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Luise Befort fürs Klima "Die Jugend muss Dinge hinterfragen"

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Luise Befort spielt in der Serie "Wir sind die Welle" eine der Hauptrollen.

(Foto: Netflix / Bernd Spauke)

Luise Befort ist eine der gefragtesten jungen Schauspielerinnen des Landes. Mit der Vox-Serie "Der Club der roten Bänder" wurde sie deutschlandweit bekannt, derzeit ist sie an der Seite von Jannik Schümann im Kinofilm "Dem Horizont so nah" zu sehen. Eine neue Netflix-Serie dürfte der Karriere der 24-Jährigen noch einmal einen ordentlichen Schub versetzen. In "Wir sind die Welle" spielt Befort Lea, das Mädchen aus gutem Hause, das mit dem Linksaktivismus flirtet und sich vielleicht, vielleicht aber auch nicht gehörig verrennt. Die Serien-Rolle ist Befort gar nicht mal so fremd. Auch sie engagiert sich politisch vor allem für Tier- und Umweltschutz. Im Interview mit n-tv.de schwärmt sie von Dokumentarfilmen wie "Cowspiracy" und ruft zum friedlichen Widerstand auf.

n-tv.de: Ihnen werden sicher viele Rollen angeboten. Wieso wollten Sie ausgerechnet bei "Wir sind die Welle" mitspielen?

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Luise Befort: Die Serie spiegelt die Zeit wider, in der wir leben. Viele Themen werden behandelt, wie zum Beispiel Umweltverschmutzung, Rassismus, Sexismus, Tierausbeutung oder Waffenhandel, um nur einige zu nennen. Es ist wichtig, darüber zu sprechen und Menschen dafür zu sensibilisieren. Als Zuschauer ist man immer wieder eingeladen, sich zu fragen: "Was ist eigentlich meine Meinung dazu?" Das finde ich bemerkenswert. Es ist wichtig für jeden Einzelnen, sich eine eigene Meinung zu bilden und sich für eine Veränderung einzusetzen.

Die Serie basiert lose auf dem bekannten Roman "Die Welle" von Morton Rhue. Die Handlung ist dabei eine völlig andere. Was verbindet beide Geschichten?

Beide Geschichten zeigen, wie schnell sich eine Gruppendynamik entwickeln kann und wie schwer es auch sein kann, da wieder rauszukommen. Es ist wichtig, immer wieder zu hinterfragen: Kann ich das, was ich gerade tue, noch mit meinen Werten vereinbaren?

Wie kann man sich davor schützen, sich von Gruppendynamik einfach mitreißen zu lassen?

Austausch mit der Familie oder anderen Vertrauten kann helfen, sich wieder bewusst zu machen, wohinter man steht und wohinter eben nicht. Man sollte sich richtig informieren und nicht nur einer Quelle vertrauen, viel Verschiedenes lesen, unterschiedliche Kanäle nutzen.

Im Moment fangen viele Menschen an, sich politisch zu engagieren. Sie machen sich öffentlich für nachhaltige Klimapolitik stark. Was hat Sie für das Thema sensibilisiert?

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Luise Befort lebt vegan und engagiert sich für Klimaschutz.

(Foto: imago images/Future Image)

Ich ernähre mich seit fast drei Jahren vegan. Zunächst habe ich das aus moralischen Gründen gemacht, inzwischen geht es mir dabei auch um Klimaschutz. Je mehr ich mich mit dem Thema auseinandergesetzt habe, desto mehr habe ich das auch auf andere Lebensbereiche übertragen - Diskussionen mit anderen und Dokumentationen wie zum Beispiel "Dominion" oder "Cowspiracy" haben mich darin noch mehr bestärkt. Es ist doch krass, was für ein Tabuthema Massentierhaltung in unserer Gesellschaft noch ist. Dabei wäre es so wichtig, sich bewusst zu machen, wie ausschlaggebend Massentierhaltung auch für die CO2-Emissionen ist.

Haben Sie durch Ihre Arbeit an der Serie etwas darüber gelernt, wie politischer Widerstand gelingen kann?

Von jeder Rolle, die ich annehme, kann ich etwas mitnehmen. Ich habe mich durch dieses Projekt nochmal ganz anders mit politischem Engagement auseinandergesetzt. Wichtig ist es auf alle Fälle, sich darüber zu informieren, was in der Welt passiert und Fragen zu stellen: Wie und wo werden zum Beispiel die Produkte hergestellt, die wir konsumieren? Die Serie gibt keine Antworten auf politische Fragen. Sie wirft aber wichtige Fragen auf und zeigt, dass wir gemeinsam überlegen müssen, was wir verbessern können. Es ist wichtig, eine Haltung zu haben und die zu kommunizieren - auch gegenüber den Politikern. Wir dürfen nicht wegschauen!

Darf man oder muss man vielleicht sogar Regeln brechen, um bestimmte politische Ziele durchzusetzen?

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In "Wir sind die Welle" loten Jugendliche die Grenzen politischen Widerstands aus.

(Foto: Netflix / Bernd Spauke)

Ja. Nur weil über viele Generationen hinweg bestimmte Regeln gegolten haben, heißt das nicht, dass sie auch gut und richtig sind. In manchen Fällen ist es durchaus notwendig, alte Regeln zu brechen, um eine Veränderung und ein Umdenken in Gang zu bringen. Jedoch immer unter der Bedingung, dass man gewaltfrei und mit Liebe handelt. Wir sollten achtsamer mit unseren Mitmenschen sein.

Klar, kein Kunstwerk stiftet per se zu Sachbeschädigung an. Haben Sie sich trotzdem mal gefragt, ob junge Fans der Serie bald losziehen, Plakate besprühen oder an irgendeiner Firma zündeln?

Die Serie ist fiktiv und sie soll unterhalten. Wer die Serie zu Ende schaut, erfährt auch, was für Konsequenzen sich ergeben, wenn man in eine bestimmte Richtung handelt und Grenzen überschreitet.

Gerade Engagement für das Klima stößt derzeit auch auf extreme Widerstände. Was würden Sie zum Beispiel Gegnern von Fridays for Future mit auf den Weg geben?

Wir müssen junge Menschen ernst nehmen und ihnen auf Augenhöhe begegnen. Dennis Gansel, der Produzent unserer Serie, ist an Schulen gegangen und hat die Jugendlichen gefragt, was sie beschäftigt. Es ist wichtig, zuzuhören. Wir als junge Generation formen die Zukunft mit. Wir haben die Chance, von älteren Generationen zu lernen - aber eben auch aus deren Fehlern. Es ist die Aufgabe der Jugend, Dinge zu hinterfragen.

Mit Louise Befort sprach Anna Meinecke

"Wir sind die Welle" ist seit dem 1. November abrufbar bei Netflix.

Quelle: n-tv.de