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"Jens ist jetzt zu Hause" Vox zeigt letzte Tage von Kult-Auswanderer Büchner

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(Foto: imago/Horst Galuschka)

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Im November 2018 starb Jens Büchner plötzlich an Krebs. Heute zeigt Vox die letzten Tage aus dem Leben des Entertainers. Gefilmt wurde auch am Krankenbett. Seine Witwe Danni sagt, Jens wollte das so. Es sei Teil seines Vermächtnisses.

Er war der Kult-Auswanderer schlechthin, das personifizierte Chaos, der tippelnde Tollpatsch mit dem weiten Herzen und dem losen Mundwerk: Jens Büchner, der Mann, der über sich selbst gesagt hat: "Ich hab halt wirklich manchmal den Schuss nicht gehört."

Der einstige Pleitier, der Millionen TV-Zuschauer an seinem Leben teilhaben ließ, das ewige Stehaufmännchen, er hat ihn nicht gewonnen, diesen letzten Kampf gegen den Krebs. Jahrelang hat der TV-Sender Vox den liebenswerten, oft belächelten Chaoten, der den Ballermann aus den Angeln hob, begleitet. Der Sachse ließ sich sogar das Logo des Senders auf seinen Oberarm tätowieren.

Am Montagabend wird es ein letztes Mal ganz besondere, persönliche Einblicke in die letzten Tage von Jens Büchner geben. Seine Witwe Daniela, die nicht Witwe genannt werden will, wird von ihrer Trauer erzählen und dem Versuch, in den schweren Stunden stark zu bleiben. Für Jens, für die Kinder.

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Daniela Büchner

Nach der niederschmetternden Diagnose, die Büchner nur kurz vor seinem plötzlichen Tod erhielt, ist es vor allem der Stärke seiner Frau zu verdanken, dass diese letzten Momente, die Vox jetzt zeigt, zwar traurig, aber auch voller Lebensfreude sind. Denn so war Jens: Ein Bekloppter, der die Leute auch noch am Rollator an seinem Leben hätte teilhaben lassen. Immer Hummeln im Hintern und wohl auch am Gehgestell noch auf der Überholspur.

Tumor in der Lunge, Metastasen im Kopf

Dieses besondere Jens-Büchner-Special gewährt noch einmal ganz intime Einblicke in ein gemeinsames Familienleben, ohne dabei kitschig zu werden. Die Hochs, die Tiefs, der ganz normale Alltagswahnsinn als plötzlicher Patchwork-Papa. Immer an seiner Seite: Seine Ehefrau Daniela, die jetzt wie eine Löwin kämpft, um das Erbe ihres Mannes auf Mallorca fortzuführen. Da ist in erster Linie der Wunsch, mithilfe von Freunden die gemeinsame "Faneteria" wieder zu eröffnen. Denn wie schlecht es Büchner auch ging, die Fans waren ihm wichtig, sie haben es verdient, dass man für sie da ist. Das war Büchners Losung bis zuletzt.

Bis er ihn ausgebremst hat, der Krebs.

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Fans haben es verdient, dass man für sie da ist, sagt Büchner.

(Foto: imago/nicepix.world)

Bei einer Röntgenuntersuchung das erschütternde Ergebnis: Tumor in der Lunge, Metastasen im Kopf und in den Knochen, Krebs im Endstadium. Wir haben teil an dem schweren Gang der Familie, die ihn in seinem aussichtslosen Kampf begleitet. Jens im Krankenhaus: Zu hören ist nur seine schwache Stimme, wir sehen eine Hand, die einen Trinkbecher hält, jemanden, der in einem Krankenbett liegt und nicht mehr Jens ist, zumindest nicht mehr derjenige, der noch Tage zuvor auf der Bühne alles gegeben hat.

Jens ist fort und immer noch da.

Es ist eine schwere Zeit für seine nun alleinerziehende Witwe und die gemeinsamen Kinder, darunter die beiden erst zweijährigen Zwillinge. Jeder verarbeitet seine Trauer anders. Dazwischen immer wieder dieselben Fragen: Wie soll man das schaffen?

"Die größte Hackfresse" schweigt

Alles in der gemeinsamen Finca erinnert an den verstorbenen Familienvater. Es war besonders Daniela Büchner wichtig, den TV-Zuschauern und Fans ihres Mannes zu zeigen, wie es der Familie und den Freunden nach seinem plötzlichen Tod ergeht. Man funktioniert, schon der Kinder wegen. Und es geht eben nicht, dass man sich einfach hinlegt und die Bettdecke über den Kopf zieht.

Es ist ein pietätvoller Blick hinter die Kulissen bei einem Mann, den wohl ganz Deutschland kannte und dessen Tod viele Menschen schockierte, sogar jene, die ihm selbigen gern schon mal an den Hals wünschten. Büchner wusste immer, dass er polarisiert, er hat daraus keinen Hehl gemacht, im Gegenteil: "Schaut mich an, ich bin die größte Hackfresse, ich sehe Scheiße aus und trete im Megapark auf."

Ein letztes Mal noch kommen Bekannte und Weggefährten zu Wort. Ein Freund wird vom Besuch am Krankenbett erzählen und davon, wie Jens sich zum Abschied noch einmal aufrichtete, um zu sagen: "Machs gut, mein Freund!"

Der lockere Motor und die Frauen

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Zwischenzeitlich hatte Büchner nur 3,35 Euro auf dem Konto.

(Foto: imago/Chris Emil Janßen)

Wir blicken aber auch auf Jensers Anfänge zurück, auf das Jahr 2014, als er vollkommen pleite auf einem Bordstein saß. Das Schöne an diesen letzten Bildern und Erinnerungen ist aber vor allem, wie "Goodbye Deutschland" den TV-Zuschauer Büchner noch einmal in all seinen verrückten, urkomischen und, wie er selbst oft sagte, saublöden Aktionen teilhaben lässt.

Etwa, als er das Auto seiner späteren Gattin persönlich nach Mallorca fahren wollte und mit einer Panne liegenblieb. Wie er an der Notrufsäule mit Fluppe zwischen den Fingern halb aufgelöst, halb lässig irgendwas von "Car defekt" und "Motor locker" faselte. Oder: Jens als Geschäftsführer eines Restaurants, Jens und seine Kinder, Jens und die Frauen. Noch kurz vor der Hochzeit mit Daniela soll er ja "fremdgeflirtet haben", weil er "zu viel gezwitschert hat".

Der Mann, der einst mit 3,35 Euro auf dem Konto weise sagte: "Es ist nicht schlimm, Schulden zu haben, schlecht ist, wenn man sie nicht bezahlen kann": Er wird fehlen.

Und so ist es vielleicht auch okay, seine Lieben auf ihrer Reise zurück ins Leben, mit all ihrer Trauer um den Verlust, ein Stück zu begleiten. Wie gehen die Kinder damit um? Was macht man mit der Gewissheit, dass sich die Kleinen wohl später nie an ihren Vater erinnern werden? Wie schafft man es, sich nicht hängenzulassen?

Der Wunsch, da irgendwie doch noch heil rauszukommen, er hat sich nicht erfüllt. Seine Frau und die gemeinsamen Kinder haben in Mallorca "ihr größtes Glück gefunden, aber auch ihr größtes Unglück". Jens hat einmal gesagt: "Das ist schon faszinierend, was das Leben mit einem machen kann. (…) Irgendwann ist es vorbei, dann gibt es den Jens Büchner nicht mehr." Und tatsächlich ist es wohl so, wie einer seiner Wegbegleiter meinte: "Einen wie Jens wird es nie wieder geben!"

Die Urne mit Büchners Asche bewahrt seine Frau im Wohnzimmer auf, mittendrin im Familienchaos, am zentralsten Ort. Das ist in Spanien erlaubt. So hat er immer seine Kinder um sich herum und sie ihn. "Jens ist jetzt zu Hause."

"Goodbye Deutschland: Eine besondere Folge in Erinnerung an Jens Büchner" läuft am heutigen Abend um 20.15 Uhr bei Vox.

Quelle: n-tv.de