Politik

Republikaner und Trump-Fan Abgeordneter stürmte mit Mob das Kapitol

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Ein Putschversuch.

(Foto: REUTERS)

Derrick Evans legt erst vor wenigen Wochen seinen Amtseid als Abgeordneter im Unterhaus des US-Bundesstaats West Virginia ab. Nun stürmt der Republikaner mit weiteren Trump-Anhängern gewaltsam das Kapitol. Seine Loyalität zum US-Präsidenten könnte strafrechtliche Folgen haben.

Wie er heißt und wo er sich gerade aufhält, darüber ließ Derrick Evans keine Zweifel aufkommen. "Derrick Evans ist im Kapitol", rief der 34-Jährige in seine Kamera, mit der er den Putschversuch in Washington live auf seinem Facebook-Profil übertrug. "Wir sind drin, wir sind drin, los jetzt, vorwärts", feuerte Evans die von Präsident Donald Trump höchstpersönlich motivierten Demokratiefeinde an, die gemeinsame Sitzung von Senat und Repräsentantenhaus zu stören, in der der Wahlsieg des Demokraten Joe Biden gegen den Amtsinhaber offiziell verifiziert und bestätigt werden sollte.

Evans ist allerdings nicht einfach nur irgendein Fanatiker, der den Allmachtsfantasien Trumps anhängt, sondern laut "Buzzfeed News" auch republikanischer Abgeordneter. Erst vor wenigen Wochen hatte er im Unterhaus von West Virginia seinen Amtseid abgelegt - nun präsentierte er der ganzen Welt, wie er mittendrin war, als Hunderte Protestierende mit Trump-Insignien, Holocaust-Verharmlosungen und Tattoos von bei Neonazis beliebten Symbolen mit Gewalt das Herz der amerikanischen Demokratie stürmten und die dort Versammelten dazu zwangen, ihren Leib und ihr Leben in Sicherheit bringen zu müssen.

Evans löschte die Videos dem Bericht zufolge zwar später wieder, da hatten sich diese aber längst verbreitet - doch weil er neben seinem Namen auch sein Gesicht bildstark präsentierte, war die Identifikation nicht allzu schwierig. "Die Patrioten sind hier", hatte der 34-Jährige nach dem Eindringen ins Kapitol in seine Kamera gerufen. Die "Washington Post" berichtet zudem von einem freundschaftlichen Gruß mit einem Polizeibeamten. Laut "Buzzfeed News" ist auch zu hören, wie der Mob die Sprecherin des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, bedroht. "Ich würde es nur zu gerne sehen, dass Nancy Pelosi hier vorbeikommt", sagt er, eine Frau antwortet darauf: "Wenn sie das täte, würde jemand sein Leben riskieren [...] und mehr als glücklich dafür ins Gefängnis gehen." Evans habe mit einem Lachen erwidert: "Oh ja, das stimmt."

Dem US-Medium zufolge ist Evans kein klassischer Republikaner, sondern "Teil einer neuen Welle von Trump-Loyalisten, die als Republikaner kandidieren, aber das Establishment verabscheuen und sich stattdessen als Teil einer 'patriotischen' Bewegung verstehen." Diese verbreiten die von Trump ohne jede Faktenbasis aufgestellten Wahlfälschungsvorwürfe und wollen dafür kämpfen, dass der Noch-Präsident trotz der klaren und offiziell festgestellten Niederlage bei der Wahl vom 3. November im Amt bleibt.

Sprecher glaubt Evans-Ausrede nicht

"Buzzfeed News" berichtet auch davon, dass Evans während seines eigenen Wahlkampfes die Lügen verbreitete, "dass tote Menschen gewählt haben", außerdem "Verschwörungsmythen über den Covid-19-Impfstoff" und dass er die "Black Lives Matter"-Proteste verurteile. Am 1. Januar habe er ein Bild von zahlreichen Waffen und der entsprechenden Munition gepostet, dazu "Frohes neues Jahr".

In einem weiteren Video vom Sturm auf das Kapitol sagt Evans, "heute wird es wild, Leute". Auf dem Facebook-Profil des republikanischen Abgeordneten heißt es außerdem, er habe zwei Busse voller "Patrioten aus West Virginia, Kentucky und Ohio" organisiert, die ebenfalls den Weg nach Washington angetreten hätten. Verbunden mit dem Hashtag #StopTheSteal, den auch Trump bei seiner Rede im Vorfeld des Putschversuches nutzte, um auf den vermeintlichen Wahlbetrug hinzuweisen. Klagen gegen das Ergebnis haben allerdings zahlreiche US-Gerichte und auch der mit einer konservativen Mehrheit besetzte Supreme Court wiederholt aus Mangel an Beweisen abgelehnt.

Für Derrick Evans brauchte es diese Beweise offenbar nicht, er hatte sich mit Helm und militär-ähnlicher Kleidung aufgemacht, die Sitzung im Kapitol zu stören und im Namen des Präsidenten zu versuchen, die Anerkennung von Bidens Wahlsieg zu verhindern. In einem Statement, das Evans nach den Krawallen veröffentlichte, bei denen mindestens vier Menschen getötet wurden, beruft er sich jedoch darauf, nicht als Abgeordneter dort gewesen zu sein, sondern als angeblich "unabhängiger Medienvertreter".

Diese Aussage glaubte ihm aber offensichtlich nicht einmal Roger Hanshaw, der republikanische Sprecher des Unterhauses von West Virginia. Der nämlich sagte in einem Statement, dass Evans "seinen Wählern und Amtskollegen erklären muss, wieso er in die Ereignisse dieses Tages involviert war". Denn, so Hanshaw weiter: "Das Stürmen von Regierungsgebäuden und die gewalttätige Störung unserer politischen Institutionen ist ein Verbrechen." Zu dem ein Satz passte, den Evans ebenfalls in seinen Livestreams gesagt hatte: "Trump hat den Weg dafür bereitet."

Quelle: ntv.de

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