Politik

"Mieser, schweinischer Angriff" Abschied von Simonis

Einen Monat nach ihrem Debakel bei der Ministerpräsidentenwahl in Schleswig-Holstein hat Heide Simonis während eines SPD-Landesparteitags einen bewegenden Abschied aus der aktiven Politik genommen. "Ich war leidenschaftlich mit dabei und finde, es hat sich gelohnt", sagte die 61-Jährige in Kiel mit Rückblick auf ihre 35-jährige politische Karriere. "Der 17. März 2005 war für uns alle, für die SPD-Schleswig-Holstein eine ganz harte und einschneidende Zäsur", meinte sie zu ihrem Scheitern bei der Ministerpräsidentenwahl.

Simonis, die seit zwölf Jahren als erste und einzige deutsche Regierungschefin amtierte, wird am Dienstag die letzte Sitzung des rot-grünen Kabinetts leiten. Die Nord-SPD könne stolz sein auf das Erreichte, sagte sie. Die SPD müsse Garant für ein soziales Schleswig-Holstein bleiben und treibende politische Kraft im Land sein. Mit den Worten "Ich bleibe bei euch!", beendete Simonis ihre Abschiedsrede. Lächelnd und tief gerührt nahm Simonis den von "Heide, Danke!"-Rufen begleiteten achteinhalbminütigen Applaus der mehr als 100 Delegierten entgegen.

Im Hinblick auf den Abweichler bei der Ministerpräsidentenwahl am 17. März sagte der frühere SPD-Landesvorsitzende Willi Piecyk: "Das war ein mieser, hinterhältiger, schweinischer Angriff auf die Integrität, auf die Würde deiner Person und ein herber Schlag für die gesamte Sozialdemokratie Schleswig-Holsteins."

Danach billigten die SPD-Vertreter den Koalitionsvertrag mit der CDU. 104 Delegierte votierten für das Bündnis; 12 stimmten mit Nein und 8 enthielten sich. Damit ist der Weg frei für die Wahl des CDU-Landes- und Fraktionsvorsitzenden Peter Harry Carstensen zum neuen Ministerpräsidenten.

Zeitgleich fand in Neumünster ein Parteitag der schleswig-holsteinischen CDU statt. Hier wurde die Koalitionsvereinbarung mit überwältigender Mehrheit gebilligt. 290 Delegierte stimmten für das schwarz-rote Bündnis, acht votierten dagegen, ein Delegierter enthielt sich.

Quelle: ntv.de