Panorama

"Mörder, Mörder" Tumulte bei Schäfers Beerdigung

2010-04-25T015015Z_01_STG202_RTRMDNP_3_CHILE-CULT.JPG7862645493943224978.jpg

Der Leichenwagen auf dem Weg zum Friedhof.

(Foto: REUTERS)

Paul Schäfer war einer der berüchtigsten Verbrecher Chiles. Bei seiner Beerdigung bewerfen Anwohner den Leichenwagen mit Erde und beschimpfen den Toten.

Bei der Beerdigung des früheren Chefs der berüchtigten Deutschen-Siedlung Colonia Dignidad, Paul Schäfer, ist es zu Protesten gekommen. "Mörder, Mörder", riefen Anwohner, als der Sarg Schäfers aus einer Kapelle in der Hauptstadt Santiago gebracht wurde. Andere bewarfen den Leichenwagen mit Erde. Schäfer, der am Samstag im Alter von 88 Jahren an Herzversagen in einem Gefängnishospital der Hauptstadt gestorben war, wurde auf dem Friedhof Parque del Recuerdo Cordillera in dem Stadtteil Puente Alto von Santiago beigesetzt.

Die einzige Verwandte Schäfers, seine Adoptivtochter Rebeca, mied jeden Kontakt mit den Medien. Die Bewohner der früheren sektenartigen Colonia Dignidad im Süden Chiles, die heute Villa Baviera (Bayerisches Dorf) heißt, hatten eine Beerdigung auf dem Gelände des riesigen, von Schäfer Anfang der 1960er Jahre gegründeten Gutes strikt abgelehnt. Dort hatte der Laienprediger Schäfer bis etwa Anfang der 1990er Jahre despotisch über die etwa 300 Siedler geherrscht.

Folterlager der Geheimpolizei

2qls4714.jpg6266805087869531118.jpg

Schäfer im Jahr 2005.

(Foto: dpa)

Wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger war er zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die Landwirtschaftssiedlung diente während der Diktatur von Augusto Pinochet (1973-1990) auch als Folterlager der damaligen Geheimpolizei Dina. Nach dem Ende der Diktatur kamen die Verbrechen ans Licht. Schäfer tauchte 1997 zunächst unter, konnte aber 2005 festgenommen und später vor Gericht gestellt werden.

Der Rechtsanwalt von Opfern Schäfers aus der Siedlung, der Chilene Hernán Fernández, forderte die Justiz seines Landes auf, den Tod Schäfers zum Anlass zu nehmen, nun auch die Ermittlungen gegen die Helfer des früheren Sektenchefs voranzutreiben. "Hier müssen endlich Urteile gefällt werden."

Quelle: n-tv.de, dpa

Mehr zum Thema