Panorama

Auf dem Weg nach Biwak 3 Höhlenretter müssen Steilwände hoch

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Die Bedingungen vor Ort fordern den Rettern körperlich und mental alles ab.

(Foto: dpa)

Seit Freitag 17.48 Uhr läuft der Transport des verunglückten Höhlenforschers Westhauser. Bisher ging es vor allem waagerecht geradeaus und gut voran. Doch jetzt kommt das Rettungsteam mit seinem schwer verletzten Patienten an eine besonders gefährlich Stelle.

"Es ist zugig, es ist schwierig, es ist steil", so beschreibt der Sprecher der Bergwacht, Stefan Schneider, ganz allgemein die Bedingungen bei der Rettungsaktion für den Höhlenforscher Johann Westhauser. Für die nächste Etappe könnte man jedes Mal ein "extrem" hinzufügen. Denn nach der Ruhepause am Biwak 4 in der der Riesending-Schachthöhle wird es extrem zugig, extrem schwierig und vor allem extrem steil.

Gegen diesen Abschnitt war der bisherige Weg ein Spaziergang. Bislang haben sich die Retter weitgehend waagerecht im Berg auf 900 Metern Tiefe bewegt. Zum Erreichen von Biwak 3 muss das Rettungsteam nun jedoch streckenweise an spiegelglatten Steilwänden senkrecht in die Höhe klettern. Auf die Mithilfe des Verletzten können sie dabei kaum hoffen, sie müssen froh sein, dass Westhauser bei Bewusstsein ist und aufrecht stehen kann. Die Ärzte haben den 52-Jährigen für den strapaziösen Transport in einen "medikamentösen Schutzmantel" gehüllt.

Denn das Rettungsteam aus Einsatzkräften der Bergwacht sowie mehreren Ärzten muss den Verletzten in seiner Trage an Seilzügen nach oben hieven. Das ist unbequem und anstrengend, vor allem für jemanden, der eigentlich mit seinen schweren Verletzungen auf der Intensivstation liegen müsste. Es sei wichtig, den Patienten möglichst gut abzuschirmen - auch vor Kälte und "vor allem, was einem so empfindlichen Gehirn jetzt noch geschehen könnte", hatte Schneider dazu gesagt.

Nass, kalt, dunkel

Die Gegebenheiten in diesem Teil der Höhle sind besonders schwierig: An der Wand des ersten Abschnitts, der sogenannten "Großen Schräge", läuft ein 200 Meter langer Wasserfall herab. Wolfgang Farkas, der als erster Notfallmediziner zu Westhauser absteigen wollte, schilderte dem "Spiegel" seine Eindrücke aus der Höhle. Was Farkas beschreibt, macht deutlich, wie schwierig die Mission der Retter ist. "Die Steilhänge sind zwischen 60 und 180 Meter lang. Auf die eine senkrecht abfallende Felswand folgt gleich die nächste." Durch die nahegelegenen Wasserfälle werden die Kletterer bis auf die Haut durchnässt. Bei Umgebungstemperaturen von 1,5 bis 5 Grad Celsius kühlen die Körper zudem schnell aus. Die rutschigen Wände bieten keinen Halt und auch die schmutzigen und nassen Seile mit den klammen Fingern zu halten, verlangt bereits äußerste Anstrengung,

Die bisher schwierigste Etappe der Rettung wird deshalb Zeit brauchen. Bis die Gruppe am Biwak 3 in rund 700 Metern Tiefe ankommt, sollen nach Angaben der Bergwacht bis zu zwei Tage vergehen. Ein österreichisches Team von Alpinisten hat diese Strecke für den Transport vorbereitet, neue Seile verlegt, Metallstifte und Haken gesetzt. Außerdem statteten sie die Biwakplätze mit Essensvorräten, Kochern und Schlafsäcken aus, damit die Retter rasten können und Kraft sammeln für den weiteren Aufstieg.

Seit 17.28 Uhr am vergangenen Freitagabend wird der Karlsruher Wissenschaftler aus der Höhle transportiert. Zuvor musste der 52-Jährige fünf Tage lang am Unglücksort in der tiefsten und extremsten Höhle Deutschlands ausharren.

Bislang hat es auf dem Transport des schwer verletzten Forschers keine Komplikationen gegeben: Die Rettung verlaufe noch immer nach Plan, sagte ein Sprecher der Bergwacht am Morgen. Nach jeder Teilstrecke wechseln die Rettungskräfte und der behandelnde Arzt, insgesamt sind etwa 100 Retter im Einsatz. Der erfahrene Höhlengänger Westhauser, der am Institut für Angewandte Physik des Karlsruher Instituts für Technologie arbeitet, hatte durch einen Steinschlag in 1000 Metern Tiefe ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten.

Quelle: n-tv.de, mit dpa