Panorama

Sozialsparpläne der RegierungMehrheit der Deutschen offen für Kürzungen bei Bafög und Elterngeld

18.09.2026, 17:08 Uhr IMG_2306 (1)Von Raya Emilia Frick
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Bafög und Elterngeld werden reformiert. (Foto: picture alliance/dpa)

Die Bundesregierung will beim Bafög und Elterngeld den Rotstift ansetzen. Es sollen Millionen eingespart werden. Eine Studie zeigt, dass die Bevölkerung Einschnitte teilweise befürwortet - besonders eine Generation.

Eine Mehrheit der Bevölkerung steht Kürzungen beim Elterngeld und beim Bafög nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber. Ältere Menschen befürworten Kürzungen jedoch deutlich öfter als jüngere. Das zeigt eine repräsentative Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Angesichts geplanter Einsparungen der Bundesregierung bei bestimmten staatlichen Sozialleistungen wurden von Februar bis September 2025 insgesamt 11.485 Personen ab 15 Jahren befragt.

Besonders hoch ist die Zustimmung, wenn Leistungen nur bei bestimmten Gruppen gekürzt werden sollen. Einschnitte beim Elterngeld für bestimmte Empfängergruppen befürworten 80 Prozent der Befragten, 60 Prozent sprechen sich für geringere Bafög-Leistungen für bestimmte Gruppen aus. Über die Hälfte der Befragten ab 65 Jahren befürwortet Bafög-Kürzungen für Studierende mit schlechten Leistungen. Bei den unter 45-Jährigen sind es lediglich 27 Prozent. Bafög-Kürzungen für Personen, die erst seit Kurzem in Deutschland sind, heißen 26 Prozent der Älteren gut, aber nur 16 Prozent der jüngeren Befragten.

Die geringsten Zustimmungswerte für Kürzungen finden sich jeweils für Studierende in Fächern mit schlechten beruflichen Perspektiven, wie Geistes- oder Kulturwissenschaften. Sie liegen unter älteren Befragten bei 23 Prozent und unter jüngeren bei 11 Prozent. "Besonders hohe Zustimmung finden Kürzungen bei Gruppen, denen eine geringe Bedürftigkeit oder Leistungsbereitschaft zugeschrieben wird", fasst Studienleiter Mark Trappmann zusammen.

Beim Elterngeld ist der Abstand noch größer: Kürzungen für Vermögende unterstützen 85 Prozent der älteren, aber nur 54 Prozent der jüngeren Befragten. Kürzungen für Personen mit höheren Einkommen stimmen 77 Prozent der Älteren, aber nur 40 Prozent der Jüngeren zu. "Jüngere und Ältere sind sich zwar erstaunlich einig darin, bei welchen Gruppen Kürzungen eher gerechtfertigt erscheinen", sagt WZB-Forscher Stefan Munnes. "Allerdings sind es ältere Menschen, die möglichen Kürzungen bei Bafög und Elterngeld eher zustimmen, also diejenigen, die von den Leistungen selbst nicht profitieren."

Parteipräferenz spiegelt sich wider

Die Studie zeigt auch einen Einfluss von Bildung und Parteipräferenzen. Hochschulabsolventinnen und -absolventen befürworten Bafög-Kürzungen seltener als Menschen ohne beruflichen Abschluss. Die Anhänger von Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke lehnen Streichungen beim Bafög am häufigsten grundsätzlich ab. Bei Kürzungen des Elterngeldes für Vermögende ist die Zustimmung über die Parteigrenzen hinweg vergleichsweise hoch. "Die Debatte dreht sich nicht darum, ob sich Leistungen kürzen lassen. Entscheidend ist viel mehr die Frage, wen solche Kürzungen treffen sollen", schlussfolgert IAB-Forscher Jonas Aljoscha Weik.

Hintergrund der Debatte sind Sparpläne der Bundesregierung im Haushaltsentwurf 2027. Familienministerin Karin Prien plant, die Bezugsdauer beim Elterngeld von 14 auf 12 Monate zu kürzen. Der Etat soll um 440 Millionen Euro von 7,51 auf 7,07 Milliarden Euro sinken. 2025 bezogen nach Angaben des Statistischen Bundesamts 1,6 Millionen Menschen Elterngeld. Junge Leute mit Bafög sollen ein halbes Jahr später als ursprünglich geplant eine höhere Wohnkostenpauschale bekommen - nicht im kommenden Wintersemester, sondern erst im nächsten Sommersemester. Mehr als 600.000 Studierende und Schüler sind davon betroffen.

Quelle: ntv.de

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