Aus der Schmoll-EckeSachsen-Anhalt baut eine Diktatur, Berlin Poller und Bio-Toiletten
Eine Kolumne von Thomas Schmoll
In Berlin ist die Linkspartei durchsetzt von Polizei- und Israelverächtern. Wenn sie aber hoch und heilig verspricht, dass alle ihre Mitglieder ab sofort Juden gut finden, werden SPD und Grüne doch mit ihr paktieren, damit Deutschland endlich mal wieder eine Fortschrittskoalition hat.
Der Sommer war fantastisch. Schön warm. Ich habe viel auf meinem Balkon gearbeitet, was ich gern tue. Dadurch war ich allerdings gezwungen, immer wieder zu meinem neuen Nachbarn schräg gegenüber zu schauen. Erst hat er mich kolossal genervt. Dann habe ich mich an ihn gewöhnt, später ausgesöhnt, fast angefreundet. Von mir aus kann er ewig dort abhängen. Denn er schaut freundlich und entschlossen drein, das muss ich sagen. Und dass er sich und anderen verspricht, was er nicht halten kann und wird, ist menschlich unter Menschen, die wie er ihr Geld als Berufspolitiker verdienen.
Steffen Krach heißt der Nachbar, der von einem Plakat an einem Laternenmast gegenüber meiner Wohnung nonstop zu mir rüber lächelt und behauptet, "der nächste Regierende" von Berlin zu werden, was angesichts der Umfragewerte seiner Partei, der SPD, so wahrscheinlich ist, wie ein Kamel auf Grönland zu treffen. (Das war jetzt nur ein Vergleich, liebe Tierschützende und liebe SPD, um die Unmöglichkeit des Unterfangens zu veranschaulichen. Ich wollte damit weder Herrn Krach mit einem Kamel noch ein Kamel mit Herrn Krach vergleichen. So etwas muss man als Kolumnist heutzutage besser erklären, um missliebigen Mails aus dem Weg zu gehen. "Wie können Sie Herrn Krach/Kamele nur so beleidigen!" Gefolgt von einer Petition, in der verlangt wird, dass ich das "sofort" zurücknehme.)
Herr Krach kämpft wie ein Löwe (und nicht wie ein Kamel). Das trägt äußerst skurrile Züge und zeigt aus meiner Sicht, warum die Sozialdemokraten niemand mehr für voll nimmt. Er kritisiert den Kurs der Bundes-SPD wegen irgendwelcher Reformen. Er schimpft permanent über die Berliner Landesregierung, der seine Partei mit wenigen Unterbrechungen seit den Fünfzigerjahren angehört. "Spielplatz ohne Spritze", heißt es auf Wahlplakaten der SPD. Aber Krachs Genossen in Friedrichshain-Kreuzberg sind wie die Grünen und die Linkspartei bis heute gegen die Einzäunung des Görlitzer Parks, einem bundesweit bekannten Umschlagplatz für Drogen aller Art.
Konzepte für Schmelztiegel
Über solchen Irrsinn freut sich die AfD. Und deshalb gibt es permanent Beratungen und Podiumsdiskussionen, wie man die eklige Rechtspartei, die nun sogar im seit Jahrzehnten eher links tickenden Berlin im Aufwind ist, endlich kleinkriegt, auch wenn jeder weiß, der sich mit Politik befasst, dass die Wahrscheinlichkeit, ein Kamel in der Arktis zu treffen, größer ist als die Hoffnung, dass die AfD bald wieder verschwindet. Deren politische Konkurrenz redet und redet, während der Zuspruch zur AfD in exakt dem Tempo wächst wie die Vermüllung, die Obdachlosigkeit, die Armut, der Antisemitismus und die Clan-Kriminalität in Berlin.
Der Ortsverband der Linkspartei in Neukölln hat schon die passenden Konzepte entwickelt, der Lage - lang lebe der Feminismus! - Frau zu werden. Sie verniedlicht die Clan-Kriminalität und findet Razzien gegen Shishabars doof, damit nicht der Eindruck entsteht, "dass vor allem Teile der türkisch-, kurdisch- bzw. arabischstämmigen Bevölkerungsgruppen organisierter Kriminalität nachgehen. Dies schürt nicht nur rassistische Vorurteile und Hass gegenüber diesen Bevölkerungsgruppen, sondern lässt auch entsprechende Gewerbe wie beispielsweise Shishabars in den Fokus von rassistischen/islamfeindlichen Gewalttätern rücken". So heißt es in einer "Informationsbroschüre" der Linke-Fraktion im Parlament von Neukölln.
Nun ist es wirklich extrem schwierig bis unmöglich für die Polizei, gerade in dem Stadtbezirk Razzien und Polizeikontrollen durchzuführen, ohne auf Menschen aus "türkisch-, kurdisch- bzw. arabischstämmigen Bevölkerungsgruppen" zu treffen - denn Neukölln ist Berlins berühmtester Schmelztiegel. Tut sie es doch, was nur richtig ist, wird daraus in linken Kreisen und Quadraten der Vorwurf des "antimuslimischen Rassismus" gegen die "Bullen-Schweine". Während zugleich anti-queerer Rassismus islamistischer Terroristen umgedeutet wird.
Dann stimmt das Weltbild wieder
Berlins Queer-Beauftragter, ein SPD-Mitglied, hatte vor dem Attentat auf den CSD zur Bedrohung Schwuler und Lesben erklärt: "Wir werden gerade politisch angegriffen von rechts und vor allem von konservativen Kräften, von Rechtsextremen, von Neonazis." Und nach dem Mord auf dem CSD sagte er: "Unter konservative Kräfte zähle ich auch alle religiösen Gruppen, die ein Problem mit uns haben. Und die Islamisten gehören da dazu." Um dem Vorwurf des "antimuslimischen Rassismus" zu entgehen, werden Islamisten zu Neonazis erklärt - dann passt das Weltbild wieder. Hitler war ja auch ein Linker, wie wir von Deutschlands bekanntester Geschichtsklitterin erfahren haben.
In der "Informationsbroschüre" der Linke-Fraktion heißt es auch: "Die Gruppierungen aus dem Bereich der 'Clan-Kriminalität' verursachten durch ihre Straftaten im Jahr 2020 einen ermittelten Schaden in Höhe von rund 75.000 Euro. Der Gesamtschaden durch organisierte Kriminalität in Berlin im Jahr 2020 wird mit knapp 59.000.000 Euro beziffert." Auch deshalb setzt sich die Sprecherin des Neuköllner Ortsverbandes der Linkspartei "seit vielen Jahren" gegen "Stigmatisierung und Schikane im Rahmen der rassistischen Hetzkampagne rund um die 'Clankriminalität'" ein. Clankriminalität schreibt sie nur in Anführungsstrichen, weil es die - siehe die Zahlen oben - nicht gibt.
Tatatütatatrallalla, die CDU ist wieder da!
Die Frau glaubt, in einem korrupten, autoritär regierten Polizeistaat mit "rassistischer Law-and-Order-Politik" zu leben, wie sie es formuliert. Ihr Fazit: "Überall Polizei, nirgendwo Sicherheit." Heul doch! Und: "Die Wissenschaftsfreiheit (ist) eingeschränkt, Kultur (wird) zensiert, Protest niedergeknüppelt", wobei die Linke-Politikerin das Vorgehen der Polizei gegen Israel- und Judenverächter auf "Palästina-Demos" meint. Kurzum: "Let's defund the police!" Frei übersetzt: "Lasst uns der Polizei den Geldhahn zudrehen!" Aber zugleich den Geldhahn aufdrehen und reich gelesene Person*innen stärker besteuern. So geht Gerechtigkeit - wenn man links tickt.
Die Linke liegt in Umfragen zur Wahl am Sonntag kommender Woche trotzdem gerade vorn, weil Linksradikalismus und -extremismus noch immer in Teilen der Gesellschaft als kleines Übel durchgehen. Da hat die CDU nur wenig Chancen auf
Sieg, obwohl sie den Tennisspieler ausgetauscht hat und im Wahlprogramm es auf die lustige Tour versucht: "Berlin wird sicher. Mehr Tatütata. Weniger Trara." Tatatütatatrallalla, die CDU ist wieder da! Da freuen wir uns alle sehr. Wird aber nicht reichen. Ich fürchte, Grüne und SPD werden ganz fest beide Augen zudrücken, wenn die Linke hoch und heilig verspricht, dass alle ihre Mitglieder ab sofort Juden ausnahmslos gut finden, um dann mit der Partei zu paktieren, damit Deutschland endlich mal wieder eine Fortschrittskoalition hat, weil wir die Ampel so vermissen.
Dann werden "Miethaie" dem Schicksal von Timmy folgen und - wenn nicht vor Scham, dann mit Unterstützung von Gesetzen - auf dem Meerboden versinken. Dann startet die Verkehrswende wieder aufs Neue, wird die Friedrichstraße wieder zugemacht, wieder aufgemacht, wieder zugemacht. Sachsen-Anhalt baut eine Diktatur, Berlin neue Poller gegen den Autoverkehr und Bio-Toiletten, damit Fixer kein schlechtes Gewissen haben müssen, wenn sie sie vollmüllen. Und in fünf Jahren liegt dann die AfD auch in der Hauptstadt aller Deutschen vorn. Dann folgen Beratungen und Podiumsdiskussionen, wie man die AfD endlich kleinkriegt.