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"Polizeiruf 110""Das Ergebnis von 5000 Jahren Patriarchat"

08.03.2026, 22:00 Uhr
imageVon Ingo Scheel
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ARD-MDR-POLIZEIRUF-110-YOUR-BODY-MY-CHOICE-am-Sonntag-08-03-26-um-20-20-Uhr-im-ERSTEN-Lara-Becker-Luna-Jordan-r-konfrontiert-Thilo-Mathias-Max-Herrmann-MDR-Britta-Krehl-honorarfrei-Verwendung-gemaess-der-AGB-im-engen-inhaltlichen-redaktionellen-Zusammenhang-mit-genannter-MDR-Sendung-bei-Nennung-Bild-MDR-Britta-Krehl-S2
Lara Becker (Luna Jordan) (r.) konfrontiert Thilo (Mathias Max Herrmann) im aktuellen "Polizeiruf 110". (Foto: MDR/Britta Krehl)

In Magdeburg drehte es sich diesmal um männliche Besitzansprüche, um Frauen im ewigen Kampf um Selbstbestimmung. Der Weltfrauentag wird einmal jährlich am 8. März begangen - das Thema jedoch ist zeitlos aktuell.

Gleichberechtigung, Wahlrecht für Frauen und die Emanzipation der Arbeiterinnen, das war die Gemengelage unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg, die zum Weltfrauentag führte. Angeschoben von sozialistischen Organisationen fand der Frauentag erstmals am 19. März 1911 statt. Von 1921 an, so beschloss es die Zweite Internationale Konferenz kommunistischer Frauen, wurde das Datum auf den 8. März festgesetzt, ein Verweis auf jene Frauen, die an diesem Tag im Jahr 1917 demonstrierten und die Februar-Rvolution anschoben. Ihre Parole: "'Brot! Nieder mit dem Krieg! Nieder mit dem Absolutismus!"

1975, im "Internationalen Jahr der Frau", machte die UN den 8. März zum "Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden", von 1976 an folgte die "UN-Dekade der Frau". 1979 verabschiedete die Generalversammlung die Konvention zur Beseitigung aller Formen der Diskriminierung der Frau. Eine der Kontroversen unter Frauenrechtlerinnen drehte sich um die unterschiedlichen Schwerpunkte. Für Frauen aus Lateinamerika und Afrika stand die Friedensentwicklung in ihren Heimatländern im Fokus, in Westeuropa und den USA lag der Fokus auf den grundlegenden emanzipatorischen Rechten, darunter auch das Recht auf Schwangerschaftsabbruch.

Im Magdeburger "Polizeiruf 110" ging es genau darum, "Your Body, My Choice", der Titel eine provokante Umkehr eines feministischen Slogans, der eigentlich das Gegenteil besagt: "My Body, My Choice", mein Körper, meine Wahl. Ende der 60er hörte man die Parole zum ersten Mal auf Demos, bis heute hat sie nichts von ihrer Aktualität verloren. Im Film bekam es Kommissarin Brasch (Claudia Michelsen) mit diversen Abtreibungsgegnern zu tun, mal vergleichsweise friedlich wie die singenden Protestler vor der Arztpraxis, dann so brutal wie im Fall des Mordes an der jungen Marwa (Melissa Gross). Maik Gerboth (Sebastian Jakob Doppelbauer) war durchgedreht und hatte im Wahn die Bremszüge ihres Fahrrads durchgeschnitten. Später entführte er auch noch die aus Polen angereiste Dania (Nicola Magdalena Lüders), um sie zu zwingen, ihr Kind zu behalten.

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Abtreibungsgegner: Thilo (Mathias Max Herrmann) und Natalia (Annett Sawallisch). (Foto: MDR/Britta Krehl)

Statement zum Weltfrauentag

"Das Ergebnis von 5000 Jahren Patriarchat", kommentierte Doreen Brasch im "Polizeiruf 110" frustriert. In der Tat scheint sich aber auch über ein Jahrhundert nach dem ersten Weltfrauentag an den Themen wenig geändert zu haben. Das Markt- und Meinungsforschungsinstitut Ipsos hat anlässlich des Datums eine Umfrage in 30 Ländern durchgeführt. Die Zahlen bieten ernüchternde Einsichten: Ganze 13 Prozent der Deutschen halten die Gleichstellung von Frauen und Männern im Lande für verwirklicht. Dass dafür bereits genug getan wird, meinen 51 Prozent der Männer, jedoch nur 35 Prozent der Frauen. Immerhin: 53 Prozent der Deutschen denken, dass junge Frauen heute ein besseres Leben haben als zu Zeiten ihrer Elterngeneration, 46 Prozent glauben, dass sich die Gleichstellungspolitik der letzten Jahrzehnte positiv auf das Leben junger Frauen ausgewirkt hat.

Dass bei diesen Zahlen Luft nach oben bleibt, war wohl auch eine Motivation für "Polizeiruf 110"-Autorin Annika Tepelmann und die Regisseurin Franziska Schlotterer, die sich des Timings in puncto Ausstrahlungstermin bewusst waren: "Der Film kann definitiv als Statement zum Weltfrauentag verstanden werden. Der Titel unseres Films ist bewusst provokant gewählt. In diesem radikalen Slogan verdichtet sich der absurde Besitzanspruch über den weiblichen Körper. Wir laden das Publikum ein, sich mit dem Thema aus der Sicht von drei Frauen auseinanderzusetzen."

Quelle: ntv.de

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