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"Tatort" zum Weltfrauentag Die wilde 14

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Im "Tatort" dreht sich diesmal alles um Kommissar Klaus Borowski (Axel Milberg) - und um Frauen.

(Foto: NDR / Christine Schroeder)

Drin ist, was drauf steht: In "Borowski und die Angst der weißen Männer" geht es um mörderischen Hass gegen Frauen - ein bizarrer Trip in die Welt der Pick-up-Artists, Neonazis und Hinterzimmer-Machos.

Was passiert?

Auf dem Gelände des Kieler Musikclubs "Paradise" wird eine tote Frau entdeckt. Es dauert nicht lange, bis Klaus Borowski (Axel Milberg) und Mila Sahin (Almila Bagriacik) auf den Mitschnitten der Überwachungskameras jenen Mann identifizieren, mit dem die junge Frau in der Disko zuletzt gesprochen hat: Mario Lohse (Joseph Bundschuh). Der Einzelgänger arbeitet in einem Parkhaus und versucht, seine extreme Schüchternheit mit Hilfe von Video-Tutorials des "Pick-Up-Artists" Hank Massmann (Arnd Klawitter) zu überwinden.

Doch die Ermittlungen gegen Lohse verlaufen, im wahrsten Sinne des Wortes, im Sande. Dort, wo die Leiche lag, entdeckt Borowski eine in den Ufersand gedrückte "14". Die Zahl ist ein Code unter amerikanischen Neonazis und verweist auf den Leitsatz der "14 Words": "Wir müssen die Existenz unseres Volkes und eine Zukunft für die weißen Kinder sichern." Der Fall nimmt nun noch größere Ausmaße an. Zusammen mit dem Cybercop Paulig (Jan-Peter Kampwirth) entdeckt Mila Sahin Hasslisten im Netz. Von zahlreichen Attacken auf Frauen ist da die Rede, auch die Kieler Politikerin Birte Reimers (Jördis Triebel) ist akut bedroht. Duschanka Tomi (Vidina Popov), ihre Büroleiterin, wird in der Tiefgarage brutal überfallen. Als sich bei Mario Lohse die Dinge im Zwischenmenschlichen anders als erhofft entwickelt, wechselt er auch endgültig die Seiten.

Worum geht es wirklich?

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Ins Visier gerät bei den Ermittlungen Mario Lohse (Joseph Bundschuh).

(Foto: NDR / Christine Schroeder)

Am 8. März ist Internationaler Weltfrauentag, auch der ARD-"Tatort" bezieht thematisch Stellung und widmet sich in "Borowski und die Angst der weißen Männer" den sogenannten "Incels". Involuntary Celibate, so der vollständige Terminus, das unfreiwillige Zölibat, eine in den USA entstandene Bewegung, deren Anhänger frustrierte, zumeist weiße Männer sind, die behaupten, keinen Sex zu haben, weil Frauen in ihren Augen zu selbstbewusst und eigenständig sind. Gewalt, Machtspiele und Unterdrückungsszenarien prägen dieses Phänomen.

Wegzapp-Moment?

Zum Wegzappen reicht es nicht, aber es wird da und dort schon arg plakativ auf die Tonne gehauen. Hank Massmann als öliger Schmierlapp, der Internet-Spezi bei der Polizei natürlich ein Nerd mit Klappscheitel, Lohses Rasur-Ritual als "American History X"-Wiedergänger, da wird zuweilen mit etwas dickem Pinsel getuscht. Aus einem anderen Blickwinkel sind genau das vielleicht jene Faktoren, die dem schweren, komplexen Thema eine klassische Suspense-Struktur verleihen.

Wow-Faktor?

Almila Bagriaciks rabiate Selbstverteidigungstechniken sind spektakuläre Hingucker. Das diffuse Zusammenspiel zwischen Joseph Bundschuh, der den jungen Mario Lohse gekonnt auf dem Grat zwischen Hoffnung und Attacke balanciert, und seiner Schwester Marlene Bundschuh als Vicky, die sich auf ein Date mit ihm einlässt, funktioniert beeindruckend. Selbst Borowski, ansonsten traditionell dem behäbigen Granteln zugeneigt, entwickelt diesmal so etwas wie temporeichere Verve.

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Wie war's?

7,5 von 10 Punkten - als aktueller Gesellschaftskrimi in Teilen etwas überfrachtet, unterm Strich dennoch spannend und engagiert umgesetzt.

Quelle: ntv.de

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