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Afghanistan-Kontingent soll schrumpfen Abzug von 500 Deutschen möglich

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(Foto: picture alliance / dpa)

Generalinspekteur Wieker nennt erstmals eine Richtgröße für eine Reduzierung des Bundeswehr-Kontingents in Afghanistan. So sei ein Abzug von 500 Soldaten durchaus realistisch. Während er die Abzugspläne der USA kritisch sieht, zieht er zur Bundeswehrreform ein positives Fazit.

Die Bundeswehr hält bis Mitte nächsten Jahres eine Reduzierung des Afghanistan-Kontingents um rund 500 Soldaten für möglich. Dies sei ein "Rahmen, an dem man sich orientieren kann", sagte Generalinspekteur Volker Wieker im Deutschlandfunk.

Damit würde die Bundeswehr jene Zahl an Soldaten zurückholen, die sie im vergangenen Jahr zusätzlich nach Afghanistan entsandt hatte. Allerdings hängt laut Wieker eine Reduzierung der deutschen Truppe noch davon ab, was die USA aus dem Norden abziehen und wie sich die anderen truppenstellenden Nationen verhalten, mit denen die Bundeswehr im Norden Afghanistans zusammenarbeite.

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Generalinspekteur Wieker kann sich eine Reduzierung der Bundeswehr-Truppen in Afghanistan um rund 500 Soldaten vorstellen. Die Abzugspläne der USA beäugt er hingegen kritisch.

(Foto: picture alliance / dpa)

Nach Angaben des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" nennt die Bundesregierung in ihrem Fortschrittsbericht für Afghanistan, der diese Woche dem Bundestag vorgelegt werden soll, für die angestrebte Reduzierung der Soldaten keine genaue Zahl. Trotz der schweren Anschläge der Taliban in den vergangenen Wochen sei sie aber entschlossen, ab Ende des Jahres die Truppenstärke zu verringern.

Die Entscheidung über den Umfang solle "im Lichte der dann gegebenen Lage" fallen. Laut dem Magazin handelt es sich bei der Formulierung um einen Kompromiss zwischen dem Außen- und dem Verteidigungsministerium. Die Regierung will die Sicherheitsverantwortung bis zum Jahr 2014 vollständig an die Afghanen übergeben. Deutschland ist mit rund 5000 Soldaten drittgrößter Truppensteller am Hindukusch.

Unzufrieden über US-Ankündigung

Derweil zeigte sich der Generalinspekteur unzufrieden über die Ankündigung der USA, bis zum Sommer nächsten Jahres rund 33.000 Soldaten abzuziehen. Dies sei ein ambitioniertes Ziel. "Man hätte vielleicht ein etwas gestreckteres Zeitfenster erwarten können." Es komme nun darauf an, welche Truppenteile die USA nach Hause holten. Im Norden Afghanistans stellten sie letztlich Kernfähigkeiten. Man stehe mit den Amerikanern in engen Verhandlungen, um sicherzustellen, dass die Deutschen und alle übrigen Verbündeten "weiterhin ihren Auftrag erfüllen können".

Die Anschläge der vergangenen Wochen bezeichnete Wieker als Rückschläge. Jedoch dürften sie den Blick auf die gesamte Entwicklung vor Ort nicht verstellen. Hier seien einige Erfolge zu verzeichnen. So seien die Taliban fast nicht mehr in der Lage in "komplexen Angriffen" etwa mit Hand- und Panzerabwehrwaffen die Schutztruppe ISAF und die afghanischen Streitkräfte zu gefährden, die Bevölkerung Repressalien auszusetzen oder Mitläufer zu rekrutieren.

Ein positives Zwischenfazit zog Wieker zur Bundeswehrreform. Vor allem bei der Rekrutierung des Nachwuchses sei man trotz des Endes der Wehrpflicht mittlerweile auf einem guten Weg. Mit Blick auf die anstehenden Entscheidungen über Erhalt und Schließung von Standorten kündigte er an, auch die regionalen Berufsperspektiven im Auge zu behalten. Weitere Kriterien seien die Ausbildungs- und Übungsmöglichkeiten, der Zustand der Infrastruktur und die Attraktivität eines Standortes. Insgesamt werde es wohl nicht problematisch wie manche dies befürchteten.

Quelle: n-tv.de, rts

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