Skandal beim DRKRettungssanitäter gibt Depressiven menschenverachtenden Rat

Depressive Menschen suchen in einer Facebook-Gruppe Hilfe, auch ein Rettungssanitäter stößt auf das Forum, wo er sich offenbar auf zynische Weise äußert. Es entbrennt ein Shitstorm, das DRK reagiert.
Ein Rettungssanitäter des Deutschen Roten Kreuzes aus der Region Hannover sorgt für heftige Kritik. Dem Mann wird vorgeworfen, auf Facebook einen Kommentar verfasst zu haben, in dem er depressiven Menschen zum Suizid rät. "Wer sich überflüssig fühlt, depri ist, sollte sich ganz einfach aus dem Leben nehmen. Du hast Ruhe und wir auch", schrieb der Mann nach Informationen von RTL und ntv in einer Facebook-Gruppe mit 25.000 Mitgliedern, in der Betroffene von Panikattacken, Depressionen, Zwängen und bipolaren Störungen sich gegenseitig austauschen und Hilfe suchen. Der Sanitäter erklärte zudem, wie der Suizid aus seiner Sicht am einfachsten vollzogen werden könne.
Der örtliche DRK-Verband bestätigt RTL und ntv auf Anfrage, dass der Inhaber des Profils beim Rettungsdienst des Roten Kreuzes angestellt ist. Ob der Mitarbeiter den Kommentar selbst verfasst hat, kann die Organisation nicht beurteilen. Der Beschuldigte reagiert bislang nicht auf eine Anfrage von RTL/ntv. Das viral gegangene Posting in der Facebook-Gruppe ist inzwischen gelöscht, die Profile des Rettungssanitäters in den sozialen Medien sind mittlerweile weitgehend auf privat geschaltet.
"Dass derartige Aussagen in keiner Weise mit den Werten und Grundsätzen des Roten Kreuzes vereinbar sind, versteht sich von selbst", erklärt ein Sprecher des DRK Region Hannover. Man habe die "in einem solchen Fall vorgesehenen und erforderlichen Schritte umgehend eingeleitet", heißt es weiter. Welche Maßnahmen jetzt genau auf den Mann zukommen, sagt der DRK-Sprecher jedoch nicht.
Hunderte Kommentare gegen Sanitäter
Im Internet entbrannte binnen kürzester Zeit ein Shitstorm gegen den DRK-Sanitäter. "Es ist eine Niedertracht, widerwärtig wie er sich hier äußert gegen psychisch kranke Menschen", schreibt ein Facebooknutzer in einem Kommentar. "Ich kann nur hoffen, dass er schnellstmöglich aus dem Verkehr gezogen wird" und "Dem will man in einer Notsituation nicht begegnen, vielleicht schickt er einen über den Jordan, damit er Ruhe hat" lauten zwei weitere Kommentare. Insgesamt gibt es Hunderte aufgebrachte Reaktionen.
Ins Rollen gekommen ist der Fall durch einen Beitrag der Aktivisten "Hooligans gegen Satzbau". Die Gruppe machte die Äußerung in sozialen Netzwerken öffentlich. "Viele Betroffene kämpfen jeden Tag darum, am Leben zu bleiben. Dass ausgerechnet ein Rettungssanitäter ihnen öffentlich den Suizid nahelegt, ist schwer zu begreifen", schreiben die Aktivisten. Sie sprechen von "blanker Verachtung gegenüber Menschen in einer psychischen Ausnahmesituation".
"Wer den Wert eines Menschen danach bemisst, ob er gesund, leistungsfähig oder 'praktisch' ist, sollte nicht in einem Beruf arbeiten, dessen Kern darin besteht, Leben zu retten - unabhängig davon, wem dieses Leben gehört", so die "Hooligans gegen Satzbau" weiter.