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"Für immer und dich" Der Schwarzwald-"Tatort" im Schnellcheck

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Eine Liebe, die nicht sein darf: Emily ist seit Monaten mit dem älteren Martin unterwegs.

(Foto: SWR/Benoit Linder)

Zunächst sieht alles wie im Road Movie aus: Sie raucht, er trägt eine coole Sonnenbrille, zusammen fahren sie dem Sonnenuntergang entgegen. Doch der Schein trügt: Emily ist von zu Hause weggelaufen. Und Martin hat einen Mann auf dem Gewissen.

Das Szenario

Wer weiß, wie lang das alles noch weitergegangen wäre, hätte Martin Nussbaum (Andreas Lust) den jungen Mann nicht auf frischer Tat dabei ertappt, wie dieser seinen Wagen knackt. Kurze Zeit später ist der Dieb tot. Nach einer nächtlichen Verfolgungsfahrt hatte Nussbaum ihn mit seinem Auto von der Straße gedrängt, mitsamt seinem Motorroller war der Mann einen Abhang hinuntergestürzt und in der Felswand seinen Verletzungen erlegen.

Es ist nicht das einzige Problem, das Nussbaum die Luft abschnürt. Seit Monaten ist er auf der Flucht, an seiner Seite die 15-jährige Emily Arnold (Meira Durand). Zwei Jahre zuvor war sie von zu Hause ausgerissen, seit Monaten ist sie nun mit Nussbaum on the road, die beiden einander zugetan in einer an Nabokovs "Lolita" erinnernden, ungleichen Liebe. Während die Schlinge sich für die beiden zuzieht und der Versuch, von Mutter Nussbaum eine größere Geldsumme zu schnorren, schiefgeht, mühen sich Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) zunächst unabhängig voneinander durch die Ermittlungen - bis sie feststellen müssen, dass der Todesfall des jungen Motorroller-Fahrers und die Suche nach dem vermissten Mädchen unmittelbar zusammenhängen.

Die eigentliche Botschaft

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Die Kommissare Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) merken erst im Verlauf des Krimis, dass sie in ein und demselben Fall ermitteln.

(Foto: picture alliance/dpa)

Natürlich wohnt auch diesem "Tatort" einiges an Botschaften inne. Zuvorderst die Hoffnungslosigkeit dieser gefährlichen Liaison zwischen den ungleichen Liebenden. Er ein Loser, der von unbedarft zu skrupellos mutiert, sie der Teenager, einerseits im Schmelztiegel der Pubertät aufglühend, gleichzeitig aber doch nur auf der Suche nach einer Umarmung und einem Zuhause. So ganz traut sich dieser "Tatort" dann doch nicht, das Ganze für sich wirken zu lassen und muss noch einen dieser typischen Erklärdialoge einfügen. Dabei hätte es dessen gar nicht gebraucht, die Story in ihrer fließenden Inszenierung funktioniert auch so, gerade weil sie ihre Botschaft an anderen Stellen nicht so dick unterstreicht.

Darüber wird in der Mittagspause geredet

Möglicherweise über Meira Durand ("Hier kommt Lola"), die in der Rolle der Emily einen unglaublichen Facettenreichtum an den Tag legt. Und über den ebenso hochemotionalen Story-Strang, in dem sich Franziska Tobler zunächst über einen positiven Schwangerschaftstest freut, am Ende das Kind verliert und in einer sehr intensiven Szene wortlosen Trost beim sonst so bärbeißigen Kollegen Berg findet.

Der Plausibilitätsfaktor

Durchaus hoch. Fälle, in denen ältere Männer mit minderjährigen Mädchen durchbrannten, gab es in den letzten Jahren immer wieder mal. Für Schlagzeilen sorgte 2015 die Geschichte der damals 14-jährigen Josephine aus Brandenburg, die mit ihrem 33 Jahre älteren, verheirateten Onkel in ganz Europa unterwegs war, bis die beiden nach über einem Monat schließlich in Südfrankreich gefasst wurden.

Die Bewertung

9 von 10 Punkten. Kein "Tatort" im üblichen Sinne, vielmehr ein intensives Krimidrama, das berührt und nach dem Abspann noch lange in den Gedanken weiterglimmt.

Quelle: n-tv.de

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