Panorama

115.000 Menschen pro Tag Israel impft weltweit am schnellsten

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Eine Ärztin impft einen Israeli in Tel Aviv.

(Foto: REUTERS)

In Deutschland haben an den ersten beiden Tagen 42.000 Menschen eine Impfung gegen das Coronavirus erhalten. Im sehr viel kleineren Israel erhalten allein am Montag 115.000 Menschen den lebensrettenden Piks. Weltweit ist keine Impf-Kampagne schneller.

In Israel sind in den vergangenen zehn Tagen bereits rund eine halbe Million Menschen gegen das Coronavirus geimpft worden. Nach Angaben des israelischen Gesundheitsministeriums waren es allein am Montag 115.000 Israelis. Laut der Webseite Our World in Data der Universität Oxford haben damit bereits knapp 5,7 Prozent der israelischen Bevölkerung die erste von zwei notwendigen Vakzin-Dosen erhalten. Pro 100 Einwohner ist das kleine Land somit weltweit führend bei der Zahl der Geimpften, es folgen Bahrain und Großbritannien.

In Deutschland sind nach Angaben des Robert-Koch-Institutes in den ersten beiden Tagen knapp 42.000 Menschen geimpft worden. Knapp ist das Vakzin hierzulande derzeit vor allem deshalb, weil die EU-Kommission den Impfstoff zentral bestellt hat und dieser gerecht an alle 27 EU-Staaten verteilt wird. Außerdem besitzt bisher nur das Mittel von Biontech und Pfizer eine EU-Zulassung. Davon sollen bis September 2021 rund 200 Millionen Dosen geliefert sein. Jeweils bis zu rund 400 Millionen Dosen hat die EU bei den Herstellern Astrazeneca, Curevac und Johnson&Johnson bestellt. Diese hinken bei der Entwicklung allerdings hinter Biontech und Pfizer her.

Die Kommission hat ihre Beschaffungsstrategie verteidigt: Ziel sei ein vielfältiges Sortiment unterschiedlicher Hersteller gewesen, um sicher zu sein, dass die Europäer bei den ersten Lieferungen mit dabei sind. Einige EU-Staaten würden aber bestimmte Impfstoffe bevorzugen, sagte ein Kommissionssprecher. Man prüfe, wie das ermöglicht werden könnte.

*Datenschutz

Die Pharma-Industrie rechnet damit, dass in Deutschland schon bald eine größere Zahl an Impfstoff-Dosen zur Verfügung steht. "Wir sehen in Deutschland sechs Tage nach der Zulassung erste Corona-Impfungen, und wir werden im Januar noch deutlich mehr Impfungen haben, weil immer mehr der vom Staat bestellten Mengen geliefert werden", sagte der Präsident des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller (vfa), Han Steutel, der "Rheinischen Post".

Dies funktioniere nur, weil die Hersteller vorproduziert hätten. "Jeder weitere Hersteller, der eine Zulassung erhält, wird ebenfalls mit vorproduzierten Chargen schnell im Markt sein", prophezeite Steutel. Er verwies darauf, dass gerade überall in Deutschland Produktionskapazitäten für den Corona-Impfstoff hochgefahren würden, etwa in Mainz, Idar-Oberstein, Marburg, Laubheim, Dessau, Brehna und Tübingen.

Hohe Infektionszahlen

In Israel war am Sonntagnachmittag ein dritter Teil-Lockdown in Kraft getreten, der zunächst zwei Wochen dauern soll. Es wird jedoch mit einer Verlängerung um mehrere Wochen gerechnet. Zwei Tage nach Beginn sind die Infektionszahlen auf den höchsten Stand seit drei Monaten geklettert. Das Gesundheitsministerium teilte mit, binnen 24 Stunden seien 5449 neue Fälle registriert worden - zuletzt waren die Zahlen Anfang Oktober so hoch. Im gleichen Zeitraum haben die deutschen Gesundheitsämter 12.892 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Deutschland hat allerdings etwa neunmal so viele Einwohner wie Israel.

Die israelische Regierung will so schnell wie möglich alle Risikogruppen impfen und dann die Wirtschaft wieder öffnen. Von Mitte Januar an sollen für Geimpfte, die zwei Dosen erhalten haben, "grüne Pässe" ausgestellt werden, die ihnen verschiedene Freiheiten gewähren. Dazu gehört etwa die Befreiung von der Quarantänepflicht für Staatsbürger bei der Einreise nach Israel. Für Ausländer gelten in Israel gegenwärtig noch strikte Einreisebeschränkungen.

Quelle: ntv.de, chr/dpa/DJ