Folgen für SchifffahrtRhein-Pegel sinken auf neues Rekord-Tief

Deutschland befindet sich Experten zufolge derzeit in einer extremen Dürre - mit schwerwiegenden Auswirkungen auf Flüsse und damit die Schifffahrt. So nimmt das Niedrigwasser etwa im Rhein immer größere Ausmaße an.
Die Pegelstände am Rhein sind in Nordrhein-Westfalen noch weiter gesunken und haben an allen vier großen Messstationen neue historische Tiefstwerte erreicht. In Düsseldorf war der Pegelstand mit 15 Zentimetern so niedrig wie noch nie und unterschritt das erst wenige Tage alte Rekordtief von 20 Zentimetern deutlich, wie aus Daten des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Rhein hervorgeht.
Am Pegel Duisburg-Ruhrort betrug der Wert 145 Zentimeter und unterbot damit den bisherigen Tiefstand vom vergangenen Sonntag (148 Zentimeter). Die Pegelstände der einzelnen Messstationen am Rhein sind nicht direkt miteinander vergleichbar, da es keinen einheitlichen Nullpunkt für alle Pegel gibt.
In Köln war der Pegelstand schon am Donnerstag unter den erst vor wenigen Tagen gemessenen historischen Tiefstwert von 67 Zentimetern gefallen und sank dann weiter auf nun 60 Zentimeter.
Erholung ist nicht in Sicht
In Emmerich bewegt sich der Pegelstand bereits seit Tagen im negativen Bereich und der Schwimmer des Pegels liegt trocken - eine Sonde liefert die Daten. Inzwischen ist der Wert auf den neuen Tiefstand von minus sechs Zentimetern gesunken. Laut Prognose soll er am Samstag sogar auf minus acht zurückgehen.
Erholung ist in nächster Zeit nicht in Sicht: Bis einschließlich Dienstag werden die Pegelstände laut Prognose allenfalls um wenige Zentimeter steigen und somit auf niedrigem Niveau verharren.
Die Fahrrinne im Rhein ist wesentlich tiefer als der jeweilige Pegelstand am Ufer. In Köln etwa sind es beispielsweise 1,11 Meter mehr. Schiffe können zwar weiter fahren, allerdings nur mit viel weniger Fracht als normalerweise. Die niedrigen Pegelstände erhöhen somit die Transportkosten für die Wirtschaft und belasten vor allem Industriebranchen, die auf Massenguttransporte angewiesen sind. Das Niedrigwasser in deutschen Flüssen könnte nach Einschätzung von Ökonomen das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr verringern oder gar zunichtemachen.
Extrem-Niedrigwasser auch in der Donau
"Wir befinden uns gerade in einer extremen Dürre", sagte Markus Weitere vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig (UFZ). Aktuell sei der Süden Deutschlands sehr stark betroffen, auch das Ursprungsgebiet des Rheins in der Schweiz etwa. Das mache sich an den Pegeln von Rhein und Donau bemerkbar. Der Dürremonitor, den das UFZ betreibt, zeigt insbesondere für den Süden Deutschlands, dass in den tiefen Bodenschichten immer weniger Wasser verfügbar ist.
Martin Helms von der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) spricht von einer "außergewöhnlichen Situation mit extremen Wasserständen, zum Teil unter den bekannten niedrigsten Wasserständen". Alle großen Flüsse - besonders Rhein, Donau, Elbe - seien gleichzeitig stark betroffen, und das schon sehr früh im Jahr. Die typische Niedrigwasser-Saison sei üblicherweise erst im Spätsommer oder Herbst.
Häufigere und heftige Hitzewellen sowie zunehmende Dürren sind Folgen des Klimawandels. Eine wärmere Atmosphäre kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen, weshalb längere Trockenphasen zunehmen. Auch das BfG geht davon aus, dass der Klimawandel langfristig dazu führt, dass Niedrigwasserereignisse intensiver werden, weil mehr Wasser verdunstet.