Panorama

Ast trifft Hochzeitsgesellschaft Unwetter wüten in Ostdeutschland

Weltuntergangsstimmung in den östlichen Bundesländern: Bei erneut heftigen Unwettern werden mehrere Personen verletzt. In Berlin fahren keine Fernzüge mehr und Flugzeuge bleiben am Boden. Vorerst können die Menschen durchatmen, doch schon bald drohen neue Gewitter.

Nach zum Teil starken Unwettern mit mehreren Verletzten soll sich die Wetterlage in Deutschland am Donnerstag beruhigen. Vorübergehend sorgt Hoch "Sibylle" für ruhiges und entspanntes Wetter, sagt n-tv Meteorologe Björn Alexander. Auch die letzten Schauerreste aus der Nacht lösen sich vormittags auf und dann scheint meist die Sonne. Am späten Donnerstagnachmittag bilden sich nur ganz vereinzelte Schauer oder Gewitter über dem Bergland und an der Grenze zu den Niederlanden. Die haben aber kein Unwetterpotenzial mehr, so Wetterexperte Alexander. Am Freitag allerdings ziehen bereits die nächsten Gewitter auf. Und auch am Wochenende gibt es gewittrige Regengüsse.

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Im Fernverkehr in Berlin, der durch das Gewitter zeitweise gestoppt werden musste, sind inzwischen alle Strecken wieder frei, sagte eine Sprecherin. Es könne durch die Einschränkungen vom Mittwochabend aber noch zu einzelnen Teilausfällen kommen. Dies würde bundesweit aber nur rund fünf Züge betreffen. Für knapp zwei Stunden waren am Mittwochabend alle Fernzüge am Berliner Hauptbahnhof stehengeblieben, sagte eine Bahn-Sprecherin. Durch das Gewitter seien technische Anlagen beschädigt worden. Umgerissene Bäume fielen auf Straßen und S-Bahn-Gleise. Am frühen Donnerstagmorgen konnten noch nicht alle S-Bahnlinien wieder planmäßig fahren.

In Berlin hatten am Vorabend Windböen - nach Angaben von Björn Alexander mit einer Geschwindigkeit von mehr als 100 Kilometern pro Stunde - starker Regen und Gewitter für Chaos gesorgt. Die Feuerwehr musste rund 320 Mal ausrücken. Zeitweise wurden Straßen überflutet, auf dem Wannsee kenterten Boote und ein Baum fiel auf ein Cabrio. Die Insassen des Autos wurden dabei nur leicht verletzt. An den Flughäfen Berlin-Tegel und Schönefeld gab es rund 45 Minuten lang keine Starts und Landungen.

Bäume verletzen Menschen

Auch in anderen Bundesländern wurden Menschen verletzt. Im brandenburgischen Oranienburg stürzte am Mittwochabend laut Feuerwehr eine abgebrochene Baumkrone auf elf Menschen. Im südlichen Mecklenburg-Vorpommern wurden sieben Teilnehmer einer Hochzeitsgesellschaft durch einen herabstürzenden Ast schwer verletzt. Nach einem Feuer, ausgelöst durch einen Blitzeinschlag im Dachstuhl, ist ein Einfamilienhaus in Sachsen-Anhalt laut Polizei nicht mehr bewohnbar. Verletzt wurde dabei niemand. Laut Deutschem Wetterdienst fielen in Waren an der Müritz in zwei Stunden rund 35 Liter Regen pro Quadratmeter, in Gera in Thüringen waren es 45 Liter pro Quadratmeter, allerdings in drei Stunden.

Angesichts der Unwetter der vergangenen Tage fordern die Grünen einen besser auf den Klimawandel abgestimmten Bevölkerungsschutz. "Natürlich ist nicht jedes Unwetter eine direkte Folge der Klimakrise, aber es ist wissenschaftlich unstrittig, dass Extremwetter bei global steigenden Temperaturen immer häufiger werden", sagte der forschungspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion Kai Gehring. Die Ergebnisse der Klimafolgenforschung müssten aber systematisch in die Bedrohungsszenarien des Bevölkerungsschutzes einbezogen werden. Das passiere bisher viel zu wenig.

"Wo steigt in Zukunft die Hochwasser- oder Waldbrandgefahr? Wie können wir vor allem ältere Menschen und Kinder vor extremer Hitze in Städten schützen?" Solche ortsspezifischen Forschungsergebnisse seien auch für die Einsatzkräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Co. unerlässlich und müssten in jeder Kommune verfügbar sein, forderte Gehring. Die Bundesregierung habe zwar ein Forschungsrahmenprogramm für die zivile Sicherheit aufgelegt, doch die veränderte Gefahrenlage durch die Klimakrise spiele darin keine Rolle, kritisierte der Grünen-Politiker.

Quelle: n-tv.de, cam/dpa

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