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Der Schnellcheck zum "Tatort" Nordsee ist Mordsee

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Kommissar Falke und Investigativ-Journalistin Leopold hatten früher einmal eine Affäre.

(Foto: NDR/Christine Schroeder)

Vom Sturm umtost, von einstigen Emotionen aufgewühlt: Kommissar Falke zieht es nach Norderney. Dort wähnt sich die Journalistin Imke Leopold, eine Ex aus wilderen Tagen, in Lebensgefahr. "Tödliche Flut" fasziniert mit entschleunigtem Küsten-Crime, tollem Cast und cineastischem Soundtrack.

Was passiert?

Imke Leopold (Franziska Hartmann) ist einem ganz dicken Ding auf der Spur. Die Investigativ-Journalistin hat auf Norderney das Haus ihrer Oma geerbt. Statt sich dort aber vom aufreibenden Reporter-Alltag zu erholen, bekommt sie Wind von dubiosen Immobiliendeals. Wenig überraschend, dass sie damit einigen Norderneyern auf die Füße tritt. So doll, dass man ihr schließlich nach dem Leben trachtet. In ihrer Verzweiflung wendet sie sich, die Frau mit den Dreadlocks, an einen alten Bekannten, dem sie einst nahestand: Kommissar Falke (Wotan Wilke-Möhring). Für den reicht es jedoch erst mal nur zu einem gemeinsamen Bierchen. Sohnemann hat Geburtstag, zudem neigte die gute Imke wohl schon immer zum großen Drama.

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Die Kommissare Falke und Grosz machen sich auf den Weg nach Norderney.

(Foto: NDR/Christine Schroeder)

Doch die Lage ändert sich, als Falkes Handy mitten in der Nacht noch einmal klingelt und Imke am Apparat ist. Angeblich schleicht jemand ums Haus, sie hat Todesangst, wird wenig später überfallen und entkommt nur knapp dem Tod. Nun erkennt auch Falke die Gefahr und macht sich zusammen mit Kollegin Julia Grosz (Franziska Weisz) auf den Weg nach Norderney. Den großen Unbekannten können die beiden zunächst nicht ausfindig machen, kurz darauf jedoch entdecken sie die Leiche des Maklers, der die Deals eingefädelt hat. Hat Imke Leopold also doch recht - oder ist sie womöglich Teil des groß angelegten Immobilien-Coups?

Worum geht es wirklich?

Vordergründig geht es um ein Bauprojekt, in das Lokalpolitiker, Immobilienhaie und alteingesessene Großgrund-Besitzer der Insel Norderney verstrickt sein sollen. Tatsächlich bleibt es jedoch in weiten Teilen nur beim Ankratzen der Oberfläche, verschiebt sich der Fokus des Geschehens vielmehr auf eine persönlichere, emotionale Ebene. Zwischen Imke Leopold und Thorsten Falke scheint es auch Jahre nach ihrer ebenso kurzen wie intensiven Affäre immer noch zu brutzeln. Und dann ist da noch Julia Grosz, bei der nie so ganz klar ist, welche Gefühle sie für ihren Kollegen hegt - und ob sie womöglich auch eine leichte Schwäche für die rasende Reporterin mit der Hausbesetzer-Frise hat.

Wegzapp-Moment?

Nicht vorhanden. Worauf Zuschauer jedoch vorbereitet sein sollten: Auch wenn es da und dort mal hochgeht mit dem Puls, das Tempo dieses Falles ist eher gemächlich, die Spannung ergibt sich stattdessen aus einer steten unterschwelligen Spannung.

Wow-Faktor?

Die Insel. Die Musik. Der Cast. Der ganze besondere Charme Norderneys bekommt unter der Regie von Lars Henning, Autor David Sandreuter und Kameramann Carol Burandt von Kameke eine Hauptrolle zugewiesen. Wie hieß es zudem einst im Kultfilm "Absolute Giganten"? "Es müsste immer Musik da sein". Der Soundtrack der NDR Radiophilharmonie für "Tödliche Flut" zeigt, wie effektiv und einnehmend das sein kann. Stichwort Besetzung: Wilke-Möhring, Weisz und Hartmann harmonieren perfekt miteinander.

Wie wars?

9 von 10 Punkten - ein stimmungsvoll-naturalistischer Slow-Burner mit grandioser Musik und tollen Schauspielerinnen und Schauspielern.

Quelle: ntv.de