgröße schnappt sich den verängstigten Jungen vor der Polizei und will den kleinen Mörder standesgemäß exekutieren, bringt es dann aber doch nicht übers Herz. Lübke vermutet, dass ein konkurrierender albanischer Zuhälter-Clan hinter dem Auftragsmord steckt - und bildet mit Matei ein ungleiches Team, um die Hintermänner zu erwischen.

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Hat eine Vergangenheit als Türsteher auf dem Kiez: Kommissar Falke (Wotan Wilke Möhring).

(Foto: NDR/Sandra Hoever)

Währenddessen ermitteln die BKA-Kommissare Falke (Wotan Wilke Möhring) und Grosz (Franziska Weisz) unter völlig unterschiedlichen Vorzeichen auf St. Pauli. Während Falke, der vor 30 Jahren unter Eisen-Lübke als Türsteher auf der Reeperbahn arbeitete, immer noch eine gewisse Ehrfurcht vor der Kiez-Romantik hat, sieht Grosz die "sündigste Meile der Welt" ganz nüchtern als Verbrechensschwerpunkt - eine spannende Kombination.

Die eigentliche Botschaft

"Die goldene Zeit", wie der Titel des Krimis lautet, war wohl nie so golden, wie die legendären Kiezgrößen der 70er und 80er sie gerne beschreiben. Die Regeln mögen andere gewesen sein, die in der Öffentlichkeit sichtbaren Methoden nicht ganz so brutal wie bei den albanischen Clans, die ihnen nachfolgten - aber dieser "Tatort" macht eines klar: Für eine misshandelte Sexarbeiterin macht es am Ende des Tages keinen Unterschied, welche Nationalität im Pass ihres Zuhälters steht.

Darüber wird in der Mittagspause geredet

Gegen Ende des Films wollen die Ermittler eine rumänische Prostituierte befragen, bekommen aber kein Wort aus der völlig verstörten Frau heraus. Falke entdeckt einen mit Lippenstift beschmierten Föhn: "Sie haben ihr damit die Atemwege verbrüht." Immer wieder eine gruselige Vorstellung, wie kreativ Menschen werden können, wenn es um Foltermethoden geht.

Der Plausibilitätsfaktor

Generell hoch: Drehbuchautor Georg Lippert und Regisseurin Mia Spengler zeichnen ein realistisches Bild der heutigen Reeperbahn, irgendwo zwischen Junggesellenabschieden, Folklore und unerfüllten Sehnsüchten. Leider wirkt die Beziehung zwischen Eisen-Lübke und dem rumänischen Jungen streckenweise aufgesetzt, was am Gesamteindruck kratzt.

Die Bewertung

7,5 von 10 Punkten. "Die goldene Zeit" ist ein in weiten Teilen gelungenes Reeperbahn-Porträt, das an manchen Stellen die selbstgesteckten Erwartungen nicht ganz erfüllen kann.

Quelle: ntv.de