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Suche nach Sicherheit Deutsche fürchten den Terror

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Die große Angst der Deutschen bleibt der Terrorismus.

(Foto: picture alliance / dpa)

Eine aktuelle Studie zeigt, wovor die Deutschen am meisten Angst haben - und dass die allgemeine Angst gesunken ist. Spitzenreiter sind Terrorismus, Extremismus und Flüchtlinge. Wirtschaftliche Sorgen sind gesunken, dafür nehmen Umweltsorgen zu.

Drei Themen bestimmen die Ängste der Deutschen ganz besonders: Der Terrorismus, der politische Extremismus und Spannungen aufgrund von zugezogenen Ausländern. Zu diesem Ergebnis kommt die neue Studie "Die Ängste der Deutschen" der Versicherung R+V, die seit 1992 einen Überblick über die Sorgen der Bundesbürger liefert.

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Berlin und Baden-Württemberg haben am wenigsten Angst, Sachsen-Anhalt und Thüringen am meisten.

Obwohl alle Ängste auf den ersten zehn Plätzen über 50 Prozent der Befragten plagen, ist die Angst in Deutschland im Schnitt zurückgegangen. Gleichzeitig sind auch die Werte von fast allen Ängsten gesunken. Mit einem Mittelwert von 46 Prozent sind die Deutschen zwar immer noch sehr besorgt, jedoch waren es 2016 noch 52 Prozent - ein Wert, der letztmals 2003 erreicht wurde. Dennoch: Mit 71 Prozent hat die Angst vor terroristischen Anschlägen erneut einen sehr hohen Wert erreicht. "Werte über 70 sind extrem selten", sagt Brigitte Römstedt, die Pressesprecherin der Versicherung.

Dass die Terror-Angst weiterhin so groß ist, erklärt der Politikwissenschaftler Manfred Schmidt mit der unmittelbareren Bedrohung: Der Terror hat Deutschland erreicht. "Terrorismus ist keine Angelegenheit mehr, die nur in Frankreich, Belgien und der Türkei stattfindet", sagt er. "Die Menschen sorgen sich auch um die Bedrohung von Staat und Gesellschaft und dass der Terrorismus dieses Gebilde ins Wanken bringt."

Sorge um Arbeitslosigkeit sinkt auf Rekordtief

Nach dem Terror von außen steht der politische Extremismus an zweiter Stelle, wobei die Studie nicht zwischen linkem oder rechtem Extremismus unterscheidet und islamistischen Extremismus ausklammert. 62 Prozent der Befragten gaben an, Angst vor jedwedem Extremismus zu haben. Allerdings werde Extremismus je nach Standort unterschiedlich definiert, so Schmidt. "Die meisten assoziieren damit Rechtspopulismus. Dahinter verbirgt sich aber auch die Angst, dass damit die die Stabilität der Bundesrepublik in Frage gestellt wird." Zudem sei die politische Ausrichtung ausschlaggebend - bei Wählern der Grünen und Linken sei die Extremismus-Angst deutlich ausgeprägter.

Wie schon der Terrorismus erreicht die Angst vor Spannungen mit Flüchtlingen im Vergleich hohe Werte: Die 62 Prozent sind der zweithöchste jemals gemessene Wert. Die drei größten Ängste unterstreichen laut Schmidt die deutsche "Suche nach Sicherheit".

Ganz anders sieht es in den wirtschaftlichen Aspekten aus, denn hier erreicht die Studie bislang unerreichte Rekordtiefen. Besonders die Angst vor allgemein steigender, aber auch der eigenen Arbeitslosigkeit ist so tief wie noch nie zuvor und beschäftigt nur 26 beziehungsweise 27 Prozent der Befragten. Damit bildet diese Angst fast das Schlusslicht der Ängste. Einzig die Angst vor dem Ende der Partnerschaft ist mit 17 Prozent noch geringer.

"Die Ergebnisse spiegeln die Verbesserung der Wirtschaft wider", findet Schmidt. Diese habe in den vergangenen Jahren stark zugenommen und mehr Arbeitsplätze geschaffen, wodurch dann auch die Arbeitslosigkeit gesunken sei. "Das ist ein massiver Rückgang, auch im Osten, wo die Arbeitslosigkeit traditionell höher ist." Ein bemerkenswerter Befund sei außerdem die hoch eingestufte Angst vor der EU-Schuldenkrise, die - so sagt es der Politologe - von der Politik totgeschwiegen werde.

Dosiertes Trump-Dreschen beruhigt

Drei Überraschungen weist die Studie auf: Zum einen ist da die gesunkene Angst vor überforderten Politikern, was laut Schmidt direkt mit der bevorstehenden Bundestagswahl zu tun hat. Warum es so ist, "ist nicht eindeutig zu erklären. Man kann aber sehen, dass die Politikverdrossenheit vor solchen Wahlen zurückgeht; die Bevölkerung schätzt den Streit zwischen den Parteien", sagt Schmidt. Als einzige Werte zugelegt haben hingegen die Ängste vor Schadstoffen im Essen (58 Prozent) und Naturkatastrophen (56 Prozent). Der kürzlich entbrannte Skandal um das Pflanzenschutzmittel Fipronil hatte keine Auswirkung auf die Umfrage, da diese davor stattfand.

Entgegen der Erwartungen von Manfred Schmidt erreicht die Frage, ob sich die Befragten um einen Bruch zwischen Deutschland und den USA sorgen, keine Top-Werte. Das liegt seiner Einschätzung nach vor allem daran, dass Außenpolitisches weit vom Erfahrungshorizont der Befragten entfernt sei und dass die Leute gelassener seien. "Unsere Politiker dreschen moderat auf Trump ein." Das wirke "beruhigend".

Nachdem im vergangenen Jahr Hessen im Bundesvergleich die größten Ängste hatte, ist es nun Sachsen-Anhalt. Berlin steht erneut an letzter Stelle, gefolgt von Baden-Württemberg. Auffällig ist, dass Sachsen als einziges Bundesland einen erhöhten Angst-Index hat; hier ist die durchschnittliche Angst um einen Prozentpunkt auf 49 Prozent gestiegen. In 13 Bundesländern steht der Terrorismus an erster Stelle, in den verbleibenden drei ist die Angst vor zugezogenen Ausländern größer. Kaum verändert hat sich bundesweit, dass Frauen ängstlicher sind als Männer. Dafür ist der Durchschnitt im Westen und Osten der Bundesrepublik mit nur einem Prozentpunkt Unterschied nunmehr fast gleich.

"Die Ängste der Deutschen 2017" ist die 26. Ausgabe der Langzeitstudie. Zwischen Juni und Juli wurden 2400 Menschen ab einem Alter von 14 Jahren befragt. Die detaillierten Ergebnisse gibt es unter www.die-aengste-der-deutschen.de.

Quelle: n-tv.de

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