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Der Tod der Liebe "GoT" findet ein bittersüßes Ende

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Es ist vorbei: Die 73. Folge von "Game of Thrones" war die letzte der Saga. Unser Autor ist mit dem Ende recht zufrieden.

(Foto: picture alliance/dpa)

Das Finale von "Game of Thrones" schlägt einen großen Bogen und zeigt den Übergang einer Gesellschaft, die von mörderischen, dysfunktionalen Herrschern dominiert wird, zu einem kollektiven Modell. Für unseren Autor ist es ein versöhnliches Ende.

! Achtung, Spoiler aus der achten Staffel !

Daenerys Targaryen zog einst aus, um das grausame Rad der Geschichte zu brechen, das die Menschen am Boden zermalmt und in dem die Herrscher von Westeros lediglich die Speichen sind. In der allerletzten Episode von Game of Thrones, "The Iron Throne", erfüllt sich ihr Wunsch, wenn auch nicht so, wie sie es sich vorgestellt haben mag.

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Jon Snow tötet Daenerys Targaryen, nachdem sie ihre Absicht angekündigt hat, sich die gesamte Welt Untertan zu machen; als Folge wird Jon wieder in die Nachtwache und in ein Leben unter den Freien Leuten verbannt. Der eiserne Thron, um den die Protagonisten acht Staffeln lang gerungen haben, ist nicht mehr, geschmolzen im Drachenfeuer, Daenerys zerstört durch das System, das sie zu überwinden versucht hat. Im Grunde ging es bei "Game of Thrones" immer darum, das brutale Spiel um den Thron zu beenden. Das Finale schlägt den großen Bogen und zeigt den Übergang einer Gesellschaft, die von mörderischen, dysfunktionalen Herrschern dominiert wird, zu einem kollektiven Modell.

Macht, Gewalt und Loyalität

Eine mordende, erratische Monarchin wird getötet und durch einen gewählten König ersetzt. Und dieser König ist Bran Stark, der statt auf dem eisernen, in seinem rollenden Thron die Geschäfte übernimmt. Man kann von poetischer Gerechtigkeit sprechen, denn in der Serie waren schon immer diejenigen, die die Geschichte vergaßen, dazu verdammt, sie zu wiederholen: Bei Rachefeldzügen, dynastischen Fehden und sinnlosen Gemetzeln. Bran kann auf die gesamte Geschichte der Menschheit zugreifen, ist vor falschem Stolz und Ego geschützt und kann keine Nachkommen, also auch keinen Irren wie Joffrey, zeugen.

Die Serie "Game of Thrones" ist auch deshalb zu dem globalen Phänomen geworden, die sie ist, weil es die Autoren verstanden haben, Erwartungen zu unterlaufen und die Grenzen des Fantasy-Genres hinter sich zu lassen. Der edle, moralische König wird schon in der ersten Staffel geköpft, der tapfere Prinz wird samt schwangerer Frau und Gefolge bei der roten Hochzeit erbarmungslos geschlachtet. "Game of Thrones" ist in erster Linie eine Saga über Macht, Gewalt und Loyalität, die "Sopranos in Mittelerde", wie die Serie auch genannt wird. Aber weil Macht die Mächtigen unweigerlich korrumpiert, ist eine kompromissbereite Zusammenarbeit der wohl radikalste Schritt. Der Vorschlag von Samwell Tarly, doch auch die einfachen Bürger in den Entscheidungsprozess einzubinden, löst schallendes Gelächter bei den anwesenden Adeligen aus und ist der witzigste Moment der Folge. Für eine richtige Demokratie ist Westeros wohl noch nicht bereit.

Geschichte ist auserzählt

Bran wird vom Rat der Übriggebliebenen zum König gewählt, Sam, Davos, Brienne, Bronn, Yara Greyjoy und die anderen stimmen überein, Tyrion Lannister wird gegen seinen Willen zur Hand des neuen Königs ernannt und hat nun Gelegenheit und Zeit, seine früheren Fehler zu begradigen. Einzig Sansa stellt sich quer, erklärt den Norden zu einem unabhängigen Königreich und muss vor niemandem mehr knien. Es war bewegend zu sehen, wie die Stark-Kinder getrennte Wege gehen, aber jeder fand ein passendes Ende. Sansa bekam ihre Krone, Arya ist auf dem Weg zu weiteren Abenteuern im Land jenseits der Karte. Jon geht zurück in den Norden, wo er am besten hinpasst, ein ergreifendes Ende für einen Charakter, der immer ein Außenseiter war, auch wenn er im Mittelpunkt der Dinge stand.

Ebenso war es beeindruckend, als Brienne von Tarth Jaime Lannisters Eintrag im Buch der Brüder vervollständigte, der Chronik der Ritter, die in der Königsgarde gedient haben. So stellt sie posthum die Ehre des Mannes, den sie geliebt hat, wieder her. Jaime Lannister, der sich nie von seiner Cercei trennen konnte und für sie immer wieder seine Moral vergaß, geht als ehrenvoller Ritter in die Geschichte ein, der tapfer für seine Königin starb. Wie sagte Tyrion Lannister vor dem Rat: "Es gibt nichts Mächtigeres, als eine gut erzählte Geschichte". Game of Thrones ist nun auserzählt.

Quelle: n-tv.de

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