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Der Schnellcheck zum "Tatort" Die Venusfalle

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Jütte (Roland Riebeling) stellt sich in seinem Verlies nicht allzu klug an.

(Foto: WDR/Thomas Kost)

Und schon wieder ein Jubiläum beim "Tatort". Diesmal gibt es in Köln einen Grund zum Feiern: Ballauf und Schenk sind zum 80. Mal im Einsatz. Dass sie dabei rabiat voneinander getrennt werden, schmälert das Vergnügen kaum, im Gegenteil: "Der Tod der Anderen" bietet stimmungsvolle Krimi-Kost.

Was passiert?

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als wollte Kathrin Kampe (Eva Weißenborn) es einfach nochmal krachen lassen. Im feinen Hotel Rheinpalais gönnt sie sich den teuersten Rotwein, flirtet an der Bar mit einem alten Bekannten, auch zwei weitere Herren scheinen die ältere Lady gut zu kennen. Als sie sich schließlich zurückzieht, steckt sie dem Verehrer ihre Zimmernummer zu, doch als der sie, bewaffnet mit zwei Gin Tonics, zum erhofften Schäferstündchen besuchen will, baumelt Kathrin Kampe an einem Strick von der Decke.

Was auf den ersten Blick nach Selbstmord aussieht, entpuppt sie bei genauerem Hinsehen als Tötungsdelikt. Ein verräterischer Brief und Zeugenaussagen weisen in eine Richtung, wenig später steht die Chefin des Hotels, die rätselhafte Bettina Mai (Ulrike Krumbiegel), unter dringendem Tatverdacht. Doch dann kommt alles ganz anders als gedacht. Freddy Schenk (Dietmar Bär) wird als Geisel genommen, Max Ballauf (Klaus J. Behrendt), weiß kaum, wie ihm geschieht - und für den Allrounder des Reviers, Jütte (Roland Riebeling), kommt es umso dicker.

Worum geht es wirklich?

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Kathrin Kampe (Eva Weißenborn) checkt in ein feines Hotel in Köln ein - kurz darauf ist sie tot.

(Foto: WDR/Thomas Kost)

Der Titel dieser Kölner Folge verweist nicht von ungefähr auf Florian Henckel von Donnersmarcks "Das Leben der Anderen". Wie der Oscar-prämierte Klassiker aus dem Jahre 2006 befasst sich auch "Der Tod der Anderen" mit jenem Stück DDR-Geschichte, da ein straff durchorganisierter Staatssicherheitsapparat und unzählige IMs das Privatleben, die politischen Gesinnungen und möglichen Fluchtgedanken der Bürger in Ost-Deutschland durchleuchteten. Autor Wolfgang Stauch ("Emma nach Mitternacht") beschreibt den Bogen von einst in die Jetztzeit und geht der Frage nach: Wie viele Leichen im Keller braucht es, um auch drei Dekaden später noch Biografien durcheinanderzuwirbeln?

Wegzapp-Moment?

Dramaturgie gut und schön, aber wie Jütte sich in seinem Verlies anstellt, ist dermaßen dämlich - eine lebensbedrohliche Grenzerfahrung, die in dieser Form zum Teil auch selbstverschuldet ist.

Wow-Faktor?

Konsistent hoch. Zum 80. Serienjubiläum haben Wolfgang Stauch und Regisseur Torsten C. Fischer dem Kölner Duo eine vielschichtige Geschichte auf den Gabentisch gelegt, die bei aller Komplexität dennoch nicht überladen wirkt. Vielmehr sind es die vielen ruhigen, wunderbar zwischen Tragik und leisem Humor balancierenden Szenen zwischen Dietmar Bär und der großartigen Ulrike Krumbiegel als angejahrte Stasi-Verführerin, die für Atmosphäre sorgen. Auch die neue Kriminaltechnikerin, Natalie Förster (Tinka Fürst), im nicht ganz konfliktfreien Austausch mit Ballauf, ist eine echte Entdeckung.

Wie war's?

8,5 von 10 Punkten - ein stimmungsvolles Stück deutsch-deutscher Geschichte zwischen Roadmovie, Stockholm-Syndrom und ausgefuchstem Finale.

Quelle: ntv.de