Politik

IS durch Luftschläge geschwächt 20.000 Jesiden entkommen Sindschar-Gebirge

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Peschmerga-Kämpfer suchen während der Luftunterstützung der USA Deckung.

(Foto: AP)

Im Norden des Irak deutet sich eine militärische Wende im Kampf kurdischer Einheiten gegen die Milizen der IS an: Durch wiederholte US-Luftschläge unterstützt, gelingt es, Tausende jesidische Flüchtlinge aus der Region zu befreien.

Mindestens 20.000 im Sindschar-Gebirge im Irak festsitzende Flüchtlinge haben die Region nach kurdischen Angaben verlassen und sich in Sicherheit bringen können. Das teilten Vertreter der autonomen kurdischen Regierung in der Region mit. Die vor den IS-Milizen geflohenen Angehörigen der religiösen Minderheit der Jesiden hatten tagelang ohne Wasser und Lebensmittel in dem Gebirge ausgeharrt. Peschmerga-Einheiten kämpfen gegen die Milizen. Unterstützt werden sie dabei von der US-Luftwaffe.

Dabei zeichnet sich ab, dass die IS-Milizen zunehmend unter Druck geraten. Zum zweiten Mal nach Beginn der Luftschläge flogen US-Kampfflugzeuge in der Nacht Einsätze gegen die Islamisten. Wie das US-Zentralkommando in Tampa in Florida mitteilte, galten die Operationen dem Schutz der nordirakischen Jesiden, die vor den Gräueltaten der Dschihadisten in das Sindschar-Gebirge geflüchtet sind und von den Terroristen willkürlich angegriffen worden seien.

Auch versorgten US-Flugzeuge die Menschen in Sindschar-Gebirge zum dritten Mal mit Wasser und Lebensmittel, teilte das Zentralkommando in der Nacht zum Sonntag mit. Bisher seien damit mehr als 52.000 Packungen Fertigessen und Behälter mit mehr als 40.000 Litern Wasser abgeworfen worden.

US-Präsident Barack Obama hatte zuvor erneut betont, dass der Militäreinsatz der USA begrenzt sei und keine Bodentruppen in den Irak zurückkehren würden. Es werde weitere Luftangriffe geben, wenn dies zum Schutz der Amerikaner oder religiöser Minderheiten im Land nötig sei. Auf einen Zeitrahmen dafür, wie lange diese Operationen andauern könnten, legte er sich nicht fest.

Auch Drohnen im Einsatz

Stattdessen verwies Obama wiederholt darauf, dass die USA das Problem letztendlich nicht lösen könnten, auch nicht militärisch. "Wir können das nicht für sie erledigen", sagte er vor seiner Abreise in einen rund zweiwöchigen Urlaub auf Martha's Vineyard. Nötig sei die Bildung einer Regierung im Irak, die die religiöse und gesellschaftliche Vielfalt im Land widerspiegele. Er glaube nicht, sagte Obama mit Blick auf den Kampf gegen die IS-Miliz, "dass wir dieses Problem innerhalb von Wochen lösen können...Es ist wird ein Langzeit-Projekt sein."

Am Sonntag will das Parlament erneut über eine Regierungsbildung beraten. Eine Einheitsregierung war bislang am Widerstand von Ministerpräsident Nuri al-Maliki gescheitert. Der Schiit hat mit seinem Bündnis Ende April die Parlamentswahlen gewonnen und besteht auf eine neue Amtszeit. Das lehnen Sunniten und Kurden, aber auch immer mehr schiitische Politiker ab. Bei einem Besuch in Bagdad mahnte auch der französische Außenminister, Laurent Fabius, eine Lösung der politischen Krise an. Er forderte eine Einheistregierunf

Bei der humanitären Hilfe für die nordirakischen Jesiden hätten der französische Präsident François Hollande und der britische Regierungschef David Cameron in Telefonaten Unterstützung zugesagt, berichtete Obama. Großbritannien schickte nach Angaben von Entwicklungshilfeministerin Justine Greening zwei Transportflugzeuge mit Hilfsgütern auf die Reise. Darunter seien Trinkwasser, Zelte und Solarzellen unter anderem zum Aufladen von Mobiltelefonen. Frankreich werde in den nächsten Stunden eine erste Lieferung mit Hilfsgütern auf den Weg bringen, berichtete der Elysée-Palast nach einem Telefonat Hollandes mit dem Präsidenten der kurdischen Autonomiegebiete, Massud Barsani. Obama und den USA sicherte Hollande die volle Unterstützung Frankreichs zu.

Die von den sunnitischen Extremisten als Ungläubige verfolgten Jesiden waren mehrere Tage lang von der Außenwelt abgeschnitten, bevor US-Maschinen in der Nacht zum Freitag erste Hilfslieferungen abwarfen. Kurdische Medien berichteten, dass IS-Extremisten auf Flüchtlinge schossen, die versuchten, das Gebirgsmassiv in Richtung Syrien oder Kurdistan zu verlassen. Nach örtlichen Medienberichten konnten Peschmerga-Soldaten inzwischen 10.000 Jesiden durch einen Schutzkorridor in Sicherheit bringen. Nach Angaben des Zentralrats der Jesiden in Deutschland warten aber noch 200.000 Angehörige der Religionsgemeinschaft in ihren Dörfern in der Region Sindschar auf Hilfe.

Quelle: ntv.de, jog/dpa