Panorama

Im Erdloch mit Kindern versteckt Polizei findet gesuchten "Reichsbürger"

Blick in eine Erdbehausung in einem Steinbruch im Landkreis Lichtenfels. Foto: Polizeipräsidium Oberfranken

Blick in die selbstgebaute Erdbehausung in einem Steinbruch im Landkreis Lichtenfels.

(Foto: Polizeipräsidium Oberfranken)

Nach monatelangen Ermittlungen wird die Polizei fündig: In einer spartanischen Erdbehausung entdecken Beamte einen "Reichsbürger", der per Haftbefehl gesucht wird. Dort haust er seit Längerem zusammen mit seinen zwei minderjährigen Kindern.

Die Polizei hat einen mit Haftbefehl gesuchten "Reichsbürger" in einer selbstgebauten Erdbehausung in Oberfranken festgenommen. Mit seinen beiden minderjährigen Kindern hatte der 50-Jährige in der spartanisch ausgebauten Behausung in einem Steinbruch im Landkreis Lichtenfels gewohnt, teilte die Polizei mit. Ermittler hatten den Mann bereits am vergangenen Samstag widerstandslos festgenommen. Die Kinder wurden inzwischen dem Jugendamt übergeben. Sie seien wohlauf gewesen.

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Blick von oben: Bei geschlossener Klappe war das Erdloch kaum erkennbar.

(Foto: dpa)

Beamte der Kriminalpolizei wollten den Mann schon Mitte November 2018 festnehmen, trafen ihn aber nicht an. Der Grund für den Haftbefehl ist bislang unklar. Während der Fahndung erfuhren die Ermittler, er habe sein Umfeld gemeinsam mit den minderjährigen Kindern verlassen. Für möglich hielt es die Polizei zu dem Zeitpunkt noch, dass er sich im Ausland aufhalte.

Anfang Mai bekamen die Ermittler Hinweise, dass sich der 50-Jährige mit seinen zwei Kindern in dem Steinbruch im Lichtenfelser Landkreis verborgen halten könnte. Verdeckte Maßnahmen erhärteten den Verdacht. Der Mann sei bei der Festnahme schließlich "sehr überrascht" gewesen, sagte eine Sprecherin der Polizei.

Zahl der "Reichsbürger" stagniert

Es ist nicht der erste Fall mit einem "Reichsbürger" in Deutschland, der für Schlagzeilen sorgt. Im Oktober 2017 etwa verurteilte das Landgericht Nürnberg-Fürth einen 50-Jährigen unter anderem wegen Mordes an einem Polizisten zu einer lebenslangen Haftstrafe. Der Mann hatte bei einem Polizeieinsatz im Oktober 2016 elf Mal auf Beamte geschossen. Die Zahl der Reichsbürger in Bayern stagniert dem jüngsten Verfassungsschutzbericht zufolge seit Mitte vergangenen Jahres bei rund 4200 Mitgliedern.

Bundesweit ist im Verfassungsschutzbericht 2017 von etwa 16.500 Personen die Rede. Bei rund 900 davon handele es sich um Rechtsextremisten. Für "Reichsbürger" ist die Bundesrepublik kein souveräner Staat. Die Bewegung wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Einige von ihnen sagen, Deutschland sei noch im Krieg und werde von den Siegermächten kontrolliert. Andere erklären, das Grundgesetz sei keine Verfassung - und basteln sich ihre eigene Grundordnung samt dazugehörigen Ausweispapieren. 

Quelle: n-tv.de, joh/dpa

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