Panorama

Sansibar: Schiff völlig überfüllt 200 Tote bei Fährunglück

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Überlebende treiben im Indischen Ozean.

(Foto: AP)

Sansibar steht nach dem schweren Fährunglück mit mindestens 200 Toten unter Schock. Stundenlang versuchen Einsatzkräfte, Passagiere zu retten. Doch die Opferzahl wird wohl noch steigen. Nach ersten Berichten hätte das Schiff nie in See stechen dürfen, die "MV Spice Islander" war völlig überladen.

Der Tod kam kurz nach Mitternacht. Wenige Stunden zuvor hatte die Fähre "MV Spice Islander" den Hafen von Sansibars Hauptinsel Unguja vor der Ostküste Afrikas verlassen. Wie viele Menschen wirklich an Bord waren, dazu gibt es verschiedene Angaben - von 500 bis 1000. Klar ist nur: Das Schiff war überladen, als es in der Nacht auf Samstag kurz vor der Küste der Nachbarinsel Pemba sank.

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Das volle Ausmaß der Tragödie ist noch unbekannt. Die Rettungsarbeiten konnten in vollem Umfang erst nach Sonnenaufgang beginnen, hieß es von offizieller Seite. Im Dunkeln konnten die Rettungskräfte nicht arbeiten. Wertvolle Stunden gingen verloren.

Regierung bestätigt Opferzahl

Bis zum Nachmittag wurden 200 Tote geborgen, sagte ein Rot-Kreuz Mitarbeiter. "Die meisten der Opfer sind Frauen und Kinder", erklärte Joseph Kimaryo. Sansibars Minister für Notfälle, Mohammed Aboud bestätigte diese Zahl. Er berichtete, dass 579 Passagiere gerettet worden seien.

"Wir fanden Überlebende, die sich an Matratzen oder Kühlschränken festhielten, an allem, das irgendwie schwamm", berichtete der Hubschrauberpilot Neels van Eijk dem BBC-Radio von der Rettungsaktion. Er habe etwa 200 Überlebende gesehen, allerdings auch viele Leichen.

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Überlebende werden mit Decken versorgt.

(Foto: AP)

Einige Schiffe hatten bereits den Ort des Unglücks erreicht und suchten nach Überlebenden, sagte er. Die See war nicht sehr rau, aber die Retter konnten die Menschen im Wasser wegen des Wellengangs nur schlecht sehen. "Wir flogen zu den Schiffen und haben sie zu den Überlebenden geleitet", erzählte van Eijk.

Die etwa 60 Meter lange Fähre war für 45 Besatzungsmitglieder und 645 Passagiere zugelassen. Überlebende berichteten jedoch, das Schiff sei völlig überfüllt gewesen.

Rettungskräfte machten sich mit allen verfügbaren Transportmitteln auf die Suche nach Überlebenden. Schiffe der Marine, Fischerboote und sogar Motorboote für Wasserskis wurden eingesetzt. Doch mehr als 12 Stunden nach dem Unglück schwand die Hoffnung auf Wunder. Augenzeugen berichteten von Leichen, die an Sansibars Strände gespült wurden. Rot-Kreuz-Mitarbeiter suchen die Küste nach angeschwemmten Opfern ab.

Angehörige warten auf Nachricht

In den Häfen von Unguja und Pemba bangten die Familien der Passagiere. Tausende hatten sich am Samstag dort eingefunden. Sie hofften, gerettete Freunde und Verwandte in die Arme schließen zu können. Für viele jedoch sollte dieser Samstag zu Trauertag werden. Ihnen blieb nur noch die Aufgabe, die Opfer zu identifizieren. Verletzte würden abtransportiert, aber man sehe auch viele Leichensäcke, berichtete eine britische Touristin der BBC.

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Angehörige kamen an der Küste zusammen.

(Foto: REUTERS)

Ob auch ausländische Touristen an Bord der Unglücksfähre waren, blieb zunächst offen. Deutsche sollen nicht betroffen sein, wie das Auswärtige Amt mitteilte. Die "Gewürzinsel" Sansibar ist jedoch ein beliebtes Urlaubsziel. Zehntausende Deutsche sonnen sich jedes Jahr an den kilometerlangen Stränden.

Es war nicht das erste Mal, dass die 1967 in Griechenland gebaute Fähre in Seenot geriet. Im September 2007, auf dem Weg von Oman nach Tansania, fielen die Motoren aus. Ein Schiff der US-Marine half bei den Reparaturen. Nach zwölf Stunden konnte die "MV Spice Islander" ihre Fahrt fortsetzen. Passagiere waren damals keine an Bord.

Quelle: n-tv.de, Shabtai Gold/Ivonne Marschall, dpa