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Die Sache mit dem Christkind Weihnachten - und was glaubst du?

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Das Christkind steht im Mittelpunkt - zumindest in der Krippe.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Es ist mehr als ein Fest der Liebe und der Familie: Wenn das Christkind an Heiligabend kommt, bringt es nicht nur Geschenke. Es hat auch einige Fragen im Gepäck. Ein Plädoyer für besinnliche Feiertage.

Die Tannennadeln duften, die Kerzen flackern, die Geschenke liegen unter dem Baum bereit. Die ganze Familie ist zusammengekommen - schließlich ist Weihnachten das Fest der Liebe und der Familie. Und noch jemand ist da, falls es nicht bereits vom Weihnachtsmann abgelöst wurde: das Christkind. Denn woher sonst sollten die Geschenke kommen? Das ist es zumindest, was man mir - in Süddeutschland - als Kind erzählt hat. Als der Baum geschmückt war, mussten wir ins Nebenzimmer. Erst dann konnte das "Christkind" vorbeikommen, um die Zutaten für die Bescherung unter dem Baum zu vergessen. Läuteten die Glöckchen, war alles bereit.

Natürlich sind auch wir Kinder damals recht schnell dahintergekommen, dass es ein Akt der Unmöglichkeit für das Christkind ist (im Übrigen auch für den Weihnachtsmann), Millionen von Haushalten an Heiligabend nahezu zeitgleich mit Geschenken zu versorgen. Unsere Eltern gerieten schon früh in den Verdacht, diese Aufgabe stellvertretend zu übernehmen. Dennoch: Jahr für Jahr spielten wir mit, es gehörte einfach dazu. Doch irgendwann kam der Punkt, an dem wir selbst Geschenke unter den Baum legten. Wir schickten unsere Eltern aus dem Zimmer, damit das Christkind noch einmal kommen konnte - schließlich hatte es zuvor die Geschenke für Mama und Papa vergessen.

Religion - was für Kinder?

Für viele Menschen erfüllt die Religion einen ähnlichen Zweck: Für Kinder in Ordnung, doch irgendwann wächst man heraus. Irgendwann ist man alt genug, sich mit den Irrungen und Wirrungen der Welt auseinanderzusetzen. Im Hier und Jetzt. Ohne Übersinnliches. Jeder weiß doch, wie der Hase läuft: Man wird geboren und stirbt. Da gilt es, die Zeit dazwischen irgendwie einigermaßen geschickt über die Bühne zu bringen, vielleicht möglichst so, dass man anderen nicht in die Quere kommt. Ist Glaube nicht etwas, was man zusammen mit den Kinderschuhen ablegt?

Die Illusion des Jesuskindes als Lieferant für Geschenke - ja, die sollte irgendwann überwunden werden. Doch Weihnachten symbolisiert vieles, das für einen Glauben spricht, der auch vernünftig sein kann. Denn Glaube und Vernunft sind keine Widersprüche.

In unserer aufgeklärten Gesellschaft wird suggeriert, es gebe nichts, was nicht durch Forschung und Wissenschaft erklärt werden könne. Weihnachten ist ein Gedankenstrich in dieser Welt. Zeit, darüber nachzudenken, ob das wirklich so ist. Und dann kann es ungemütlich werden. Wenn man sich plötzlich Fragen stellt, auf die es keine Antworten gibt - Fragen nach dem Woher, dem Wohin, dem Warum. Fragen, die auch die Wissenschaft nicht beantworten kann - und nie wird beantworten können. Es sei denn, man gibt sich mit der Antwort "Zufall" zufrieden.

Glaube heißt, den Zufall zu hinterfragen

Woher? Warum? Wohin? Das sind auch zentrale Fragen, die Weihnachten an diejenigen stellt, die sich darauf einlassen. Die provokative Behauptung, ein Gott sei in Jesus Mensch geworden, sprengt den Rahmen dessen, was sich "wissenschaftlich" nennt. Sie bringt eine andere Dimension ins Spiel: den Glauben. Den Glauben daran, dass es vielleicht Dinge gibt, die über diese Welt, die wir mit Worten und Zahlen beschreiben können, hinausgehen. Dass das Leben mehr ist als ein Lückenfüller zwischen Geburt und Tod. Ein solcher Glaube weckt zugleich Zweifel. Daran zum Beispiel, dass "Zufall" die einzige Antwort auf Fragen ist, die sich wissenschaftlicher Erkenntnis entziehen.

Es ist ein häufig vorgebrachtes Argument gegen Religion: Religiöser Glaube macht das Leben leichter, weil man sich in Jenseitiges und Übersinnliches flüchtet, anstatt die harte Realität beim Namen zu nennen. Doch dieses Argument ist schnell widerlegt. Es stimmt nämlich nicht. Wer glaubt, zweifelt - oft angesichts der harten Realität. Religiöser Glaube macht das Leben nicht leichter, denn er zwingt, sich mit grundlegenden Fragen des Lebens auseinanderzusetzen - die sonst gerne verdrängt werden. Er nötigt dazu, die simple Erklärung "Zufall" zu hinterfragen und mit Inhalt zu füllen. Man könnte genau andersherum argumentieren: Wer den Glauben an einen Gott mit dem Glauben an den "Zufall" ersetzt, macht es sich einfach. Und auch er glaubt, denn beweisen lässt sich der Zufall nicht.

Bei Würstchen mit Kartoffelsalat, geflöteten Weihnachtsliedern und fröhlicher Geschenkpapier-Schlacht ist für solche Themen nur selten Platz. Und all das ganze Drumherum gehört - glücklicherweise - zu Weihnachten dazu. Doch in allem Trubel, der uns das Jahr über umgibt, bieten die Weihnachtsfeiertage auch Zeit, sich einfach mal in seine Gedanken zurückzuziehen. Und sich vom Christkind fragen zu lassen: Was glaubst eigentlich du?

Quelle: n-tv.de

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