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Sonntagskrimi auf leisen Sohlen Magdeburger "Polizeiruf" im Schnellcheck

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Brasch (Claudia Michaelsen) und Lemp (Felix Vörtler) am Tatort.

(Foto: MDR/filmpool fiction/Stefan Erha)

Sachsen-Anhalt ist ein richtiggehender Heroinsumpf, zumindest wenn man Kommissarin Brasch in diesem "Polizeiruf" beim Ermitteln zusieht. Das ist zwar faktisch falsch, aber doch ganz nett anzusehen - was jedoch nur bedingt mit Drogen zu tun hat.

Das Szenario

Nach einer feuchtfröhlichen Party trifft Kriminalrat Lemp (Felix Vörtler) die bequeme, aber nicht besonders kluge Entscheidung, mit dem Auto nach Hause zu fahren. Mitten im Nirgendwo der sächsisch-anhaltinischen Wälder läuft dem angetrunkenen Polizisten plötzlich ein Mann vor das Auto - doch während Lemp Hilfe holen will, verschwindet der Angefahrene spurlos. Am nächsten Morgen findet die Polizei unweit der Unfallstelle nicht nur eine junge Frau mit einem Einschussloch im Kopf, sondern auch einen abgestellten und als gestohlenen gemeldeten Bulli mit einem kleinen Mädchen auf der Rückbank.

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Der Vater der Ermordeten und ihr heroinabhängiger Freund bilden im Lauf des Films eine Schicksalsgemeinschaft.

(Foto: MDR/filmpool fiction/Stefan Erha)

Lemp befürchtet zunächst, den Mörder angefahren zu haben, doch Kommissarin Brasch (Claudia Michaelsen) stößt bei ihren Ermittlungen schnell auf eine andere Spur: Die Tote war nicht nur eine polizeibekannte Heroinabhängige, sondern vor allem auch schon seit mehr als vier Jahren tot, zumindest offiziell. Bald stellt sich heraus, dass die Ermordete zusammen mit ihrem Freund Teil eines Zeugenschutzprogrammes war und in ihre alte Heimat Magdeburg zurückgekehrt war, um eine große Ladung verstecktes Heroin an den Mann zu bringen - nicht der einzige Plan, der im Laufe dieses "Polizeirufs" gründlich in die Hose geht.

Die eigentliche Botschaft

"Tod einer Toten" legt neben der klassischen Tätersuche den Fokus auf das Schicksal der Ermordeten und erzählt einfühlsam die zerstörerische Wechselwirkung von Drogenmissbrauch und totgeschwiegenen Familienproblemen.

Darüber wird in der Mittagspause geredet

Über Magdeburg, die Heroinhochburg. Hätte man jetzt gar nicht erwartet von der pittoresken Elbstadt.

Der Plausibilitätsfaktor

Mehr zum Thema

Um die Mittagspausengespräche gleich mal mit etwas Zählbarem auszustatten: Magdeburg ist gar keine Heroinhochburg, in ganz Sachsen-Anhalt wurden im vergangenen Jahr gerade mal 930 Gramm des Stoffes sichergestellt.

Die Bewertung

7 von 10 Punkten. "Tod einer Toten" erzählt seine Geschichte von der gescheiterten Beziehung zwischen Kindern und ihren Eltern feinfühlig, leistet sich aber einige Schnitzer bei der Stringenz der Handlung.

Quelle: ntv.de