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Zeitschleifen-"Tatort" Und täglich grüßt Murot

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Trägt gerne Bademäntel: Murot (Ulrich Tukur).

(Foto: HR/Bettina Müller)

Eine Zeitschleife hat sowohl Vor- als auch Nachteile: Einerseits kann man sich endlich mal wie die Axt im Walde benehmen, ohne Angst vor den Konsequenzen zu haben. Andererseits ist jeder Tag derselbe. Kommissar Murot nervt das schon nach kurzer Zeit.

Kommissar Murot (Ulrich Tukur) hat ja schon einiges durch: Der Wiesbadener LKA-Ermittler richtete tarantinoeske Massaker an, verlor sich selbst bei einer Krimi-im-Krimi-Ermittlung und hielt Zwiegespräche mit seinem Hirntumor. Wenn Murot draufsteht, ist in der Regel Experimental drin. Das ist auch bei "Murot und das Murmeltier" der Fall. Wer jetzt zwei und zwei zusammenzählt, ahnt bereits, worum es diesmal gehen wird: eine Hommage an Bill Murrays Meisterwerk "Und täglich grüßt das Murmeltier".

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Kommissar Murot geht irgendwann recht leichtfertig mit Waffen um.

(Foto: HR/Bettina Müller)

Wie im großen Vorbild erlebt auch Murot denselben Tag immer und immer wieder aufs Neue: Ein Anruf seiner Assistentin weckt den Kommissar, eine Bank wurde überfallen. Auf dem Weg zum Tatort stolpert die Nachbarin über ihren offenen Schnürsenkel, Murot über den rennenden Nachbarsjungen und ein junger Polizeibeamter über sich selbst - natürlich nicht, ohne dem Kommissar Kaffee über die Hose zu schütten. In der Bank überzeugt Murot eine Geiselnehmerin, die Waffen wegzulegen und hat den zweiten Geiselnehmer ebenfalls fast so weit, bis sich der Ermittler am Ende doch noch einen Kopfschuss einfängt. Und dann beginnt alles wieder von vorn.

Aus unerfindlichen Gründen können sich nur Murot und sein Gegenspieler Stefan Gieseking (Christian Ehrich), der zweite Geiselnehmer, am nächsten Tag an die Ereignisse von gestern erinnern - und verzweifeln Stück für Stück an der täglichen Leier. Für die Zuschauer ist das geradezu ein Jackpot, denn das Leben der beiden in einer Welt ohne Konsequenzen liefert eine Fülle an ebenso schönen wie absurden Bildern: Murot, nur im Bademantel, mit Brecheisen, Kettensäge und Axt im Baumarkt; Murot im Schlafanzug und mit Maschinenpistole im Anschlag auf dem Weg in die Bank; Murot in Freizeitklamotten auf dem Weg aufs Land, um dort einer dicken Gastwirtin eine Sahnetorte ins Gesicht zu drücken, während in der Bank die Menschen sterben, die er eigentlich retten soll.

78.000 Jahre Youtube schauen

Noch schöner sind nur die Dialoge: "Ich hab alles so wie immer gemacht und sie liegen hier jetzt trotzdem tot herum", empört sich Murot nach einem Durchlauf, den er sich anders vorgestellt hatte. "Ich habe eine Kettensäge gekauft. Und damit mache ich mich jetzt auf den Weg zu Nadja Eschenbach", ruft er seiner Kollegin durchs Telefon zu, die ihm eigentlich erst davon erzählen möchte, dass es einen Banküberfall gegeben hat.

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Murot (Ulrich Tukur, r.) und sein Gegenspieler Gieseking (Christian Ehrich) machen gemeinsam eine Menge durch.

(Foto: HR/Bettina Müller)

Und sein Gegenspieler, der an den meisten Tagen phlegmatisch im Chefbüro der Bank herumsitzt und ausgerechnet hat, dass er sich die nächsten 78.000 Jahre mit dem Betrachten von Youtube-Videos die Zeit vertreiben kann, nimmt es auch nicht mehr so richtig ernst mit dem Banküberfall: "Meine Forderungen: Ich will ganz viel Geld. Einen Koffer voll Geld. Zwei Koffer voll Geld. Soooo große Koffer voll Geld. Und ein vollgetanktes, schnelles Auto - einen Ferrari mit Allradantrieb. Und eine Villa mit acht Schlafzimmern, fünf Badezimmern, Pool, Hubschrauberlandeplatz und einem Privatzoo. Und außerdem fordere ich den sofortigen Abbruch der diplomatischen Beziehungen zur Türkei, zu den USA und zu Russland. Und dann hätte ich gerne noch das Bernsteinzimmer. Mehr fällt mir jetzt eigentlich auch nicht ein."

"Murot und das Murmeltier" schafft den Kunstgriff, Murots Verzweiflung über die scheinbar ausweglose Situation glaubhaft rüberzubringen und die Zuschauer dennoch glänzend zu unterhalten - an manchen Stellen kommt man aus dem Lachen nur schwer wieder heraus. Das hat auch mit der comichaften Überzeichnung der diversen Tode zu tun: Denn obwohl der Bodycount von "Murot und das Murmeltier" hart an der eigenen Rekordmarke von "Im Schmerz geboren" kratzt, hat doch fast jeder Tod eine humoreske Komponente. Und es ist ja auch absolut nachvollziehbar, dass sich Murot lieber aus dem Fenster stürzt, als auf den Schlüsseldienst zu warten, wenn er sich selbst ausgesperrt hat: Neue Runde, neues Glück!

Quelle: n-tv.de

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