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Der "Tatort" im Schnellcheck Die doppelte Witwe

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Charlotte (Michaela May, l.) und Bibiana (Ulrike Krumbiegel) waren miteinander befreundet, über alle Unterschiede in Wesen und Lebensführung hinweg.

(Foto: SWR/Peter Porst)

Ein Gigolo zwischen zwei Damen, eine Kommissarin, die "alles falsch macht", ihr Kollege als ruhender Gegenpol und ein Fall, bei dem vor lauter Zeitsprüngen vor allem eines auf der Strecke bleibt: die Spannung. Auch eine Prise Sado-Maso hilft "In seinen Augen" und Heike Makatsch nur wenig.

Was passiert?

Bibiana Dubinski (Ulrike Krumbiegel) und Charlotte Mühlen (Michaela May) haben aus der Not eine Tugend gemacht. Sie mögen in Sachen Kontostand zwar extrem verschieden sein, aber als etwas angejahrte Witwen ähneln sie sich in einem doch sehr: Beide sind einsam und haben die großen Sehnsüchte des Lebens noch nicht ganz aufgegeben. Sie freunden sich an, die steinreiche Bibiana macht Charlotte sogar zur Alleinerbin. So hätte es mit Sektchen auf der Veranda noch ein paar Jahre weitergehen können - gäbe es da nicht plötzlich einen Mann zwischen den beiden. Hannes Petzold (Klaus Steinbacher) ist ein drahtiger Typ, jung, viril und attraktiv. Charlotte erliegt seinem Charme und verbringt ihre Freizeit nun immer öfter ohne Bibiana, dafür mit dem hübschen Hannes. Als Bibiana plötzlich an einem Insulinschock stirbt, wird zunächst von Mord gemunkelt, die Ermittlungen laufen jedoch ins Leere und werden eingestellt. Für Kommissarin Berlinger (Heike Makatsch) ist das ein Ding der Unmöglichkeit. Sie nervt die Staatsanwältin Winterstein (Abak Safaei-Rad) und den Kollegen Martin Rascher (Sebastian Blomberg) so lange, bis der Fall wieder aufgenommen wird. Eine richtige Entscheidung, auch wenn alles ganz anders ist, als erwartet.

Worum geht es wirklich?

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Hannes Petzold (Klaus Steinbacher) vernachlässigt seinen Sohn Enrico (Linus Moog).

(Foto: SWR/Peter Porst)

Es geht mal wieder mehr um die Form als um den Inhalt, mehr um die Freude an stilistischem Freiflug als an spannendem Täterrätsel. Regisseur Tim Trageser ("Die Lehrerin") und Autor Thomas Kirchner ("Spreewaldkrimi") zerlegen das Zeitkontinuum auf durchaus einfallsreiche Weise, leider verliert der Zuschauer darüber die Verbindung zu den Figuren, ist in dem emotionalen Durcheinander bald nicht mehr ganz klar, was hier eigentlich die Story ist: Sucht man einen Mörder? Folgen wir Charlotte auf ihrem tragischen Weg? Geht es um Petzold und seinen problematischen Sohn? Oder doch nur um die üblichen Neurosen der Kommissarin Berlinger?

Wegzapp-Moment?

Stichwort Sado-Maso (ohne zu viel zu verraten): Das kommt schon etwas arg klischeelastig daher ...

Wow-Faktor?

... verfügt aber auch über ein einiges an explizitem Entertainment-Potential. Ob Wow oder Wegzappen - das muss das Publikum letztlich selbst entscheiden.

Wie war's?

6 von 10 Punkten - ein bisschen mehr Fokus hätte dem Fall sicher gutgetan, der Cast mit Krumbiegel, May und Steinbacher ist jedenfalls großartig.

Quelle: ntv.de

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