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"Gefangen" mit Ballauf & Schenk Der Kölner "Tatort" im Schnellcheck

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Ihr neuester Fall führte sie in die Psychiatrie: Freddy Schenk (Dietmar Bär, l.) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt).

(Foto: WDR / Thomas Kost)

Als der Chefarzt einer psychiatrischen Klinik ermordet wird, sieht sich Max Ballauf nicht nur mit dem Fall, sondern auch mit den Gespenstern seiner Vergangenheit konfrontiert. Seinen Kollegen Schenk schockt er mit einem Geständnis: "Ich glaub', ich werde verrückt!"

Das Szenario

Eigentlich möchte Professor Krüger (Thomas Fehlen) den Feierabend in seiner geschmackvoll eingerichteten Villa so verbringen, wie er es am liebsten tut. Kopfhörer aufsetzen, ein schönes Stück Klassik auf den Plattenspieler und dann hobbymäßig dirigieren, als hätte es Karajan nie gegeben. Doch plötzlich schaut er in den Lauf einer Pistole, kurz darauf liegt er mausetot auf dem guten Parkett. Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) führen die Ermittlungen in die Klinik des Ermordeten, auf eine geschlossene Station der Psychiatrie. Hier steht bald Julia Frey (Frida-Lovisa Hamann), eine junge Patientin, im Fokus der Kommissare.

Kurz vor seinem Tod hatte Krüger eine SMS an seinen Anwalt Florian Weiss (Andreas Döhler) geschickt - der wiederum ist mit Julias Schwester verheiratet. Als wäre der Fall nicht schon verzwickt genug, hat Ballauf auch noch einen Kampf mit der Vergangenheit auszutragen. Kollegin Melanie Sommer (Anna Brüggemann), die durch Ballaufs Kugel ihr Leben lassen musste, taucht als geisterhaftes Phantom wieder auf und peinigt das Gewissen des mental durchhängenden Kommissars.

Die eigentliche Botschaft

Wasser findet seinen Weg, so lautet ein geflügeltes Wort unter Klempnern. So ähnlich muss man es wohl auch bei psychischen Problemen sehen, die die Seele zermartern. Da kann man noch so arg verdrängen oder sich störrisch der Polizeipsychologin Lydia Rosenberg (Juliane Köhler) verweigern, am Ende bricht sich die Altlast so lange Bahn, bis man ihr erhobenen Hauptes entgegentritt.

Darüber wird in der Mittagspause geredet

Vielleicht über Volker Bertelmanns superben Soundtrack - und über sein künstlerisches Alter Ego. Seinen Fans ist der Komponist und Musiker vornehmlich unter dem Pseudonym Hauschka bekannt. Zuletzt hatte er für den Soundtrack von "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" verantwortlich gezeichnet.

Der Plausibilitätsfaktor

Da muss man schon anderthalb Augen zudrücken. So nachfühlbar Ballaufs ganz persönlicher Psycho-Parcours auch ausgemalt ist, die Staffage in der Psychiatrischen Klinik sieht aus, als hätte Regisseurin Isa Prahl einmal zu viel "Einer flog übers Kuckucksnest" geschaut. Auch merkwürdig, wie Maren Koch (Adina Vetter) schon im ersten Gespräch das Patientengeheimnis übergeht, Ballauf ungefragt durch die geschlossene Abteilung flanieren kann und Julia Frey schließlich nach Ferndiagnose und ohne einziges Treffen mit der sachverständigen Psychologin entlassen wird.

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Die Bewertung

7,5 von 10 Punkten. Stimmungsvolles Psychosen-Kino, an dessen Ende sogar der traurige Ballauf wieder lächeln kann.

Quelle: ntv.de