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"Zeit der Geheimnisse" Jetzt kommt alles auf den Tisch

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Mehrere Generationen erforschen in "Zeit der Geheimnisse" die Vergangenheit der Familie.

(Foto: Netflix)

Es muss nicht immer "Tatsächlich Liebe" sein. Kurz vor Beginn der Adventszeit liefert Netflix mit der Miniserie "Zeit der Geheimnisse" genau den richtigen Stoff für Fans von verwobenen Handlungssträngen, irrer Familiendynamik und ganz großen Gefühlen.

Man muss seinen Verwandten nicht alles sagen. Ein paar Geheimnisse lohnt es sogar, für sich zu behalten. Um sich selbst zu schützen oder die anderen. Aber manchmal bricht auf, was man glaubt, vor Jahren geflickt zu haben. Hansaplast hält eben nicht auf nässenden Fleischwunden, so könnte man es vielleicht ausdrücken. Von einem Moment auf den anderen ist alles wieder da: alte Verletzungen, altes Misstrauen. Und die Liebe muss neu verhandelt werden. Denn es heißt zwar, Blut sei dicker als Wasser. Aber ganz sicher kann man sich eben auch dieser Bande nicht sein.

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In der Netflix-Miniserie "Zeit der Geheimnisse" - und mit nur drei Folgen ist hier wirklich "mini" gemeint - treffen mehrere Generationen einer Familie zu unterschiedlichen Zeiten aufeinander. In einem reetgedeckten Haus am Meer, irgendwo im Niemandsland zwischen Dünen und mit sich grau kräuselnder Brandung jenseits der alten Fenster, feiern sie Weihnachten. Im Zentrum der Geschichte stehen vier Frauen, Eva (Corinna Harfouch), deren Tochter Sonja (Christiane Paul) und deren Töchter Vivi (Svenja Jung) und Lara (Leonie Benesch). Über mehrere Jahrzehnte hinweg haben sie sich auseinandergelebt. Sie sehnen sich nacheinander, sind sich aber fremd geworden. Als sie in der Gegenwart aufeinandertreffen, kommen sie nicht drum herum, über die Vergangenheit zu sprechen.

Viel Projektionsfläche

Es dauert eine Weile, bis man sich als Zuschauer mit den verschiedenen Erzählebenen arrangiert hat. Lange hineinzuschauen braucht man sich in "Zeit der Geheimnisse" trotzdem nicht. Vielleicht liegt das daran, dass sich gen Jahresende viele Familienquerelen denkbar nah dran an einem selbst anfühlen. Es passiert auch zügig viel. Vor allem aber ist es der hervorragenden Ensemble-Qualität des Casts geschuldet, dass die Miniserie einmal begonnen auch zu Ende geschaut werden will. Von Corinna Harfouch kann man ohnehin selten den Blick abwenden, Christiane Paul ist als hadernde Mutter herrlich roh zu sehen und Svenja Jung und Leonie Benesch geben ihren vielleicht etwas stereotyp geschnittenen Charakteren schnell fesselnde Tiefe.

In "Zeit der Geheimnisse" geschieht viel über Blicke. Da ist ganz viel Verletzung in den Augen der Frauen. Eine fröhliche Weihnachtsgeschichte ist es nicht. Aber eine, die in ihrem Kern so sehr von Liebe getragen ist, dass einem doch immer wieder ganz wohlig dabei wird. Sicherlich lässt sich seitens des Zuschauers auch viel in die Figuren hineinprojizieren. Man oder doch mindestens frau erkennt sich in ihnen auch ein bisschen selbst.

Familie verbindet nicht immer dieselbe politische Einstellung. Man muss auch keine Hobbys teilen, um zusammenzuhalten. Es ist ein seltsames Gefüge, innerhalb dessen man sich stets selbst neu verorten muss. Insofern sind auch die Frauen von "Zeit der Geheimnisse" ganz gewöhnlich - wenngleich es im Verlauf der Geschichte zu deutlich ungewöhnlichen Vorfällen kommt. Es ist eine kleine Freude, Familiendynamik mal fast ohne männliches Herumgepoltere verhandelt zu sehen. Tatsächlich sind die männlichen Figuren solche, die vor allem der Charakterentwicklung der Frauen dienen und das ist doch mal eine angenehme Abwechslung - ohne an dieser Stelle dogmatisch zu werden. Mit "Zeit der Geheimnisse" ist Netflix ein Format für die dunkle Jahreszeit gelungen, das Substanz hat, Spaß macht, aufrüttelt und am Ende mit guten Gefühlen zurücklässt.

"Zeit der Geheimnisse" ist ab dem 20. November abrufbar über Netflix.

Quelle: n-tv.de