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Voller Einsatz und Risiko WWM-Sieger: So wird man bei Jauch Millionär

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Der Weg zur Million bei Günther Jauch ist steinig - aber machbar.

(Foto: TVNOW / Stefan Gregorowius)

"Wer wird Millionär?" kürt nur noch selten Gewinner. In den kommenden Wochen zeigt RTL noch einmal die Shows mit den letzten vier Millionen-Abräumern. Die Wiederholungen offenbaren die Erfolgsgeheimnisse der Überflieger bei Günther Jauch.

Die Allgegenwart von Günther Jauchs Millionären als Joker in Coronazeiten täuscht. In der 20-jährigen Geschichte von "Wer wird Millionär?" (WWM) konnte die RTL-Quizshow erst zehn reguläre Sieger küren. Anfangs beglückwünschte Jauch noch alle ein bis zwei Jahre einen neuen Gewinner. Auf den letzten Millionär abseits von Spezialsendungen mussten Zuschauer hingegen über vier Jahre warten. Aber warum ist das so? Die Wiederholungen der Sendungen mit den letzten vier WWM-Siegern geben Aufschluss.

Jauch hat sich am Pfingstmontag mit dem Prominenten-Special in die Sommerpause verabschiedet. Anfang September kehrt "Wer wird Millionär?" mit der 46. Staffel zurück. Vor der langen Auszeit blickt RTL noch einmal zurück. Am 8. Juni wiederholt der Sender zur gewohnten Uhrzeit um 20.15 Uhr den Sieg von Ronald Tenholte. An den nächsten Monaten folgen jeweils Doppelfolgen zu Leon Windscheid, Sebastian Langrock und Ralf Schnoor. Millionärsjoker Jan Stroh fehlt, denn er hatte wie zwei weitere Sieger in einer Spezialausgabe mit veränderten Spielregeln triumphiert. Außerdem gewannen drei Prominente für einen guten Zweck.

Künftige Kandidaten sollten besonders aufmerksam hinschauen. Denn diese Millionäre zeigen, was den meisten Bewerbern heutzutage fehlt.

Ronald Tenholte: So holte er die Million

Der Inhaber einer Saftbar in Köln beendete am 24. März 2020 nach knapp viereinhalb Jahren die längste Durststrecke der WWM-Geschichte. Tenholte bewies, was so vielen Kandidaten auf Jauchs heißem Stuhl abgeht: unbedingter Siegeswille. Bei auffallend vielen Bewerbern steht heute die Freude an der Teilnahme im Vordergrund. Das führt dazu, dass so mancher Kandidat nicht einmal die Namen der Bundesminister kennt.

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Vom Saftbar-Besitzer zum Millionär: Ronald Tenholte.

(Foto: TVNOW / Stefan Gregorowius)

Tenholte hingegen hat intensiv für den Sieg trainiert. "Seit ich wusste, dass ich zur Sendung eingeladen werde, habe ich wirklich jeden Tag Quiz gespielt, um mir möglichst viel Wissen anzueignen", hatte er nach dem Gewinn verraten. Das bedeutete konkret: Der Kölner übte täglich durchschnittlich drei bis vier Stunden, sieben Tage die Woche, rund vier Wochen lang. Dabei ging es ihm nicht nur um das Wissen an sich. Durch die Routine hat er erkannt, dass er sich im Zweifelsfall häufig auf seine Intuition verlassen kann. Genau genommen hat der letzte WWM-Sieger sogar seit Jahren auf den Gewinn hingearbeitet. 2016 und 2018 hatte er es bereits in die Sendung geschafft, war aber in den Auswahlrunden gescheitert.

Tenholte ist ein Paradebeispiel dafür, wie man bei "Wer wird Millionär?" Sicherheit und Risiko verbinden kann. Er wählte die von Jauch als "Schisservariante" bezeichnete Alternative mit drei Jokern. Dafür setzte der Gastronom nach Erreichen des Sicherheitsnetzes von 16.000 Euro alles auf eine Karte. "Dann hätte ich nicht gezockt, wenn ich auf 500 zurückgefallen wäre", hatte er in der Sendung erklärt.

Hinzu kam die nötige Portion Glück bei der Millionenfrage. Sie lautete: Die klassische, genormte Europalette EPAL 1 besteht aus 78 Nägeln, neun Klötzen und insgesamt wie vielen Brettern?

A: neun
B: zehn
C: elf
D: zwölf

(Die richtigen Antworten gibt es am Ende des Artikels.)

Tenholte bekommt in seiner Saftbar fast jeden Tag Waren auf Europaletten geliefert. Nach fast einer Viertelstunde Hadern und Skizzieren vorm geistigen Augen entschied sich der Kölner für die korrekte Antwort. "Das war einfach Glück", kommentierte er anschließend.

Leon Windscheid: WWM-Training als Vollzeitjob

Windscheids Sieg war ein Ereignis. Über drei Folgen erstreckte sich seine Jagd auf die Million. Für die Beantwortung der letzten Frage nahm er sich am 7. Dezember 2015 rund 35 Minuten Zeit. Das passte zu seiner Vorbereitung. Denn der Doktorand und Eventveranstalter hatte das Training noch intensiver betrieben als Tenholte. "Ich hab drei Monate lang jeden Tag zehn Stunden gelernt, sieben Tage die Woche", verriet der Millionärsjoker Ende April den Schlüssel zu seinem Erfolg. Besonderen Fokus legte er auf die alles entscheidende Auswahlrunde. Windscheid trainierte dafür mit der WWM-App auf einem Tablet, sodass das Layout der Fragen so aussah wie auf dem Kandidaten-Bildschirm. "Man wird tatsächlich schneller", stellte Windscheid fest.

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Jagte über drei Folgen nach der Million: Leon Windscheid.

(Foto: TVNOW / Stefan Gregorowius)

Als Psychologe wusste er zudem, wie wichtig die geistige Verfassung ist. "Ich habe trainiert, mit Psychotricks den Stress auf dem Stuhl zu bezwingen und einen klaren Kopf zu bewahren", sagte Windscheid. Dabei habe er sich auch die entspannte Haltung von Jauch zunutze gemacht. Der Moderator helfe, "cool zu bleiben und das Ganze nicht zu verbissen anzugehen".

Windscheids Millionenfrage lautete: Aus insgesamt wie vielen Steinchen besteht der klassische von Ernö Rubik erfundene Zauberwürfel?

A: 22
B: 24
C: 26
D: 28

Er löste die Aufgabe wie Tenholte zwangsläufig ohne Joker, hatte allerdings die Risikovariante gewählt. Ein Teil des Gewinns floss in den Kauf eines Partyschiffs, das er "MS Günther" taufte. Windscheid erwarb außerdem ein denkmalgeschütztes Haus in Münster, das er mit seinem Bruder, einem Kumpel und einem ehemaligen Azubi bewohnt. Er ist Autor des Buches "Das Geheimnis der Psyche - Wie man bei Günther Jauch eine Million gewinnt und andere Wege, die Nerven zu behalten".

Sebastian Langrock: Volles Risiko

Zocken ist Langrocks Beruf. Der professionelle Pokerspieler schrieb passenderweise WWM-Geschichte, als er am 11. März 2013 der erste Kandidat wurde, der mit der neuen Risikovariante die Million holte. Er hatte bei der letzten Frage sogar noch den Telefonjoker, brauchte die Hilfe aber nicht. Sogar auf die möglichen Antworten konnte der Münchner verzichten.

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Professioneller Zocker: Sebastian Langrock.

(Foto: TVNOW / Stefan Gregorowius)

Millionenfrage: Wer sollte sich mit der 'Zwanzig nach vier'-Stellung auskennen?

A: Fahrlehrer
B: Karatemeister
C: Kellner
D: Landschaftsarchitekt

Noch während Jauch die Frage vorlas, ballte Langrock die Siegerfaust und sprang vom Stuhl. Der Telefonjoker wurde dann doch noch angerufen - aber nur, damit Jauch ihm von Langrocks Sieg berichten konnte. Die Glückssträhne des WWM-Gewinners riss nicht ab. Der Sieg bei der Poker-Weltmeisterschaft 2017 brachte ihm ein Preisgeld von über einer Viertelmillion US-Dollar ein. Insgesamt soll der Pokerprofi bislang mehr als 800.000 Dollar erspielt haben.

Ralf Schnoor: Freude am Rampenlicht

Der Spaß am großen Auftritt kann bei "Wer wird Millionär?" doch von Vorteil sein. Das bewies Schnoors Sieg am 26. November 2010. Der damals 48 Jahre alte Cafébesitzer bestach vor der Kamera mit seiner entspannten Haltung. Der Hannoveraner war derart souverän, dass ihn RTL beim WWM-Sommerpausenfüller "500 - Die Quiz-Arena" Jauch als Schiedsrichter an die Seite stellte. "Ich bin wohl doch etwas eitel", attestierte sich Schnoor 2017 in einem Artikel der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung".

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"Doch etwas eitel": Ralf Schnoor.

(Foto: TVNOW / Stefan Gregorowius)

Ein gesunder Hang zur Selbstdarstellung hilft allerdings sehr bei der Nervenstärke. Schnoor profitierte zudem von seinem hervorragenden Allgemeinwissen, was er Kandidaten über die Jahre hinweg immer wieder gern als Telefonjoker zur Verfügung gestellt hat. Er profitierte dabei auch von den Quizabenden, die er seit bald zwei Jahrzehnten in seinem Lokal veranstaltet.

Der sympathische Gewinner wählte die Sicherheitsvariante, brauchte den ersten Joker aber erst bei der elften Frage. Sein Telefonjoker kam ebenfalls erst bei der letzten Frage pro forma zum Einsatz, denn Schnoor wusste die richtige Antwort auch so.

Millionenfrage: Wie heißt die erste deutsche Briefmarke, die 1849 in Bayern herausgegeben wurde?

A: Schwarzer Einser
B: Roter Zweier
C: Gelber Dreier
D: Blauer Vierer

Schnoor und seine Frau kauften sich von dem Gewinn eine Eigentumswohnung (120 Quadratmeter plus Dachterrasse). Außerdem erhöhte er die Löhne seiner Angestellten. 2017 fuhr der RTL-Millionär aber weiterhin seinen alten Astra Kombi, Baujahr 2000. „Der läuft und läuft, da kann ich ihn doch nicht einfach verschrotten", sagte Schnoor der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung".

Das waren die übrigen Millionenfragen:

2. Dezember 2000: Prof. Eckhard Freise (56, Geschichtsprofessor)

Millionenfrage: Mit wem stand Edmund Hillary 1953 auf dem Gipfel des Mount Everest?

A: Nasreddin Hodscha
B: Nursay Pimsorn
C: Tenzing Norgay
D: Abrindranath Singh

20. Mai 2001: Marlene Grabherr (48, Bürokauffrau)

Millionenfrage: Welche beiden Gibb-Brüder der Popband The Bee Gees sind Zwillinge?

A: Robin und Barry
B: Maurice und Robin
C: Barry und Maurice
D: Andy und Robin

18. Oktober 2002: Gerhard Krammer (24, Student der Musik und Philosophie)

Millionenfrage: Welcher berühmte Schriftsteller erbaute als diplomierter Architekt ein Freibad in Zürich?

A: Joseph Roth
B: Martin Walser
C: Max Frisch
D: Friedrich Dürrenmatt

29. März 2004: Dr. Maria Wienströer (38, Assistenzärztin)

Millionenfrage: Wer bekam 1954 den Chemie- und 1962 den Friedensnobelpreis?

A: Linus Pauling
B: Otto Hahn
C: Pearl S. Buck
D: Albert Schweitzer

9. Oktober 2006: Stefan Lang (32, Aufzugsmonteur)

Millionenfrage: Welches chemische Element macht mehr als die Hälfte der Masse eines menschlichen Körpers aus?

A: Kohlenstoff
B: Kalzium
C: Sauerstoff
D: Eisen

8. Januar 2007: Timur Hahn (27, Student der Anglistik, Medienwissenschaft und Informatik)

Millionenfrage: Welches Meer ist nach einem mythologischen König benannt, der sich dort hineingestürzt haben soll?

A: Ionisches Meer
B: Ägäisches Meer
C: Adriatisches Meer
D: Kaspisches Meer

17. Oktober 2014: Thorsten Fischer (48, selbstständiger Gastronom), Jubiläums-Sendung zum 15. WWM-Geburtstag; er durfte nach der zehnten Frage direkt mit der Millionenfrage weitermachen.

Millionenfrage: Die Entfernung von der Hauptstadt Berlin zum Erdmittelpunkt ist ungefähr so groß wie zwischen Berlin und ...?

A: Tokio
B: Kapstadt
C: Moskau
D: New York

13. November 2015: Nadja Sidikjar (33, freiberufliche Kommunikationstrainerin) im Jackpot-Special

Entscheidende Frage: Bei dem Namen welches Instruments handelt es sich um eine Kurzform?

A: Violine
B: Cello
C: Kontrabass
D: Gitarre

2. September 2019: Jan Stroh (35, Volljurist aus Hamburg), Jubiläums-Special zum 20. WWM-Geburtstag, in dem nur alte Fragen gestellt wurden

Millionenfrage: Welches dieser Grimm'schen Märchen beginnt nicht mit "Es war einmal ..."?

A: Rumpelstilzchen
B: Hans im Glück
C: Die Sterntaler
D: Rotkäppchen

Sieger in den Prominenten-Specials

30. Mai 2008: Oliver Pocher

Millionenfrage: Das Nagel-Schreckenberg-Modell liefert eine Erklärung für die Entstehung von …?

A: Sandwüsten
B: Verkehrsstaus
C: Grippewellen
D: Börsencrashs

20.  November 2008: Thomas Gottschalk

Millionenfrage: Wie hieß Franz Kafkas letzte Lebensgefährtin, die er 1923, ein Jahr vor seinem Tod, kennenlernte?

A: Dora Diamant
B: Sarah Saphir
C: Rita Rubin
D: Olga Opal

30. Mai 2011: Barbara Schöneberger

Millionenfrage: Wie heißt der Knabe, dem Wilhelm Tell den legendären Apfel vom Kopf schießt?

A: Fritz
B: Heinrich
C: Walter
D: August

Auflösungen:

Tenholte, C: Elf Bretter
Windscheid, C: 26 Steinchen
Langrock, C: Kellner
Schnoor, A: Schwarzer Einser

Freise: C: Tenzing Norgay
Grabherr: B: Maurice und Robin
Krammer, C: Max Frisch
Wienströer, A: Linus Pauling
Lang, C: Sauerstoff
Hahn, B: Ägäisches Meer (König Aigeus)
Fischer, D: New York
Sidikjar, B: Cello
Stroh, B: Hans im Glück

Mehr zum Thema

Pocher, B: Verkehrsstaus
Gottschalk, A: Dora Diamant
Schöneberger: C: Walter

Die Wiederholungen der Millionen-Folgen von "Wer wird Millionär?" sind ab sofort jeden Montag um 20.15 Uhr bei RTL zu sehen.

Quelle: ntv.de