Panorama

Farmer sorgen sich um Felder Mississippi-Flut verschont Memphis

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Ein von der Flut mitgerissener Bus in Satartia.

(Foto: AP)

In Memphis atmen die Bewohner leicht auf. Vorerst halten die Dämme, als die Mississippi-Flutwelle die Stadt erreicht. Doch die Frage ist: wie lange noch? Schließlich soll sich der breite Pegel des Stroms dort bis zu 36 Stunden halten. Flussabwärts wächst indes die Furcht.

Vorsichtiges Aufatmen in Memphis: Die Dämme der historischen Stadt haben der standgehalten. Gegen zwei Uhr morgens Ortszeit sei am Dienstag die knapp 14,6 Meter hohe Welle angekommen, berichtete Bill Borghoff, ein Sprecher des Nationalen Wetterdienstes. Zwar standen Teile des Ortes unter Wasser, die erwartete Katastrophe blieb jedoch - vorerst - aus.

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Der Mississippi überschwemmt auch Kasinos in Tunica.

(Foto: AP)

Die Menschen im Mississippi-Delta sind auf das Schlimmste gefasst. Doch auch die rund 920 000 Menschen im Großraum Memphis mussten weiter bangen: Der hohe Pegel des breiten Stroms sollte sich dort bis zu 36 Stunden halten. Das Wasser sinke unter Umständen binnen fünf Tagen nur um 30 Zentimeter, kündigte ein Experte des Armeekorps der Ingenieure an. Die Dämme müssen damit weiter großem Druck standhalten.

"Der Fluss, der hier normalerweise eine halbe Meile breit ist, ist nun auf drei Meilen (4,8 Kilometer) angewachsen", schätzte ein Augenzeuge. Tiefer liegende Teile von Memphis wurden von brauner Brühe umspült. An den Wänden verlassener Häuser türmten sich Kisten, Tonnen und Kinderspielzeug, die Anwohner dort vor ihrer Flucht schnell befestigt hatten. Das Wasser stand an einigen Häusern bis über die Fenster der Erdgeschosse und schwappte über geparkte Autos hinweg. 900 Häuser waren am Montag geräumt worden, hunderte Menschen kamen in Notunterkünften unter.

"So gut wie verloren"

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Der Scheitel lag bei über 14 Metern.

(Foto: REUTERS)

Einige Meilen weiter flussabwärts rüsteten sich Farmer für die stark verschmutzten Wassermassen des "Old Man River". Mit selbst gebauten Dämmen versuchten sie, ihre Felder zu schützen. "All mein Getreide ist so gut wie verloren", sagte ein Farmer dem Radiosender npr. "Eigentlich ist das alles umsonst, aber es wäre auch nicht gut, gar nichts zu tun."

Auch im Mississippi-Delta wuchs die Furcht vor der stetig schwellenden Welle. Im Ort Angola im US-Bundesstaat Louisiana wurden die ersten von 5000 Insassen des Staatsgefängnisses evakuiert. Nördlich von New Orleans war am Montag ein Ablauf des Mississippi geöffnet worden, um für Entlastung zu sorgen. Von dort fließt das Hochwasser in den Pontchartrain-See und dann in den Golf von Mexiko. Das Armeekorps der Ingenieure plädierte bereits dafür, einen weiteren Not-Ablauf zu öffnen.

Historische Wasserstände teils übertroffen

Präsident Barack Obama erklärte Teile der betroffenen Staaten zu Katastrophengebieten. Die drohende Überschwemmung könnte nach Befürchtungen der Meteorologen schlimmer werden als die verheerenden Fluten von 1937 und 1927. Bei letzterer kamen Hunderte Menschen ums Leben, 700.000 mussten fliehen. Eine Fläche von 70.000 Quadratkilometern wurde damals in den US-Staaten Arkansas, Illinois, Kentucky, Louisiana, Missouri und Tennessee überschwemmt.

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Vielerorts steht das Wasser bereits.

(Foto: AP)

Teilweise wurden die historischen Wasserstände sogar bereits übertroffen. Vor allem im tiefliegenden Delta des Flusses drohe zahlreichen Häusern in den kommenden Tagen und Wochen die Überschwemmung, sagte der Meteorologe Tom Bradshaw. Im Gegensatz zu 1937 gebe es aber heute zahlreiche Deiche, die das Wasser aufhielten. Daher gebe es keine Massenfluchten, und es würden auch nicht ganze Städte weggeschwemmt, wie es damals der Fall war.

Ursache des Hochwassers sind heftige Regenfälle im vergangenen Monat, die die ohnehin durch die Schneeschmelze bereits angeschwollenen Flüsse zum Überlaufen bringen. Den Überschwemmungen vorausgegangen waren schwere Stürme in der Region sowie eine Serie von Tornados, durch die in mehreren Südstaaten insgesamt 350 Menschen ums Leben kamen.

Der Mississippi ist mit knapp 3800 Kilometern einer der längsten Flüsse der Welt. Er entspringt im nördlichen Minnesota, fließt durch den mittleren Teil der USA und mündet in den Golf von Mexiko.

Quelle: ntv.de, ghö/AFP/dpa

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