Panorama

Hitzeschlacht und Unwetter Neue Wüstenluft bringt den "Blutregen"

imago91638702h.jpg

Nach der Hitze die Gewitter - daran ändert sich zunächst nichts.

(Foto: imago images / Jan Eifert)

In den kommenden Tagen geht es mit den hohen Temperaturen weiter. Vor allem im Osten des Landes wird es zu Beginn des Wochenendes einfach nur heiß. Und beinahe überall bilden sich wieder teils schwere Gewitter. Zeit zum Durchatmen bringt die neue Woche. Doch die Ruhe dauert wohl nur wenige Tage, wie n-tv Meteorologe Björn Alexander weiß.

n-tv.de: Die große Hitze scheint auch hier im Osten vorüber zu sein. Bleibt es auch am Wochenende so angenehm?

Björn Alexander: Zumindest für den Samstag habe ich da eher schlechte Nachrichten in Sachen Hitzeschlacht. Denn bereits kurz vorm Wochenende holt der Hochsommer nochmals richtig aus. Die Strömung dreht über ganz Mitteleuropa auf Süd und damit wird Heißluft aus der Westsahara über die Alpen nach Deutschland transportiert.

Was bedeutet das konkret?

Spürbar ist das einerseits natürlich durch die ansteigenden Temperaturen. Es wird zum Teil drückend heiß bis schwül bei bis zu 35 Grad. Andererseits steigt die Staubkonzentration in der Atmosphäre. Dementsprechend wird die Atmosphäre - besonders im Süden unseres Landes - trüber und die Sonne dürfte eher milchig wirken. Zumal sich auch noch hohe Wolken mit dazwischen mogeln.

Wie lange bleibt es denn so heiß?

Erst einmal nicht allzu lange. Denn die Hitze kommt zwar rasant, wird aber zum Sonntag wieder aus unseren Breiten verdrängt, so dass auch die kommende Woche eher normal sommerlich temperiert startet. Erst zur Mitte der nächsten Woche könnte es neuerlich heißer werden. Allerdings kündigt sich damit dann auch ein weiteres Tiefdruckgebiet an, so dass es rasch wechselhafter werden könnte. Im Vergleich zum letztjährigen Dauer- und Dürresommer erleben wir in diesem Jahr also vorerst einmal den eher typischen mitteleuropäischen Sommer auf einem insgesamt erhöhten Temperaturniveau. Verglichen mit dem Gesamtmonat verlief der Juni deutschlandweit betrachtet bisher über drei Grad Celsius zu warm. Hervorstechend ist hierbei natürlich der Osten, der aber durch die Unwetter gleichzeitig bereits das Regensoll für den gesamten Monat übererfüllt hat. 

Und nicht nur hierzulande ist zu viel Wasser teilweise zum Problem geworden. Auch aus den Alpen gibt es Hochwassermeldungen, oder?

Björn Alexander

Zumindest das Monatssoll beim Niederschlag ist übererfüllt. n-tv Meteorologe Björn Alexander stellt weiter Hitze in Aussicht.

So ist es. An den Oberläufen von Inn (Schweiz/Österreich) und Rhein (Schweiz) wurden gestern nochmal extreme Wasserstände und Wassermengen registriert. Der Rhein kurz vor dem Bodensee führte gestern Nachmittag kurzzeitig 2000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde.

Zur Einordnung: Wie viel ist das?

Das ist genau die Menge, die gestern zur selben Zeit in Köln an der Hohenzollernbrücke registriert wurde. Nur dass Köln eben einige hundert Kilometer flussabwärts liegt und dass auf diesen Kilometern weitere Flüsse ihr Wasser in den Rhein hinzu geben. Das heißt im Umkehrschluss: würde der Bodensee nicht als Puffer beziehungsweise als Zwischenspeicher fungieren (es gehen nur 750 Kubikmeter bei Konstanz wieder raus), dann läge der Wasserstand in Köln jetzt rund zwei Meter darüber. Und natürlich ist die Lage in Österreich ähnlich. So meldet auch der "kleine" Inn bei Innsbruck einen Durchfluss von fast 1500 Kubikmeter pro Sekunde.  

Welche Tendenz ist bei der Hochwasserlage zu sehen?

Durch die Regenpause, die sich auch in den Alpen derzeit durchgesetzt hat, ist die ganz große Katastrophe vorerst ausgeblieben. Die Saharaluft wird zum Wochenende das Schmelzen aber nochmals verstärken. So bekommt der höchste deutsche Berg, die Zugspitze mit knapp 3000 Metern, Höchstwerte bis über zehn Grad und somit liegt die Nullgradgrenze weit über 4000 Meter. Zudem setzen spätestens am Samstag neuerlich gewittrige Regengüsse ein. Kurzum: in Sachen Hochwasserlage gibt es im Alpenraum leider keine Entwarnung und der Bodensee, der bereits jetzt Hochwasser meldet, wird weiter ansteigen. 

Dann schauen wir mal auf unser Wochenende: was erwartet uns am Samstag?

Verbreitet wird es schwül-warm bis -heiß und gewittrig. Dabei steigt in der energiereichen Luft, die oft Spitzenwerte zwischen 20 und 30 Grad bringt, abermals die Gefahr von Unwettern. Lediglich der Osten bleibt lange sonnig und dementsprechend am heißesten bei bis zu 35 Grad. Erst abends und nachts müssen Sie im Osten ebenfalls mit Schwergewittern rechnen, die für Abkühlung sorgen.

Und was macht der Saharastaub?

Der wird mit dem Regen aus der Luft ausgewaschen und legt sich bei idealer Regenstärke - also nicht zu viel und nicht zu wenig - auf unsere Autos, Gartenmöbel und bei Wind auch auf die Fensterscheiben. Und im Gegensatz zur Staubkonzentration am Freitag zeigt der Computer für Samstag ungewöhnlich große Mengen an Saharastaub, der mit dem Regen abgelagert werden soll.

Ist das dann der berühmte "Blutregen"?

So ist es. Also Regen, der mit Staub angereichert ist. Da aber die Farbe des Saharasandes je nach Herkunft von dunkelgrau oder hellgrau über leicht gelblich bis stark rötlich variiert, ist es schwer vorherzusagen, ob der Regen tatsächlich als "Blutregen" oder eher als "Schmutzregen" - das Wort ist natürlich frei erfunden - niedergeht. Fakt ist aber: gerade auf Autos und Gartenmöbeln macht sich der Sand in der Regel optisch nicht allzu gut. Und vor allem beim Autowaschen sollte man anschließend vorsichtiger als üblich agieren, weil der feine Sand auf dem Lack - bei unsachgemäßer Entfernung - auch feine Kratzer hinterlassen kann.

Mit welchen Aussichten geht es am Sonntag weiter?

Die letzten heftigen Gewitter ziehen nach Südosten ab und dahinter kommt immer öfter die Sonne raus. Die Temperaturen: sehr angenehm bei 20 bis 28 Grad.  

Was bringt der Start in die neue Woche?

Auch Montag und Dienstag bekommen wir Sommerwetter mit nur lokalen Gewittern bei 22 bis 30 Grad. Erst zur Wochenmitte könnte es - wie eingangs bereits erwähnt - wieder Spitzenwerte über 30 Grad geben. Doch auch die nächsten Gewitter dürften dann nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema