Politik

"Kein Missbrauch feststellbar"AOK-Chefin wirbt für Fortbestand der telefonischen Krankschreibung

24.08.2026, 02:53 Uhr
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Die Attestpflicht ab Tag eins würde die Praxen überlasten, befürchtet die AOK-Chefin. (Foto: picture alliance / ABBfoto)

Die geplanten Neuerungen gegen den hohen Krankenstand in Deutschland stoßen bei der AOK auf Ablehnung. Sowohl die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung als auch die Attestpflicht ab Tag eins findet die AOK-Chefin unsinnig.

AOK-Bundesverbandschefin Carola Reimann spricht sich für den Erhalt der telefonischen Krankschreibung aus. "Gerade bei Infektionswellen ist sie ein gutes Mittel, um Ansteckungen zu vermeiden und medizinisches Personal zu schützen", sagte Reimann den Funke-Zeitungen. Eine missbräuchliche Nutzung könne sie nicht feststellen. "Während Corona haben wir keine Veränderung im Krankschreibungsverhalten der Ärzte gesehen." 

Auch die geplante Rückkehr zur Pflicht einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) ab dem ersten Krankheitstag lehnt Reimann ab. "Wenn ab dem ersten Tag eine Krankschreibung vorliegen muss, bindet das eine unglaubliche Kapazität, die wir für die Versorgung nicht zur Verfügung haben. Das ist doch unsinnig", sagte sie. Schon heute könne ein Arbeitgeber verlangen, dass Beschäftigte ab dem ersten Tag eine Bescheinigung vorlegen. "Eine Pflicht in der Breite halte ich für falsch." 

Reimann warnte zudem davor, die Debatte über die Zahl der Krankheitstage politisch zu verkürzen. Die Diskussion reihe sich in Aussagen über zu viele Krankheitstage und "Lifestyle-Teilzeit" ein. "Ich hoffe sehr, dass der nüchterne Blick auf den Vorschlag noch einmal dazu führt, dass man ihn nicht umsetzt", sagte sie. Durch die elektronische Krankschreibung gebe es heute eine vollständigere Erfassung der Arbeitsunfähigkeitsdaten. "Deshalb sehen die Statistiken inzwischen anders aus als noch vor einigen Jahren." 

Der Koalitionsausschuss hatte sich vor einigen Wochen darauf verständigt, die Pflicht zur Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung künftig bereits ab dem ersten Krankheitstag einzuführen. Wie die Regelung konkret umgesetzt werden soll, ist nach der Kritik daran noch offen. Ebenfalls beschlossen wurde das Aus für die telefonische Krankschreibung. Die Regelung gilt derzeit für persönlich bekannte Patienten und bei Infektionserkrankungen für maximal eine Woche. 

"Verfügbarkeit von Tabak und Alkohol einschränken"

In der Debatte um die Zukunft der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) fordert die AOK-Chefin einen stärkeren Fokus auf Prävention. "Wir müssen bei der Prävention besser werden. Wir tun in Deutschland zu wenig dafür, dass Menschen gar nicht erst krank werden", sagte Reimann den Funke-Zeitungen. 

Vor allem bei Alkohol und Tabak sieht Reimann Handlungsbedarf. "Wir haben bei Tabak und Alkohol eine permanente Verfügbarkeit und sehr niedrige Preise", sagte sie. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfehle deshalb, gesundheitsschädliche Lebensmittel und Genussmittel zu verteuern und ihre Verfügbarkeit einzuschränken. Konkret könne das bedeuten, dass Alkohol nicht an jeder Tankstelle verkauft werde. Auch Werbeeinschränkungen könnten helfen. "All das kann es den Menschen leichter machen, sich gesund zu verhalten." 

Mit Blick auf die Finanzen der Kassen warnte Reimann zugleich vor weiter steigenden Zusatzbeiträgen. "Im Moment kann niemand ausschließen, dass die Zusatzbeiträge weiter ansteigen", sagte sie. Die Kassen hätten im ersten Halbjahr zwar mehr als zwei Milliarden Euro Überschuss erzielt. Das sei aber "nur die halbe Wahrheit". Die Leistungsausgaben stiegen weiter um sieben bis acht Prozent. "Das eigentliche Problem ist die Ausgabenseite. Die ist ungebremst dynamisch." 

Quelle: ntv.de, mau

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