"Wer wird Millionär?"Seltsam: Kandidatin bringt Extra-Freunde mit - Jauch setzt sie um

Da muss Günther Jauch einschreiten. Eine WWM-Kandidatin hat zwei extra Freundinnen im Publikum - genau in ihrer Sichtachse. Wie das passieren konnte: unklar. Leon Windscheid ist auch da. Und ein 18-Jähriger scheitert brutal an der KfW.
Ist das bei "Wer wird Millionär?" überhaupt schon mal vorgekommen? Ein Kuriosum an Tag zwei der großen "3-Millionen-Euro-Woche" ging in der Sendung vom Dienstagabend eher unter. Aber aufmerksame Zuschauer stellten sich schon die Frage: Warum wurde Kandidatin Emily Enders nicht nur von ihrem Freund begleitet, sondern hatte noch zwei Freundinnen als reguläre Zuschauerinnen im Studio dabei? Günther Jauch unterbrach deswegen sogar kurz die Sendung und setzte das Duo um. Denn das saß genau in der Sichtachse der Kandidatin.
Täuschen wollte hier offensichtlich niemand. Denn die Freundinnen hatten sich ohne Druck "geoutet". Bevor Enders es auf den heißen Stuhl schaffte, verhalf eine von ihnen der Vorgängerin als Zusatzjoker zur Gewinnsumme von 32.000 Euro. Sie wusste im Gegensatz zur Kandidatin Alida Nezamzadeh Kermani, dass es derzeit fünf offiziell anerkannte Zwergplaneten gibt (Pluto, Eris, Haumea, Ceres und Makemake) - weil genau dieser Fakt drangekommen sei, als sie einer Freundin bei der Vorbereitung auf "Wer wird Millionär?" geholfen habe, berichtete die junge Frau.
Jauch schreitet ein
Das wollte Jauch kurz darauf doch genauer wissen. Und siehe da: Der Zusatzjoker und ihre Sitznachbarin waren Freundinnen von Enders, die da noch auf ihren Einsatz hoffte. "Mit der haben Sie trainiert", hielt Jauch erstaunt fest. Als sich Enders wenige Minuten später tatsächlich in der Auswahlrunde durchsetzte, strahlten ihre Freundinnen im Publikum. Die Studentin verriet: Sie hätten im gemeinsamen Urlaub mehrere Stunden täglich für ihren Einsatz gelernt.
Das Problem: Während Enders offizieller Begleiter, ihr Freund, wie üblich hinter ihr im Publikum Platz genommen hatte, saßen ihre Freundinnen ihr genau gegenüber und hätten damit selbst unfreiwillig Hinweise auf richtige oder falsche Antworten geben können. Jauch stoppte den Spielablauf kurz und setzte die beiden jungen Frauen um. Sie tauschten die Plätze mit den Sitznachbarn von Enders Freund.
Leider fragte Jauch nicht nach, wie das Ganze überhaupt hatte passieren können. Schließlich sind Karten für "Wer wird Millionär?" derart begehrt, dass die Wartezeit generell über ein Jahr beträgt. Jauch scherzt regelmäßig, dass es einfacher sei, als Kandidat in die Sendung zu kommen denn als Zuschauer. Eine Nachfrage von n-tv.de bei RTL ergab: Zwischendurch springen laut einem Sendersprecher immer mal wieder Zuschauer ab, sodass kurzfristig Plätze freiwerden. Trotzdem scheinen die Freundinnen enormes Glück gehabt zu haben, dass sie genau für diese Sendung zwei Karten ergattern konnten.
Enders gehörte am Ende mit 32.000 Euro zu den Gewinnerinnen des Abends und gesellte sich zu den Favoritinnen für die Endrunde der "3-Millionen-Euro-Woche" am Freitag. Finalisten können dann ihren Gewinn setzen und um die Rekordsumme spielen - je besser sie in der Qualifikation abgeschnitten haben, desto verlockender fällt Jauchs Angebot aus.
WWM: Alt gegen Jung
Nachdem am Montag bereits ein Kandidat mit 8000 Euro den Einzug ins Finale verpasst hatte, traf dieses Schicksal nun einen weiteren Aspiranten. Nelio Stelli aus Tornesch in Schleswig-Holstein war mit 18 Jahren der jüngste Vertreter der "Alt gegen Jung"-Sendung, in der Kandidaten unter 30 und über 70 Jahren konkurrierten. Der Abiturient schaffte es als Erster auf Jauchs heißen Stuhl und glitt souverän durch die ersten Runden. "Sie machen einen leicht unterforderten Eindruck", schmunzelte Jauch anfangs. "Ja, noch", stimmte Stelli zu. Der 18-Jährige bewies dann echte Zockerqualitäten - und wurde anfangs für seinen Wagemut belohnt.
"Welches Szenario, das man bislang nur aus James-Bond-Filmen kannte, wurde im Herbst 2025 in Großbritannien erstmals Realität?", fragte Jauch für 8000 Euro. Zur Auswahl standen: Vergabe des Codes 007, Doktortitel für einen Mr. No, Bau eines "Casino Royale" oder Frau an der Spitze des MI6. Stelli kam rein über Logik und Ausschlussprinzip auf Antwort D. "Sie möchten es auch nicht absichern?", fragte Jauch. "Nö", meinte der Teenager.
Die Regie fackelte nicht lang, loggte ein und das Publikum konnte erleichtert applaudieren. Blaise Metreweli leitet als erste Frau den britischen Auslandsgeheimdienst. Dann aber wurde Stelli übermütig. Die nächste Runde hätte ihm dank der Sicherheitsvariante den Finalplatz gesichert. Jauch wollte wissen, welche Institution 1948 im Rahmen des Marshallplans gegründet wurde.
Der 18-Jährige schloss RKI und WWF aus. "Das müsste eigentlich der BND sein", meinte er - hatte aber keine Ahnung, was sich hinter der vierten Antwortmöglichkeiten "KfW" verbarg. Das störte ihn aber nicht weiter. Jauch versuchte noch, den Schüler zu warnen ("Eben ist es es einmal gut gegangen, aber ..."). Doch als der Moderator eine Entscheidung forderte, loggte Stelli den BND ein, ohne einen seiner zwei verbliebenen Joker zu nutzen. Damit war sein Absturz auf 500 Euro besiegelt.
18-Jähriger stürzt ab
Die richtige Antwort lautete: Kreditanstalt für Wiederaufbau. Der Bundesnachrichtendienst wurde erst 1956 gegründet. Stellis mitgereister Vater sei der eigentliche Verlierer, scherzte Jauch zum Abschied. Denn der Abiturient wollte sich mit dem Gewinn sein Studium finanzieren.
Die neben Enders zweite Finalfavoritin des Abends wurde mit ebenfalls 32.000 Euro Alida Nezamzadeh Kermani. Die Berlinerin faszinierte Jauch von Anfang an. Der Grund: Die 24-Jährige ist Bestatterin. Beinahe hätte sie den Start verstolpert. Bei der 4000-Euro-Frage nach einem sensorischen Konflikt tippte Kermani nämlich auf "Kaufrausch" anstatt auf "Reisekrankheit". Jauch riet ihr zum Joker und das Publikum brachte sie zurück auf die Erfolgsspur.
Glück hatte die Bestattergesellin auch mit ihrem Telefonjoker. Er war zu 70 Prozent sicher, dass Bernhard Vogel (CDU) Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz & Thüringen war und nicht etwa von Schleswig-Holstein & Sachsen. Als sich Kermani beschwerte, dass sich ihr Joker etwas klarer hätte ausdrücken können, meinte Jauch: "Man hat es mit Ihnen aber auch nicht ganz leicht. Gut, dass Ihre Kunden schon tot sind." Er zog die Aussage aber umgehend zurück.
Auch Kermani will ihren Gewinn in ihren Beruf stecken, nämlich in den Meistertitel als Bestatterin. Etwa 10.000 bis 15.000 Euro werde die Ausbildung im zentralen Ausbildungszentrum im fränkischen Münnerstadt kosten, schätzte die Berlinerin. "Was lernt man da: Graben - mit und ohne Bagger?", wollte Jauch wissen. Tatsächlich muss das geübt werden, damit es keinen Toten gibt, wie ein Ausbilder aus Münnerstadt n-tv.de in einem Interview erzählt hat.
Junge Bestatterin macht Jauch Angebot
Nachdem sich Kermani dank der Freundin ihrer Mitspielerin Enders die 32.000 Euro gesichert hatte, freute sich Jauch bereits auf das Wiedersehen am Freitag. Da fiel dem Moderator, der im Sommer 70 Jahre alt wird, ein: "Dürfen Sie auch Potsdamer beerdigen?" Die Bestatterin schnappte bei dem prominenten Kunden in spe sofort zu: "Herr Jauch, kommen Sie gerne vorbei, wenn Sie eine Vorsorge machen wollen."
Beim vorletzten Kandidaten an Tag zwei der "3-Millionen-Euro-Woche" gab es unerwartet ein Wiedersehen mit dem früheren Gewinner Leon Windscheid. Er begleitete Leonard Sträter aus Münster, der 2018 auf Windscheids Ausflugsboot "MS Günther" seine Ausbildung begonnen hatte. "Mein Freund Atze Schröder sagt immer: Sie sind so reich, Sie zahlen die Gewinne hier selber, mittlerweile", meinte der vorvorletzte Sieger von "Wer wird Millionär?". Jauch nahm es gelassen. "Der muss es ja wissen", erwiderte der Moderator und fügte angesichts der Gewinnerflaute der vergangenen Jahre hinzu: "Wir fänden es schon schick. Aber verschenken tut RTL die Million nicht."
Sträter schaffte mit 16.000 Euro den Einzug ins Finale, ebenso wie am Schluss der Sendung Christine Kruse aus Hasselberg. Die ehemalige Bürokauffrau war damit leider die einzige der Ü70-Anwärter, die sich in den Auswahlrunden durchsetzen konnte. Beim reaktionsschnellen Tippen waren die Rentner den Jungen offenbar klar unterlegen. Die gewiefte Pokerspielerin Kruse nutzte ihre Joker klug und stieg bei der 32.000-Euro-Frage aus. "Die ganz große Zockerei verschieben wir dann aufs Finale", meinte Jauch zum Abschied. Am Mittwoch wetteifern selbsternannte Klugscheißer um die Aussicht auf die drei Millionen.