Panorama

Taifun "Haiyan" wütet auf den Philippinen Minister befürchtet Hunderte Tote

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Diese Szene aus einem Video zeigt Autos, die in Tacloban in der Provinz Leyte weggespült wurden.

(Foto: Reuters)

Er gilt als einer der stärksten Wirbelstürme aller Zeiten. Auf den Philippinen verwüstet Taifun "Haiyan" nun ganze Landstriche. Die genaue Opferzahl ist noch unklar, ein Minister spricht von Hunderten Toten. Derweil bereitet sich Vietnam auf den Taifun vor.

Der gewaltige Taifun "Haiyan" hat auf den Philippinen wie befürchtet Chaos und Verwüstung hinterlassen. Vier Millionen Menschen in 36 Provinzen sind nach Angaben der Behörde für Katastrophenschutz betroffen. In Tacloban City lägen die Leichen auf den Straßen, sagte John Andrews, Vize-Direktor der Zivilluftfahrtbehörde, im Fernsehen. Andrews bezog sich auf Angaben seines Stationsmanagers vor Ort.

Die Armee sei inzwischen vor Ort und berge die Leichen, sagte ein Sprecher. Er konnte keine Angaben über die Zahl der Opfer machen. Energieminister Jericho Petilla sagte dem Sender ABS-CBN, dass "Haiyan" auf den Philippinen womöglich Hunderte Menschen in den Tod gerissen habe. Die Inselprovinzen Samar, Leyte und Bohol waren komplett von der Stromversorgung abgeschnitten.

"Viele Menschen kamen um"

Rote-Kreuz-Mitarbeiter berichteten von massiven Zerstörungen in Tacloban. "Es dürften 80 Prozent der Stadt zerstört sein", sagte Bernd Schell, Koordinator des Deutschen Roten Kreuzes in der Hauptstadt Manila, der Nachrichtenagentur dpa. Bei massiven Kommunikationsstörungen sei es den DRK-Mitarbeitern nur einige wenige Male gelungen, sich über Satellitentelefon zu melden, sagte Schell. Niemand habe bislang eine Übersicht über das Ausmaß der Katastrophe, betonte er. "Wir hören von Dutzenden Toten", sagte er. "Die ganze Stadt liegt voller Trümmer." Tacloban ist eine Hafenstadt mit 220.000 Einwohnern in den Zentralphilippinen.

Der UN-Nothilfe-Koordinator Sebastian Rhodes Stampa meldete: "Das letzte Mal, dass ich Zerstörung in diesem Ausmaß gesehen habe, war nach dem Tsunami 2004 im Indischen Ozean." Die Verwüstung habe gewaltige Ausmaße. "Autos liegen überall verstreut und die Straßen sind voller Schutt und Trümmer." Die Straßen seien völlig unpassierbar. Als einzige Chance, Betroffene zu erreichen, bliebe der Hubschrauber.

"Es gab in der Region massive Schäden, es steht fast kein Haus mehr", sagte der Sprecher der Behörde für Katastrophenschutz, Reynaldo Balido. "Viele Menschen kamen um." Konkrete Angaben über Schäden und Opfer waren weiter nicht möglich, weil die Region noch immer keine Strom- und Telefonverbindungen hat und der Zugang durch Erdrutsche und umgestürzte Bäume erschwert wird.

Die Behörden mobilisierten tausende Soldaten und Helfer, um die Menschen im Katastrophengebiet in den Zentralphilippinen zu versorgen. Mancherorts kamen sie nach Medienberichten aber nur zu Fuß weiter. Die Armee war auch mit Hubschraubern im Einsatz. "Haiyan" war mit Windgeschwindigkeiten bis zu 300 Kilometern in der Stunde einer der gewaltigsten Taifune, die je Land erreicht haben.

Ganze Dörfer überschwemmt

"Wir haben von unserem Stationsmanager in Tacloban gehört und er spricht von mindestens 100 Toten und mindestens 100 Verletzten", sagte Andrews. "Sie haben Hilfsgüter und Hilfe für Verletzte angefordert." Das Flughafengebäude der Hafenstadt sei zerstört, sagte er dem Sender ABS-CBN. Der lokale Fernsehsender berichtete zudem von Überschwemmungen, die drei Stockwerke hoch reichten.

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"Haiyan" hatte rekordverdächtige Windgeschwindigkeiten, als er auf Land traf.

(Foto: REUTERS)

Strom und Telefon funktionierten dort nicht. Der Stationsmanager habe über Funk kommuniziert. Tacloban liegt an der San Pedro und San Pablo-Bucht auf der Insel Leyte, genau in der Region, über die das Auge des Taifuns zog. Meterhohe Sturmfluten überschwemmten dort Straßen, berichteten Hilfsorganisationen. Mitarbeiter von World Vision berichteten von ungeheuren Regenmassen. Ganze Dörfer stünden unter Wasser, sagte ein Sprecher. Selbst stark befestigte Gebäude mit Metalldächern seien umgeweht worden.

Taifun "Haiyan" tobte derweil wieder über dem offenen Meer und nahm Kurs auf Vietnam. Dort sollte er nach Angaben von Meteorologen als gefährlicher Kategorie 4-Sturm am Sonntag Land erreichen. Das entspräche Windgeschwindigkeiten von bis zu 250 Kilometern in der Stunde. Von dem gewaltigen Taifun seien voraussichtlich auch Teile von Kambodscha, Laos und Südchina betroffen.

Tausende Menschen werden evakuiert

In Vietnam lief eine große Evakuierungsaktion an. Rund 100.000 Menschen wurden von den Behörden aufgefordert, ihre Wohnungen zu verlassen und in Gemeinschaftsunterkünften Zuflucht zu suchen. Der vietnamesische Regierungschef Ngyuen Tan Dung sagte "komplizierte Entwicklungen" für seine Landsleute voraus. Vor allem in den zentralvietnamesischen Provinzen Danang und Quang Nai wurden Sicherheitsmaßnahmen angeordnet.

"Haiyan" ist einer der stärksten Wirbelstürme seit Menschengedenken. Auf einer Breite von 600 Kilometern fegte der Sturm über die Philippinen hinweg, 18 Millionen Menschen leben in dem betroffenen Gebiet. Sturmfluten mit bis zu fünf Meter hohen Wellen suchten die Ostküste heim, teilte die UN-Katastrophenhilfe (OCHA) mit. Hunderttausende Menschen flohen aus den Küstengebieten.

"Die Stärke dieses Taifuns sprengt alle Kategorien", sagte Michael Padua, Taifun-Spezialist der privaten Wetterstiftung in Manila, die eigene Vorhersagen anbietet. "Wir rechnen mit katastrophalen Schäden", betonte Padua.

Quelle: ntv.de, dpa/AFP

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