Panorama

Schule fällt vielerorts ausGlatteis und Schnee stoppen Autos, Busse und Bahnen

26.01.2026, 08:59 Uhr
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Neuschnee und Blitzeis sorgen für gefährliche Straßen in weiten Teilen Deutschlands und führen zu zahlreichen Unfällen. In vielen Landkreisen fällt für Schülerinnen und Schüler der Unterricht aus.

Neuschnee und Eisregen haben in ganz Deutschland den Verkehr behindert. Auf glatten Straßen ereigneten sich in der Nacht und am Morgen Hunderte Unfälle. Eine Front mit Niederschlägen überquerte Deutschland von Südwesten nach Nordosten. Auch für Fußgänger und Radfahrer war es mancherorts gefährlich glatt, wenn sich Regen auf gefrorenen Böden sofort zu Eis verwandelte.

Bei der Deutschen Bahn ist im Fernverkehr mit Verspätungen und Zugausfällen zu rechnen, wie das Unternehmen am Morgen mitteilte. Dies gelte für den gesamten Süden Deutschlands sowie die Verbindungen von und nach Berlin, Hamburg und Hannover. Zwischen Berlin und Rostock sowie Berlin und Stralsund wurde der Fernverkehr sogar eingestellt. Auch im übrigen Land waren viele Verbindungen von Einschränkungen betroffen.

Das Unfallgeschehen verlagerte sich im Laufe der Nacht und des Morgens in den Norden und Osten.

In Berlin waren die Straßen teilweise spiegelglatt - laut Stadtreinigung auch deshalb, weil starker Regen in der Nacht das Tausalz teilweise von den Fahrbahnen spülte. Der Straßenbahnverkehr musste wegen vereister Oberleitungen eingestellt werden. Auch S- und U-Bahnen fielen teils aus, fuhren verzögert oder stellten ihren Verkehr ganz ein. Nahezu alle Buslinien hatten nach eigenen Angaben mit Problemen zu kämpfen. Ein kurzes Autobahnstück in Berlin wurde wegen Eisglätte gesperrt. Die gestreuten Hauptstraßen in der Stadt waren hingegen problemlos befahrbar.

In Brandenburg meldete die Polizei laut RBB bis zum frühen Morgen 56 Glätteunfälle. Sieben Menschen wurden dabei verletzt. Demnach ist in der gesamten Uckermark und in der Landeshauptstadt Potsdam der Busverkehr eingestellt. Auf der A10 bei Wandlitz kippte ein Kleintransporter um, der Fahrer musste ins Krankenhaus gebracht werden.Auch andere Landkreise haben mit Ausfällen und Verspätungen zu kämpfen.

Busfahrer kommen nicht zu den Bussen

Für Teile Mecklenburg-Vorpommerns galten wegen der Gefahr von Glatteis Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Die Mecklenburgisch-Vorpommersche Verkehrsgesellschaft teilte mit, dass bis 9 Uhr keiner ihrer Busse fahren würde. Die Busse kämen nicht vom Hof, das Personal nicht an seinen Arbeitsplatz. Die Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim und die Neubrandenburger Verkehrsbetriebe stellten bis auf Weiteres ihren Busverkehr ein. In der Nacht kam es zu mehreren Unfällen, laut NDR blieb es aber bei Blechschäden.

Ein besonders folgenschwerer Unfall ereignete sich am Morgen in Nordrhein-Westfalen. In der Nähe von Paderborn geriet ein 39-jähriger Autofahrer in den Gegenverkehr und kollidierte nach Polizeiangaben frontal mit einem entgegenkommenden Fahrzeug. Der 39-Jährige und sein 17-jähriger Beifahrer wurden schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Der ältere der beiden schwebte demnach in Lebensgefahr.

Schneefall sorgt auf zahlreichen Straßen in Ostwestfalen für Verkehrsbehinderungen. Auf der A2 gab es rund um Porta-Westfalica eine geschlossene Schneedecke. Autos und Lastwagen kamen im Berufsverkehr nur langsam voran. Auch im Sauerland und in Teilen des Münsterlands blieb Schnee auf den Straßen liegen.

Schulausfälle in Niedersachsen und Bayern

In Niedersachsen haben spiegelglatte Straßen für eine Reihe von Unfällen gesorgt. Lastwagen blieben liegen oder stellten sich quer, außerdem gab es Leichtverletzte und Blechschäden, wie ein Sprecher der Polizeidirektion Braunschweig sagte. Die Autobahn 7 sei in Richtung Norden gesperrt. Im Raum Hannover gab es nach Angaben eines Sprechers am Morgen 23 Unfälle bei Glätte, auch hier waren es überwiegend Blechschäden.

In mehreren Landkreisen Niedersachsens fällt die Schule aus. Betroffen sind die Landkreise Celle, Gifhorn, Hameln-Pyrmont und Helmstedt, wie aus einer Übersicht der Verkehrsmanagementzentrale hervorgeht. Für die berufsbildenden Schulen in den Landkreisen Celle und Helmstedt wurde demnach Distanzunterricht angeordnet, der Schülertransport findet nicht statt.

Der Landkreis Celle teilte auf seiner Website mit, im Straßenverkehr bestehe wegen Schneefalls und Glätte ein großes Gefährdungspotenzial. Für Kinder, die trotzdem zur Schule kämen, bestehe eine Betreuungspflicht. Nach Angaben des Landkreises Helmstedt verschlechtern sich die Witterungsverhältnisse permanent. Busse seien bereits liegengeblieben oder gar nicht erst abgefahren.

Autofahrer verunfallt auf gesperrter Straße

Den Südwesten Deutschlands hatte die Schneefront bereits am Sonntagabend erreicht. Dort fielen bis zu 25 Zentimeter Neuschnee. In Stuttgart wurden am Abend rund 70 Unfälle auf glatten Straßen gezählt, in der Region Ulm mehr als 50. Schwere Unfälle waren nicht dabei. Bei Weinsberg blieben in der Nacht auf einer Verbindungsstrecke von zwei Autobahnen 15 bis 20 Autos und Lastwagen im Schnee stecken, wie die Polizei in Heilbronn mitteilte. Im Bereich des Polizeipräsidiums Ludwigsburg ereigneten sich 65 witterungsbedingte Unfälle. Die Autobahn 8 zwischen Stuttgart und München musste am Sonntagabend für mehrere Stunden voll gesperrt werden, weil mehrere Pkws und Lastwagen an Steigungen feststeckten.

In der Nähe von Leonberg verursachte ein Autofahrer einen Unfall auf einer gesperrten Straße. Laut Polizei wollte der 35-Jährige trotz Sperrung von der A8 auf die A81 Richtung Heilbronn wechseln und schob dafür eine Absperrung zur Seite. Wenig später kollidierte er an einer Baustelle mit einer Schutzplanke. Er blieb unverletzt, sein Auto war allerdings nicht mehr fahrbereit.

34-Jähriger rutscht in Kirchgarten

Für Teile des nördlichen Bayerns galten am Morgen noch Unwetterwarnungen wegen Schneefalls. Auf den glatten Straßen Frankens kam es zu mehreren Unfällen. Allein im bayerischen Unterfranken zählte die Polizei bis Montagmorgen rund 200 witterungsbedingte Einsätze, darunter 90 Unfälle. Die "Neue Presse Coburg" berichtet von mehreren Lkw-Unfällen, bei denen Fahrzeuge sich querstellten, von der Fahrbahn abkamen und in einem Fall auch kollidierten.

Bei Nürnberg kam ein 34-Jähriger mit seinem Auto ins Rutschen und landete im Vorgarten einer Kirche, wo er gegen eine Treppe stieß. Der Mann wurde leicht verletzt ins Krankenhaus gebracht. Laut BR kommt es im Raum Nürnberg zu Verspätungen und Ausfällen. In Bamberg und Würzburg sei der Busverkehr eingestellt. Auf der A3 bei Velburg in der bayerischen Oberpfalz kollidierten ein Lkw und ein Auto - beide Fahrer wurden schwer verletzt.

In Franken fällt an vielen Schulen der Präsenzunterricht aus. Die Behörden begründeten die Entscheidung mit nicht sicheren Schulwegen und anhaltenden winterlichen Witterungsverhältnissen. Betroffen sind unter anderem Stadt und Landkreis Würzburg, Stadt und Landkreis Schweinfurt, Stadt und Landkreis Aschaffenburg, Stadt und Landkreis Fürth sowie Stadt und Landkreis Ansbach. Auch in den Landkreisen Miltenberg, Main-Spessart, Kitzingen, Haßberge, Roth, Nürnberger Land, Erlangen-Höchstadt, Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim, Weißenburg-Gunzenhausen, Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld dürfen die Schülerinnen und Schüler zu Hause bleiben. Dies gilt ebenso in den Städten Schwabach, Erlangen und Nürnberg.

Weitere Schneefälle im Verlauf des Tages

Die Glatteiswarnung für Sachsen hingegen ist aufgehoben. Bis in die frühen Morgenstunden hatte wegen überfrierender Nässe und gefrierenden Regens erhöhte Glättegefahr bestanden. Besonders betroffen waren nach Angaben des Wetterdienstes die Kreise Leipzig, Meißen, Mittelsachsen und Nordsachsen sowie die Stadt Dresden. In Thüringen zählte die Polizei 97 Verkehrsunfälle innerhalb von acht Stunden.

Während in Nord-, Mittel- und Ostsachsen in der Nacht eher Schneeregen oder gefrierender Regen fallen soll, prognostizieren die Meteorologen für den Leipziger Raum bis in die Westhälfte teils mehrere Zentimeter Neuschnee. Auch tagsüber soll es demnach weiter schneien. Dabei bestehe weiter Glättegefahr.

Bis zum Vormittag wurden zumindest alle Unwetterwarnungen aufgehoben - bis auf eine: Der Deutsche Wetterdienst warnte vor starkem Schneefall in Teilen Frankens. Im Tagesverlauf erwartet er in vielen Teilen Deutschlands weitere Schneefälle, die allmählich nachlassen. Mit den größten Schneemengen sei von Osthessen bis nach Oberfranken zu rechnen, örtlich bis zu 15 Zentimeter. Abseits der Küsten bleibt es frostig bei 0 bis minus 5 Grad.

Quelle: ntv.de, lwe/dpa/AFP

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